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Bitcoin mit 20× Hebel auf Polymarket: Selbst wer mit der Richtung recht hat, wird in mehr als jeder dritten Woche liquidiert

Polymarket bietet seit September Perps mit bis zu 20× Hebel. Ein Bitcoin-Long wird dort schon bei 2,5 % Gegenbewegung liquidiert. Seit 2024 traf das innerhalb einer Woche nach 64 % aller Einstiegstage, auch in 38,5 % der Wochen, die Bitcoin höher beendete.

Backtesting Arena·21. Oktober 2026·6 Min. Lesezeit·0 Aufrufe
Bitcoin mit 20× Hebel auf Polymarket: Selbst wer mit der Richtung recht hat, wird in mehr als jeder dritten Woche liquidiert

Du bist sicher, dass Bitcoin diese Woche steigt. Auf Polymarket kannst du das seit September mit 20× Hebel spielen: 1.000 Dollar Einsatz bewegen eine Position von 20.000 Dollar. Steigt Bitcoin um 5 Prozent, hast du deinen Einsatz verdoppelt.

Das klingt nach einer einfachen Wette: Liegst du richtig, gewinnst du. Nur wettet ein 20×-Long nicht darauf, wo Bitcoin am Ende der Woche steht. Er wettet darauf, dass Bitcoin auf dem Weg dorthin nie 2,5 Prozent unter deinen Einstieg fällt. Der Hebel bezahlt das Ziel, aber er verliert am Weg.

Bei 20× reicht ein Minus von 2,5 Prozent

Polymarket hat Anfang September seine Perps für alle Nutzer außerhalb der USA und Kanadas geöffnet: unbefristete Terminkontrakte auf Krypto, Aktien, Indizes und Rohstoffe, bei Start 67 Märkte. Bitcoin, Gold, Öl und der S&P 500 gehen bis 20× Hebel, Einzelaktien bis 10×. Mitte Oktober lagen laut DefiLlama rund 91 Millionen Dollar in offenen Positionen.

Wann eine Position zwangsgeschlossen wird, steht in Polymarkets eigener Dokumentation. Beim Einstieg hinterlegst du den Einsatz, bei 20× also 5 Prozent der Position. Zwangsgeschlossen wird, sobald dein Konto auf die Hälfte davon gefallen ist, auf 2,5 Prozent der Position. Diese Haltegrenze gilt auf einem 20×-Markt für jede Position, auch wenn du weniger Hebel wählst. Ist sie erreicht, verkauft das System die Position zum Marktpreis.

Bei 20× liegen zwischen Einstieg und Liquidation also genau 2,5 Prozent Kursbewegung, Gebühren und Funding rücken sie noch etwas näher. Was dann übrig ist, ist höchstens die Hälfte deines Einsatzes, abzüglich dessen, was der Notverkauf am Markt kostet. Die Erholung danach erlebt deine Position nicht mehr.

Mit weniger Hebel wächst der Abstand schnell, weil die Haltegrenze bei 2,5 Prozent der Position bleibt:

HebelEinsatz in % der PositionLiquidation nach einem Minus von
20×5 %2,5 %
10×10 %7,5 %
5×20 %17,5 %
3×33,3 %30,8 %

Zwischen 20× und 10× verdreifacht sich der Abstand. Den Hebel halbieren heißt hier: dreimal so viel Luft. Wie oft Bitcoin diese Abstände tatsächlich gerissen hat, zeigt der nächste Abschnitt.

Eine Woche mit 20× heißt meistens: liquidiert

Nachgerechnet auf Bitcoin-Tageskerzen von Binance, Januar 2024 bis 19. Oktober 2026: Einstieg an jedem Tag zum Schlusskurs, dann geprüft, ob das Tagestief der folgenden Tage die Liquidationsgrenze berührt hat.

Hebel1 Tag gehalten1 Woche gehalten30 Tage gehalten
20×25,3 %64,2 %80,7 %
10×1,6 %20,3 %50,4 %
5×0,0 %2,2 %17,2 %
3×0,0 %0,0 %2,2 %

Anteil der Einstiegstage, nach denen ein Bitcoin-Long liquidiert worden wäre. 1.016 Wochenfenster, Regel von Polymarkets 20×-Märkten.

Mit 20× war schon nach einem Tag jeder vierte Long liquidiert. Eine Woche hielt er nur nach gut einem Drittel der Einstiegstage durch. 20× ist kein Wochenhandel, sondern ein Tageshandel mit eingebauter Verfallsuhr.

Bleibt die Frage, ob das nur die Fälle trifft, in denen du ohnehin falsch lagst.

Recht haben schützt dich nicht

Von den 1.016 Wochenfenstern endeten 535 mit einem höheren Bitcoin-Kurs als beim Einstieg. Wer in diesen Wochen long ging, hatte die Richtung richtig.

HebelWochen, die höher endetendavon trotzdem liquidiert
20×535206 (38,5 %)
10×53517 (3,2 %)
5×5351 (0,2 %)

Mit 20× bist du in mehr als jeder dritten Woche rausgeflogen, in der du recht hattest. Über 30 Tage wird es noch deutlicher: 375 von 564 Monaten, die höher endeten, hätten den 20×-Long vorher geschlossen, zwei von drei.

Der Grund ist Bitcoins normale Schwankung. Ein Rücksetzer von 2,5 Prozent innerhalb einer Woche ist bei Bitcoin keine Ausnahme, sondern der Regelfall, auch in Wochen, die am Ende im Plus stehen. Mit 20× musst du nicht nur die Richtung treffen, sondern auch den Tag.

Wer das für eine Eigenheit der letzten zwei Jahre hält, findet in der längeren Geschichte keinen Trost.

