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Dein Grid-Bot ist kein Hedge. Er ist ein halb leeres Depot.

Ein Grid-Bot hatte in 138 von 138 Fenstern seit 2017 den flacheren Drawdown, Ranges vorab gesetzt. Nicht weil er gut handelt: weil er nie mehr als die Hälfte des Geldes investiert. Was der Schutz in den Rally-Fenstern kostet, und was eine Rückblick-Range wert war.

Backtesting Arena·12. September 2026·8 Min. Lesezeit·0 Aufrufe
Dein Grid-Bot ist kein Hedge. Er ist ein halb leeres Depot.

Ein Grid-Bot kauft in einer festen Range auf dem Weg nach unten und verkauft auf dem Weg nach oben. Wer einen laufen lässt statt zu halten, will meist eines wissen: Bin ich im Crash geschützt, oder verpasse ich nur die Rally? Und wie viel hängt an der Range, die man vorher setzen muss?

Die kurze Antwort aus 138 gemessenen Fällen: geschützt, in jedem einzelnen. Nur nicht, weil der Bot handelt, sondern weil er 52 bis 65 % des Geldes gar nicht investiert. Ein halb leeres Depot fällt weniger tief als ein volles. Die Rechnung dafür kommt, wenn der Markt läuft.

Der Mai-Post auf dieser Seite zeigte dazu zwei Einzelfälle, darunter eine BTC-Range 80.000–130.000 $, die nach 16 Monaten bei +0,45 % stand, während Buy & Hold 19,15 % verlor. Zwei Fenster, beide Ranges mit bekanntem Chart gewählt. Hier steht jetzt die Messung: 35 disjunkte 90-Tage-Fenster je Asset seit 2017, Ranges nur aus Daten, die vor jedem Fenster verfügbar waren.

Der Aufbau, in nachrechenbaren Zahlen

  • Daten: Binance-Spot-Kerzen, 15 Minuten, BTCUSDT und ETHUSDT, 17.08.2017 bis 31.08.2026. 316.411 Kerzen je Paar, 0,18 % fehlend.
  • Fenster: 35 disjunkte Fenster à 90 Tage je Asset, das erste ab 16.11.2017, das letzte bis 02.07.2026. Dazu 105 überlappende Fenster im 30-Tage-Schritt als Robustheitsprobe.
  • Zwei Range-Regeln, vor dem Fenster entschieden. R1: Tief und Hoch der Schlusskurse der 90 Tage davor. R2: letzter Schlusskurs ± 1,5 Standardabweichungen der 90-Tage-Renditeverteilung, auf 90 Tage skaliert. Eine dritte Regel R3 nutzt Minimum und Maximum des Fensters selbst. Sie ist nicht handelbar und dient nur dazu, den Rückblick zu bepreisen.
  • Bot: 50 arithmetische Grids, 0,075 % Gebühr, 10.000 USDT, Einstieg zum ersten Schlusskurs des Fensters. Dieselbe Engine wie der Grid-Backtest auf dieser Seite.
  • Regeln, Endpunkte und Abbruchkriterien wurden vor dem ersten Lauf festgeschrieben, wie bei der Wyckoff-Spring-Studie. Zwei Läufe liefern denselben Hash.
  • Eine Regel für diesen Text: Jede Grid-Zahl steht neben der Buy-&-Hold-Zahl aus demselben Fenster.

Der Drawdown: ja, und zwar mechanisch

Maximaler Drawdown je Fenster, Median über die Fenster. Die Differenz-Spalte ist der Median der paarweisen Differenzen je Fenster, nicht die Differenz der beiden Mediane davor; das gilt für alle Tabellen in diesem Text:

AssetRegelGridBuy & HoldDifferenz (Median, 90-%-Intervall)Fenster mit flacherem Grid
BTCR1−9,5 %−28,1 %+13,6 pp [10,9; 15,3]34 von 34
BTCR2−13,1 %−27,2 %+13,2 pp [11,9; 14,9]35 von 35
ETHR1−15,3 %−37,3 %+16,5 pp [14,6; 20,5]34 von 34
ETHR2−15,6 %−36,3 %+18,7 pp [17,2; 19,3]35 von 35

Max. Drawdown je 90-Tage-Fenster, Grid minus Buy & Hold, ein Punkt je Fenster, BTC und ETH, Regeln R1 und R2, alle Punkte über null Chart 1: Drawdown-Vorteil des Grid je Fenster. Jeder Punkt ein 90-Tage-Fenster, der Strich der Median. n = 34/35 je Gruppe, Binance 15 min, 2017-11 bis 2026-07.

In 138 von 138 Fenster-Regel-Kombinationen war der Grid-Drawdown flacher. Das ist kein Kunststück des Bots. Er startet mit 35 bis 48 % in Coins, der Rest ist Cash, und jeder Kauf auf dem Weg nach unten bewegt ein Fünfzigstel des Kapitals. Eine Position, die nie voll im fallenden Asset steckt, kann nicht so tief fallen wie eine, die es ist. Der Schutz ist eine Eigenschaft der Teilinvestition, nicht der Handelslogik.

