Soll ich meinen Futures-Grid-Bot so einstellen, wie es das Video sagt? Am 18. Oktober 2026 hat Furkan Yildirim auf seinem YouTube-Kanal CoinCheck TV ein Regelwerk veröffentlicht, das er mit Claude aus über 700.000 simulierten Futures-Grids abgeleitet hat: 5-Minuten-Kerzen für Bitcoin, Ethereum, Solana und XRP ab Januar 2024, für Gold ab März 2025, jede Woche ein neuer Bot mit 90 Tagen Laufzeit. Die Kernzahlen: Ein Long-Grid mit 5× Hebel und der Einstellung „ausgewogen“ bringt im Mittel über diese fünf Märkte +71 % auf den Einsatz in 90 Tagen, wenn der Kurs steigt, und kostet −20 %, wenn er fällt. Das passende Einstellungs-Tool gibt er an Nutzer heraus, die ein OKX-Konto über seinen Partnerlink eröffnen oder verknüpfen.
Das klingt nach einer Wette mit eingebautem Fallschirm: drei Teile Gewinn gegen einen Teil Verlust. Wer das glaubt, stellt den Bot genau so ein und rechnet im schlechten Fall mit einem Fünftel Verlust.
Die Regeln messen die Spanne in Tagesschwankungen
Die Spanne des Grids wird in einer Einheit U gemessen: zehnmal die durchschnittliche Tagesschwankung der letzten 14 Tage (ATR), relativ zum Kurs. Zwei Einstellungen:
- vorsichtig, 3×: 1,5 U unter dem Einstieg, 3 U darüber
- ausgewogen, 5×: 0,5 U unter dem Einstieg, 3 U darüber, ohne Margin-Reserve
Dazu: Grid-Abstand nie unter 0,3 %, geometrisch statt arithmetisch.
Nachgebaut auf BTC, ETH und SOL: ein Start jeden Montag von Januar 2024 bis Juli 2026, je 90 Tage Laufzeit, 134 Starts je Coin. Long-Grid mit Anfangsposition, wie Binance und KuCoin es für Futures-Grids vorgeben, 0,05 % Gebühr je Order, Funding eingerechnet. Die Regeln für Auswertung und Urteil lagen fest, bevor der erste Lauf startete.
Wenn der Kurs steigt, stimmt das Video
| 5× ausgewogen, steigende Fenster | Mittel | 90-%-Spanne |
|---|---|---|
| BTC (59 Fenster) | +63,7 % | +45,4 … +73,8 % |
| ETH (56 Fenster) | +74,0 % | +53,6 … +89,9 % |
| SOL (59 Fenster) | +73,3 % | +54,4 … +80,6 % |
Auf allen drei Coins liegen die +71 % innerhalb der Spanne. Die Zahl ist nicht erfunden.
Sie ist allerdings kein Grid-Ertrag. Ein Grid ohne Hebel auf derselben Spanne verdient im Median +2,4 % (BTC), +0,5 % (ETH) und +4,1 % (SOL). Die +71 % sind der Kursanstieg der Anfangsposition, fünffach gehebelt. Das Grid sammelt keine 71 %, es reitet sie.
Wenn der Kurs fällt, stimmt es nicht
| 5× ausgewogen, fallende Fenster | Mittel | 90-%-Spanne | liquidiert |
|---|---|---|---|
| BTC (57 Fenster) | −59,4 % | −74,6 … −40,4 % | 23 von 57 |
| ETH (68 Fenster) | −85,8 % | −92,4 … −76,8 % | 53 von 68 |
| SOL (63 Fenster) | −77,7 % | −87,2 … −65,9 % | 42 von 63 |
Statt −20 % verliert dieselbe Einstellung im Mittel 59 bis 86 % der Margin. Auf keinem Coin liegen die −20 % auch nur in der Nähe der Spanne.
Der Grund steht in der Regel selbst. Die Spanne reicht nur 0,5 U unter den Einstieg. Fällt der Kurs darunter, hält der Bot seine volle Position mit fünffachem Hebel, und das Grid kauft nichts mehr nach. Bei ETH endet das in 53 von 68 fallenden Fenstern mit der Liquidation. Ein Fallschirm, der erst unterhalb des Bodens aufgeht, ist keiner.
Die vorsichtige Stufe fällt aus, wenn es unruhig wird
Für die vorsichtige Stufe mit 3× Hebel nennt das Video +35 % und −8 %, mit eingeschalteter Margin-Reserve und ohne Liquidation. Im Nachbau wird sie tatsächlich in keinem fallenden Fenster liquidiert, weil ihre Spanne 1,5 U tief reicht.
Genau diese Tiefe hat einen Haken. Liegt die Tagesschwankung über 6,7 % des Kurses, rutscht die untere Grenze unter null, und der Bot lässt sich nach der Regel gar nicht einrichten. Bei SOL war das in 52 von 134 Starts der Fall, bei ETH in 27, bei BTC in 5. Die vorsichtige Regel versagt genau in den Phasen, für die man Vorsicht bräuchte.
Über alle Fenster wird daraus ein Münzwurf
Niemand weiß beim Start, ob die nächsten 90 Tage steigen. Über alle Fenster gerechnet:
| 5× ausgewogen, alle Fenster | Mittel | Median | liquidiert |
|---|---|---|---|
| BTC | +2,9 % | +6,6 % | 24 von 134 (18 %) |
| ETH | −13,7 % | −20,1 % | 56 von 134 (42 %) |
| SOL | −4,1 % | +8,8 % | 43 von 134 (32 %) |
Dazu Funding: Bei 5× gehen im Median 3,3 % (BTC) bis 8,3 % (ETH, SOL) der Margin je 90 Tage an die Gegenseite.
