Am 18. September postete Willy Woo einen Chart: den Fisher Transform auf Bitcoin-Monatskerzen. Darunter stand „BTC bottoms: 3 for 3 without fake out. Latest cross is the 4th on record." Drei Böden, drei Treffer, kein Fehlsignal, und die vierte Kreuzung läuft gerade.
Das liest sich wie ein Grund zu kaufen. Bevor es einer wird, gehört eine Frage davor, die der Post nicht beantwortet: drei von wie vielen?
Eine Trefferquote ohne Nenner ist eine Aufzählung
„Drei von drei" ist ein Bruch, und der Post nennt nur den Zähler. Woos eigene Folgeantwort gibt einen Hinweis auf den Rest: Fisher-Wendepunkte seien kein Umkehrsignal, der Kurs könne konsolidieren und weiterlaufen, und in manchen Bullenmärkten kreuze Fisher bearish und danach wieder bullish.
Der Indikator hat also öfter gekreuzt als dreimal. Die übrigen Kreuzungen zählen nicht als Fehlsignale. Sie gelten als Rauschen, weil an ihnen kein Boden lag.
Diese Sortierung gelingt nur im Rückblick. Wer heute eine Kreuzung sieht, weiß nicht, auf welchem Stapel sie landen wird. Eine Trefferquote, die sich erst hinterher ausrechnen lässt, beschreibt die Vergangenheit und ist kein Signal. „Without fake out" ist dasselbe Problem in drei Wörtern: Was ein Fehlsignal war, entscheidet sich, wenn man weiß, was danach kam.
Beim Fisher Transform auf dem Monatschart lässt sich der Nenner nicht nachzählen. Bei einem anderen berühmten Zyklusindikator schon, und dort sieht die Bilanz zunächst glänzend aus.
Pi Cycle: vier Kreuzungen, vier Hochs
Pi Cycle ist der klassische Bitcoin-Top-Indikator. Er schlägt an, wenn der 111-Tage-Durchschnitt über den doppelten 350-Tage-Durchschnitt steigt. Sein Ruf lautet „ein Signal pro Zyklus, nahezu perfekt", und so stand es bis jetzt auch im Strategie-Katalog der Arena. Das Ereignisprotokoll der Arena rekonstruiert die Regel auf Tagesschlusskursen seit Dezember 2010 und findet genau vier Kreuzungen nach oben.
| Kreuzung | Schlusskurs | Was sie markierte |
|---|---|---|
| 6. Apr 2013 | 142,63 $ | Allzeithoch an diesem Tag, wenige Tage vor dem April-2013-Hoch |
| 3. Dez 2013 | 1.155 $ | der Tag vor dem Zyklushoch (1.237,96 $ am 4. Dez) |
| 16. Dez 2017 | 19.423,67 $ | der Tag des Zyklushochs selbst |
| 12. Apr 2021 | 59.839,58 $ | 2 % unter dem April-2021-Hoch |
Vier Kreuzungen, vier Hochs, jeweils binnen Tagen. Wer am 16. Dezember 2017 auf die Kreuzung hin verkaufte, verkaufte zum höchsten Schlusskurs des Zyklus. Hier wurde nichts nachträglich als Rauschen aussortiert; es gab keine weitere Kreuzung nach oben.
Endete die Geschichte hier, wäre der Ruf verdient. Sie endet nicht hier, denn dasselbe Protokoll kennt auch die Hochs, an denen nichts kreuzte.
Das höchste Hoch kam ohne Signal

Oben die vier Hochs, an denen Pi Cycle kreuzte. Unten die vier, an denen es schwieg, darunter das höchste.
| Hoch | Kurs | Signal |
|---|---|---|
| Juni 2019 | das Hoch von 2019 | keins |
| November 2021 | rund 67.500 $, 10 % über dem April-Hoch | keins |
| 13. März 2024 | 73.084,11 $, höchster Schluss dieses Halving-Zyklus | keins |
| 6. Oktober 2025 | 124.658,54 $, das Allzeithoch | keins |
Am 6. Oktober 2025 schloss Bitcoin bei 124.658,54 $, so hoch wie nie. Pi Cycle kreuzte nicht. Mitte November stand der Kurs 24 % tiefer, Anfang September 2026 37 % tiefer, laut Mayer-Band-Protokoll der Arena. Wer mit dem Verkauf auf Pi Cycle wartete, wartet bis heute.
Vier von vier an den Hochs, die Pi Cycle nannte. Vier von acht an den Hochs, die es gab. Beide Sätze stimmen. Eine Trefferliste zeigt, wo ein Indikator recht hatte; wo er schwieg, zeigt nur die Liste der Hochs.
Auch einer der vier Treffer ist weicher, als er aussieht. Wer im April 2021 auf die Kreuzung hin verkaufte, entging der Sommerkorrektur und sah dann zu, wie Bitcoin im November 10 % über dem April-Hoch schloss.
Der Katalogeintrag der Arena für Pi Cycle wird auf diese Bilanz umgeschrieben: vier Daten, vier verpasste Hochs, und dieselbe Verdikt-Schwelle wie für jede Strategie auf der Plattform, 30 abgeschlossene Trades. n = 4 berichtet eine Historie, keinen Vorteil.
Zurück zu Woos Chart. Dort steckt noch ein zweites Problem, und es betrifft die vierte Kreuzung.