Und er ist partiell. Im schlechtesten BTC-Fenster (Start 11.11.2018) verlor Buy & Hold 43,1 %, der Grid-Bot mit R2 34,1 %. Sein Drawdown lag bei −41,8 % gegen −51,3 %. Wer im Bärenmarkt einen Ausstieg erwartet, bekommt eine Abfederung.

Die Rechnung: wo sie auftaucht und wo nicht

Die Rendite-Differenz Grid minus Buy & Hold über 90 Tage:

AssetRegelGrid (Median)Buy & Hold (Median)Differenz (Median, 90-%-Intervall)
BTCR1+1,8 %+1,3 %+3,7 pp [−11,4; +5,3]
BTCR2+4,3 %+1,6 %+2,6 pp [−5,8; +7,2]
ETHR1+2,5 %−1,7 %+5,5 pp [−20,2; +8,7]
ETHR2+6,2 %−2,2 %+6,2 pp [−10,3; +12,2]

Gesamtrendite je 90-Tage-Fenster, Grid minus Buy & Hold, ein Punkt je Fenster, Mediane knapp über null, einzelne Punkte bis −230 pp Chart 2: Rendite-Differenz je Fenster. Der Median liegt knapp über null, die Ausreißer nach unten sind die Rally-Fenster. Gleiche Fenster wie Chart 1.

Jedes Intervall überdeckt die Null. Über ein typisches 90-Tage-Fenster ist die Renditedifferenz nicht von null zu unterscheiden. Die Prä-Registrierung erwartete einen negativen Median, eine bezahlte Hedge. Der zeigt sich nicht.

Der Median verdeckt aber eine saubere Teilung. In den Fenstern, in denen Buy & Hold negativ endete, schlug der Grid-Bot es in 16 von 16 (BTC, R1), 16 von 16 (BTC, R2), 17 von 17 (ETH, R1) und 18 von 18 (ETH, R2). In den Fenstern, in denen Buy & Hold positiv endete, in 4 von 18, 4 von 19, 3 von 17 und 2 von 17.

Die Rechnung kommt also selten, aber vollständig. Im Fenster ab 31.10.2020 machte Buy & Hold auf BTC +146,3 %, der Grid-Bot mit R2 +13,0 %, mit R1 +0,5 %. Auf ETH +248,9 % gegen +24,8 %. Der Bot mit R2 hatte nach 24 Tagen alle Coins verkauft und wartete außerhalb der Range, der mit R1 schon am ersten Tag.

BTCUSDT: Grid-Rendite gegen Buy-&-Hold-Rendite je 90-Tage-Fenster, R1, R2 und die Rückblick-Regel R3, gestrichelte Diagonale Grid gleich Buy & Hold Chart 3: BTC, ein Punkt je Fenster. Links der Diagonale liegt der Grid vorn, rechts Buy & Hold. Die grauen Dreiecke sind die Rückblick-Range R3, nicht handelbar.

Was bleibt, ist ein schmaleres Ergebnisband. Der Interquartilsabstand der Fensterrenditen liegt beim Grid zwischen 9,3 und 28,8 pp, bei Buy & Hold zwischen 59,2 und 66,3 pp. Der Bot schneidet beide Enden ab.

Die Range-Regel: was sie ändert und was nicht

Die Range gilt als die kritische Variable eines Grid-Bots, so stand es auch im Mai-Post. Für den Drawdown zeigt sich das nicht. Die paarweise Differenz des Drawdown-Vorteils zwischen R1 und R2 liegt bei +0,5 pp [−2,0; +2,5] auf BTC und −0,7 pp [−2,3; +2,4] auf ETH. Beide Regeln schützen gleich.

Was sich unterscheidet, ist das Verhalten im Fenster:

R1 (Hoch/Tief)R2 (σ-Band)
BTC: Preis verlässt die Range27 von 34 Fenstern (16 oben, 11 unten)14 von 35 (7 oben, 7 unten)
BTC: Median Tage bis zum Verlassen1437
ETH: Preis verlässt die Range28 von 34 (14 oben, 14 unten)15 von 35 (8 oben, 7 unten)
ETH: Median Tage bis zum Verlassen1843
BTC: Fills je 90 Tage (Median)313163
Coin-Anteil bei Start (Median, Spanne)35 % (2–77 %)48 % (41–50 %)

Die Range-Regel entscheidet, wie oft der Bot außerhalb seiner Range steht, wie viele Fills Gebühren kosten und wie schief er startet. Nicht, wie tief der Drawdown geht.

Was der Rückblick wert war

R3 kennt Minimum und Maximum des Fensters, bevor es beginnt. Gegen die handelbaren Regeln bringt das im Median +6,7 pp Rendite je 90 Tage gegenüber R1 auf BTC [4,3; 12,2] und +7,0 pp gegenüber R2 [4,6; 9,4]. Auf ETH +9,8 pp und +8,5 pp. Das ist die Zahl, die dem Mai-Post fehlte: Seine beiden Ranges waren vom Typ R3.