Seit 2017 war es schlimmer, nicht besser

Über alle Bitcoin-Tageskerzen seit August 2017 gerechnet, wäre ein 20×-Long innerhalb einer Woche nach 69,0 % der Einstiegstage liquidiert worden. Von den Wochen, die höher endeten, traf es 46,5 %.

Die Jahre seit 2024 waren also die ruhigere Phase. Die Zahlen oben sind eher die freundliche Version.

Short hilft nicht, Funding ist das kleinere Problem

„Dann gehe ich eben short.“ Seit 2024 stieg Bitcoin innerhalb einer Woche nach 65,6 % der Einstiegstage um 2,5 Prozent über den Einstieg, praktisch so oft wie er fiel. Die Schwankung trifft beide Seiten gleich.

„Und die Finanzierungskosten?“ Perps kosten Funding, eine Zahlung zwischen Long- und Short-Seite, die den Kontraktpreis am Kassakurs hält. Über Binance, Bybit, OKX und Deribit gemittelt lag sie im letzten Jahr bei rund 3,25 Prozent pro Jahr auf die Positionsgröße. Bei 20× sind das etwa 1,25 Prozent deines Einsatzes pro Woche. Polymarket rechnet stündlich ab und deckelt bei 4 Prozent pro Stunde. Funding kostet dich gut ein Prozent pro Woche, die Liquidation die Hälfte.

Was die Rechnung nicht abbildet

Gerechnet ist mit Tagestiefs von Binance-Spot. Polymarket liquidiert nach seinem eigenen Markpreis, der aus mehreren externen Kursquellen gebildet wird. Kurze Ausschläge auf einer einzelnen Börse können dort flacher ausfallen, was die Quoten etwas senken würde. In die andere Richtung wirken Gebühren und Funding: Beide zehren am Kontostand und schieben die Liquidation vor die 2,5 Prozent.

Die Wochenfenster überlappen sich, weil jeden Tag ein neues beginnt. Die 1.016 Fenster sind deshalb nicht 1.016 unabhängige Versuche, die Größenordnung zwischen 20×, 10× und 5× ändert das nicht. Andere Börsen setzen die Haltegrenze anders. Binance verlangt für Bitcoin-Positionen bis 300.000 Dollar 0,4 Prozent der Position. Ein 20×-Long fliegt dort erst nach 4,6 Prozent Gegenbewegung raus, dafür sind dann höchstens 8 Prozent des Einsatzes übrig. Kalshi, der US-Anbieter, geht bei Bitcoin bis etwa 6× und nennt als eigenes Beispiel, dass bei 6× schon 17 Prozent Gegenbewegung den ganzen Einsatz kosten können.

Den Hebel nach der Haltedauer wählen

Die Frage vor einem Hebeltrade ist nicht, wie sicher du dir der Richtung bist. Sie lautet, wie lange du halten willst. Nach Polymarkets Regel überstand ein Bitcoin-Long seit 2024 eine Woche mit 5× in 97,8 % der Fälle, mit 10× in vier von fünf, mit 20× in gut einem Drittel.

Wie sich ein Hebel innerhalb einer ganzen Strategie verhält, mit Positionsgröße und Funding, rechnest du im Hebel-Backtest nach. Warum schon 2× deinen Bestand in Coins nie verdoppelt, aber auslöschen kann, steht im Stück Wie funktioniert Hebeltrading.

Offen ist, wie dieselbe Tabelle für Ether und Solana aussieht, die auf Polymarket ebenfalls bis 20× gehen und deutlich stärker schwanken als Bitcoin.

FAQ

Was ist ein Perp? Ein Perpetual Future ist ein Terminkontrakt ohne Ablaufdatum. Du hältst eine Position, die sich mit dem Kurs bewegt, ohne den Coin zu besitzen. Damit der Kontraktpreis nicht wegläuft, zahlen Long- und Short-Seite einander regelmäßig Funding.

Warum genau 2,5 Prozent? Polymarket setzt die Haltegrenze auf die Hälfte der Sicherheit, die der maximale Hebel eines Markts verlangt: 0,5 geteilt durch 20, also 2,5 Prozent der Position. Mit 20× hinterlegst du 5 Prozent. Hast du die Hälfte davon verloren, wird die Position geschlossen.

Ist das nicht eigentlich ein 40×-Hebel? Nein. Der Hebel sagt, wie stark dein Einsatz auf den Kurs reagiert, und das legt die Sicherheit beim Einstieg fest. Mit 1.000 Dollar bei 20× hältst du 20.000 Dollar Bitcoin. Ein Prozent Kursrückgang kostet dich 200 Dollar, bei echten 40× wären es 400. Die Haltegrenze bestimmt nur, wann Schluss ist: nach 500 Dollar Verlust. In diesem Moment ist die Position 40-mal so groß wie dein Restkonto, und genau deshalb wird sie geschlossen. Eine niedrigere Haltegrenze würde dir mehr Abstand geben, aber am Ende auch mehr vom Einsatz nehmen.

Bekomme ich bei einer Liquidation gar nichts zurück? Bei einer normalen Liquidation verkauft Polymarket die Position am Markt, der Rest bleibt auf deinem Konto. Das ist höchstens die halbe Sicherheit, weniger, wenn der Notverkauf in einen dünnen Markt läuft. Bei schweren Einbrüchen übernimmt ein Versicherungsfonds die Position samt der hinterlegten Sicherheit.

Wie wurde gerechnet? Binance BTCUSDT, Tageskerzen 17.08.2017 bis 19.10.2026. Einstieg zum Tagesschluss, Liquidation, sobald ein späteres Tagestief den Einstieg minus Abstand erreicht. Gebühren und Funding sind nicht eingerechnet. Die Skripte liegen vor, ein zweiter Lauf ergab dieselben Zahlen.

Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.

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