Die Rechnung aus dem Video, drei Teile Gewinn gegen einen Teil Verlust, wird damit zu einem Münzwurf mit schlechter Auszahlung. Die Aufteilung nach steigend und fallend ist Rückschau. Handeln muss man vorher.
Geometrisch ist nicht einfach besser
Das Video empfiehlt geometrische Abstände für Long-Grids, weil sie in Abwärtsphasen weniger verlieren. In den fallenden Fenstern des Nachbaus war das bei BTC ein Prozentpunkt, bei ETH und SOL keiner. Gepaart Start für Start verglichen, ist über alle Fenster kein Unterschied nachweisbar. Aufgeteilt zeigt sich ein Muster:
- steigende Fenster: arithmetisch besser, im Median um 5 bis 8 Prozentpunkte
- Seitwärts-Fenster: geometrisch besser, um 2 bis 5 Prozentpunkte
- fallende Fenster: gleich, weil beide Varianten gemeinsam liquidiert werden
Welche Abstände besser sind, hängt an der Kursrichtung, die man beim Start nicht kennt.
Ein Schnitt mit Gold ist nicht die Zahl deines Coins
„Das Video rechnet mit 700.000 Grids auf OKX, du mit ein paar Hundert auf Binance-Kursen.“
Richtig, und die technischen Unterschiede sind benannt: 15-Minuten- statt 5-Minuten-Kerzen, Binance- statt OKX-Kurse und -Funding, und die genaue Grid-Zahl des Videos ist unbekannt. Keiner davon erklärt eine Lücke von −20 % zu −60 bis −86 %. Hoch und Tief einer 15-Minuten-Kerze enthalten jedes 5-Minuten-Hoch und -Tief. Mit feineren Kerzen würden Liquidationen nicht seltener.
Ein Unterschied wiegt schwerer. Die +71 % und −20 % sind laut Video ein Durchschnitt über Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP und Gold. Gold bewegt sich viel weniger als Krypto; eine Spanne von 30 % sei „für Gold riesig und für Solana mega eng“, sagt Yildirim selbst. Ob Gold und XRP den Schnitt in Richtung −20 % ziehen, ist hier nicht nachgerechnet. Ab wann ein Fenster als „falsch gelegen“ zählt, sagt das Video nicht. Wer einen Bot auf Bitcoin, Ethereum oder Solana laufen hat, braucht die Zahl seines Coins, nicht den Schnitt mit Gold.
Der Umfang ist ein anderes Thema: 134 Starts je Coin überlappen sich, weil jedes Fenster 90 Tage läuft und jede Woche ein neues beginnt. Unabhängig sind davon etwa zehn je Coin. Die Spannen in den Tabellen sind darauf gerechnet.
Die Spanne unter dem Einstieg entscheidet
Wer einen Long-Grid mit 5× Hebel betreibt, sollte die Verlustseite nicht mit −20 % kalkulieren. In den getesteten 2024 bis 2026 lag sie bei der „ausgewogenen“ Spanne zwischen −59 und −86 %, mit Liquidation in 40 bis 78 % der fallenden Fenster.
Die entscheidende Stellschraube ist nicht der Hebel allein, sondern wie weit die Spanne unter den Einstieg reicht. In einer früheren Messung wurde ein 5×-Grid selten liquidiert, weil der Einstieg in der Mitte der Spanne lag und der Bot ohne Position startete (Warum dein 5×-Grid-Bot selten liquidiert wird). Mit Anfangsposition und einer Spanne, die nur knapp unter den Einstieg reicht, ist es umgekehrt.
Den eigenen Fall rechnest du im Grid-Backtester nach: Hebel, Startregel „Anfangsposition“ und eine Spanne, die du vorher festlegst, nicht hinterher. Die Grundlage zur Frage, was ein Grid überhaupt absichert, steht in Dein Grid-Bot ist kein Hedge.
Short-Grids und 10× Hebel aus dem Video kann der Backtester nicht abbilden. Diese Aussagen bleiben ungeprüft.
FAQ
Was ist U genau? Zehnmal die durchschnittliche Tagesspanne (ATR) der 14 abgeschlossenen Tage vor dem Start, geteilt durch den Einstiegskurs. Im Median lag U bei 35 % (BTC), 50 % (ETH) und 62 % (SOL) des Kurses.
Was heißt „Anfangsposition“? Futures-Grids auf Binance und KuCoin kaufen beim Start für jede Grid-Stufe über dem Einstieg eine Order. Der Bot hält also vom ersten Moment an eine Position und trägt ab da Funding und Liquidationsrisiko.
Ab wann gilt ein Fenster als steigend oder fallend? Wenn der Schlusskurs am 90. Tag mehr als 5 % über oder unter dem Einstieg liegt. Fenster dazwischen sind seitwärts und gehen nicht in die beiden Tests ein.
Warum weicht das Mittel teils stark vom Median ab? Liquidationen setzen einzelne Fenster auf −100 %. Bei ETH in fallenden Fenstern liegt deshalb schon der Median bei −100 %.
Welche Gebühr und welches Funding? 0,05 % je Order. Funding bei BTC aus der aufgezeichneten Tagesrate dreier Börsen, bei ETH und SOL pauschal 0,05 % pro Tag.
Ist das Ergebnis reproduzierbar? Ja. Ein zweiter Lauf lieferte bitgenau dieselben Ergebnisse. Die Studie steht im Falsifikations-Register der Plattform.
Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.
Study the Past — Improve your Future 🥋