Wer die Mai-Zahlen daneben legt, braucht zwei Lesehinweise. Erstens zählt die Engine Fills, also jeden Kauf und jeden Verkauf einzeln. Die 1.395 „Trades" von 2024 sind rund 700 Round-Trips. Zweitens liquidierte die Engine im Mai beim Verlassen der Range. Heute pausiert sie, wie KuCoin, und handelt weiter, sobald der Preis zurückkommt. Alle Zahlen hier stammen aus der heutigen Mechanik.

Der stärkste Einwand

„90 Tage sind zu kurz. Ein Grid-Bot läuft ein Jahr, und bei einer Pause hält man die Coins ohnehin durch."

Die 90 Tage sind genau das, was die Ranges ehrlich macht. Schon in diesem Fenster verlässt der Preis die R1-Range in 79 % der Fälle. Ein längeres Fenster macht jede vorab gesetzte Range noch seltener haltbar, nicht häufiger. Die 105 überlappenden Fenster liefern dieselben Mediane: Drawdown-Vorteil 12,7 und 13,7 pp auf BTC, 18,0 und 18,5 pp auf ETH.

Ein zweiter Einwand betrifft die Messung selbst: kein Slippage, 0,075 % Gebühr, ein Pfad-Modell innerhalb der 15-Minuten-Kerze. Alle Grid-Renditen hier sind Obergrenzen. Das wirkt gegen den Bot, nicht für ihn.

Was das für die eigene Entscheidung heißt

  • Ein Grid-Bot liefert, was die Daten zeigen: ein schmaleres Ergebnisband und einen flacheren Drawdown, in jedem der 138 gemessenen Fälle.
  • Die Rechnung dafür kommt in den Rally-Fenstern. Dort hielt der Bot in 2 bis 4 von 17 bis 19 Fällen mit. Wer die Rally braucht, braucht keinen Grid-Bot.
  • Die Range-Regel wählt man nach dem Verhalten, mit dem man leben kann: R1 eng, viele Fills, früh draußen. R2 breit, ruhig, später draußen. Der Schutz ist derselbe.
  • Der Vergleich mit einer Rückblick-Range führt in die Irre. Sie lag 7 bis 10 pp je Quartal über dem, was eine vorab bekannte Regel erreichte.

Wer eine konkrete Range im Kopf hat, kann sie im Grid-Backtest gegen dieselben Kerzen laufen lassen, BTCUSDT und ETHUSDT ohne Login.

Die offene Frage: Wenn die Range-Regel den Schutz nicht setzt, was setzt dann, wie viel von der Rally bleibt? Gibt es eine vorab bekannte Regel, die mehr als ein Drittel davon behält, ohne den Drawdown-Vorteil zurückzugeben?

FAQ

Warum 90-Tage-Fenster? Weil die Range vor dem Fenster aus 90 Tagen Vorlauf gesetzt wird und disjunkte Fenster unabhängige Beobachtungen liefern. 35 Fenster je Asset erfüllen das vorab festgelegte Minimum von 30. Überlappende Fenster laufen nur als Robustheitsprobe.

Was zählt als Trade? Die Engine zählt Fills: jeder Kauf und jeder Verkauf einzeln. Ein Round-Trip besteht aus zwei Fills. Der Median liegt bei 313 Fills je 90 Tage mit R1 auf BTC und 163 mit R2.

Warum ist die Renditedifferenz im Median null, wenn der Bot die Rallys verpasst? Weil er in den fallenden Fenstern gewinnt: 67 von 67 Fenstern mit negativem Buy & Hold. Die großen Verluste gegen Buy & Hold konzentrieren sich auf wenige Rally-Fenster, die den Median nicht bewegen, aber das untere Ende des Intervalls.

Ist das KuCoins Verhalten? Die Allokation und das Pausieren beim Verlassen der Range folgen KuCoins Grid-Mechanik. Slippage und Teilausführungen sind nicht modelliert, die Renditen sind Obergrenzen.

Sind die Zahlen nach Gebühren? Ja, 0,075 % je Fill. Die Buy-&-Hold-Seite trägt keine Gebühr, sie kauft einmal.

Gilt das für andere Coins? Gemessen sind BTC und ETH. ETH bestätigt Vorzeichen und Größenordnung von BTC in allen Endpunkten.

Warum weichen Zahlen aus dem Grid-Backtest auf der Seite leicht ab? Die Studie schneidet ihre Fenster auf der 15-Minuten-Kerze, das Werkzeug nimmt Kalenderdaten. Für das Fenster ab 31.10.2020 zeigt das Werkzeug +150,0 % Buy & Hold, die Studie +146,3 %. An der Richtung der Befunde ändert das nichts.

Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.

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