Die vierte Kreuzung stand auf einer offenen Kerze
Als Woo den Chart postete, hatte die September-Monatskerze noch zwölf Tage zu laufen. Der Fisher Transform rechnet auf Schlusskursen. Die vierte Kreuzung stand also auf einer Kerze, die es noch nicht gab, und sie konnte bis zum Monatsende wieder verschwinden.
Die ersten drei Kreuzungen sind auf abgeschlossenen Kerzen gemessen. Alle vier als Reihe zu nennen, stellt drei Beobachtungen neben einen Zwischenstand. Bei jedem Monatssignal ist die erste Prüfung, ob die Kerze geschlossen ist.
Selbst wenn die Kreuzung den Monatsschluss übersteht, bleibt ein tieferes Problem. Es liegt nicht im Indikator.
Bitcoin hat zu wenig Geschichte für Monats-Bilanzen
Die Bitcoin-Serie der Arena beginnt im Juli 2011. Das sind rund 180 Monatskerzen, vier Halvings und drei abgeschlossene Zyklen. Ein Boden-Indikator bekommt auf diesem Chart höchstens drei Beobachtungen, ein Top-Indikator vier, wie Pi Cycle zeigt.
Kein Backtest, keine Methode und keine Rechenleistung ändern das. Mehr Bitcoin-Geschichte lässt sich nicht herstellen.
Das ist kein Vorwurf an eines der beiden Werkzeuge. John Ehlers hat den Fisher Transform 2002 veröffentlicht, Jahre bevor es Bitcoin gab; er ist nicht auf diesen Markt zugeschnitten. Die Grenze liegt in der Stichprobe, nicht im Werkzeug.
Was bleibt dann für jemanden, der Zyklusindikatoren nutzen will? Dieselben Regeln auf einer Zeitebene, die genug Beobachtungen hergibt.
Auf Tagesdaten kann man einer Bilanz widersprechen
Auf Tagesdaten erzeugen der Fisher Transform, Pi Cycle und jede andere Kreuzungsregel genug Ereignisse für eine echte Auswertung. Dann gibt es einen Nenner, Kosten, Tiefe und Dauer der Drawdowns, eine Trennung zwischen dem Zeitraum, auf dem die Regel gebaut wurde, und dem, auf dem sie geprüft wird, und eine Prüfung, ob benachbarte Einstellungen dasselbe liefern.
Das Ergebnis kann langweilig sein. Man kann ihm aber widersprechen, einer Monats-Bilanz nicht.
Getestet auf dem Monatschart: Den Backtest kannst du dir sparen. Er kann dort nicht antworten, und das zu wissen schützt dich davor, einer Bilanz aus drei Fällen eine Position anzuvertrauen.
Vier Fragen, bevor eine Bilanz Geld bewegt
- Wie viele Signale gab es insgesamt, nicht nur Treffer?
- Wer hat entschieden, welche Signale zählen, und wann: vor oder nach dem Ergebnis?
- Steht das aktuelle Signal auf einer abgeschlossenen Kerze?
- Wie viele Beobachtungen gibt dieser Markt auf dieser Zeitebene überhaupt her?
Lautet die Antwort auf die vierte Frage „drei" oder „vier", sind die ersten drei schon beantwortet. Und wenn jemand sagt, es seien eben die drei relevanten Signale gewesen, lautet die nächste Frage: Wer hat entschieden, dass sie relevant waren?
Die gefährlichste Zahl in einer Bilanz ist selten die falsche. Es ist die, deren Nenner fehlt.
FAQ
Stimmen die Pi-Cycle-Daten der Arena mit den öffentlichen Charts überein? Eng, nicht immer auf den Tag. Das Protokoll ist aus den gespeicherten Tagesschlusskursen der Arena unter der deklarierten Regel rekonstruiert (111-Tage-SMA auf oder über 2 × 350-Tage-SMA); eine Quelle mit anderem Schlusskurs oder anderem Datenfeed kann einen Tag abweichen. Die vier Treffer und vier verpassten Hochs hängen davon nicht ab.
Ist ein Hoch, das Pi Cycle „verpasst" hat, nicht einfach kein Zyklushoch? Das ist wieder das Sortierproblem. Oktober 2025 ist das Allzeithoch. Wenn der höchste Kurs, den Bitcoin je hatte, für einen Top-Indikator nicht als Top zählt, wurde die Definition an die Bilanz angepasst.
Woher kommen die 67.500 $ und die −24 % und −37 %? Aus dem Mayer-Band-Protokoll der Arena, das bei jedem Wechsel Schlusskurs und Abstand zum Allzeithoch festhält: 28. Dezember 2021, 41.837 $ und 38,1 % unter dem Hoch, was dieses Hoch auf rund 67.500 $ setzt; 3. November 2025, 24,4 % unter dem Oktober-Hoch; 19. August 2026, 37,1 % darunter.
Die Regeln für das Pi-Cycle-Protokoll lagen fest, bevor die Ereignisse gelesen wurden; die Rekonstruktion läuft auf gespeicherten Tagesschlusskursen.
Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.
Quellen: Willy Woo auf X, 18. September 2026, samt eigener Folgeantwort · John F. Ehlers, „Using the Fisher Transform", Technical Analysis of Stocks & Commodities, Bd. 20 Nr. 11, November 2002 · Backtesting Arena, Signal-Ereignisprotokoll (pi_cycle_cross, mayer_band), Halving-Tabelle und Cycle-Snapshot, abgerufen 24. September 2026
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