Wenn du mit Ichimoku handelst, kennst du die Regel: Du kaufst, wenn die schnelle Linie (Tenkan) die langsame (Kijun) von unten kreuzt. Am liebsten aber erst, wenn der Kurs auch über der Wolke steht, weil die Wolke das Signal bestätigen soll. Eingestellt ist das Ganze fast immer mit 9, 26 und 52.
Hinter dieser Gewohnheit stecken zwei Annahmen: Die Wolke macht die Signale besser, und die Zahlen sind erprobt. Beides lässt sich auf Krypto nachrechnen.
Gerechnet wurde auf Tageskerzen von Januar 2018 bis 13. Oktober 2026, auf Bitcoin, Ether und den zehn heute größten Coins. Beide Annahmen halten nicht.
Ichimoku liest den Markt aus Hochs und Tiefs, nicht aus Schlusskursen
Ichimoku Kinkō Hyō heißt ungefähr „Gleichgewichts-Chart auf einen Blick“. Erfunden hat ihn Goichi Hosoda, Journalist der Tokioter Zeitung Miyako Shimbun. Eine erste Fassung erschien dort 1935 unter anderem Namen. Als Buch veröffentlichte er die Methode erst im August 1969, unter dem Pseudonym Ichimoku Sanjin, bis 1981 wuchs sie auf sieben Bände.
Auf dem Chart siehst du fünf Linien:
| Linie | Wie sie entsteht |
|---|---|
| Tenkan (Umkehrlinie) | Mitte aus Hoch und Tief der letzten 9 Kerzen |
| Kijun (Basislinie) | Mitte aus Hoch und Tief der letzten 26 Kerzen |
| Senkou Span A | Mitte aus Tenkan und Kijun, 26 Kerzen nach vorn verschoben |
| Senkou Span B | Mitte aus Hoch und Tief der letzten 52 Kerzen, 26 Kerzen nach vorn verschoben |
| Chikou | Schlusskurs von heute, 26 Kerzen nach hinten verschoben |
Die Fläche zwischen Span A und Span B ist die Wolke, auf Japanisch Kumo.
Von den meisten Indikatoren unterscheidet sich Ichimoku in drei Punkten. Er rechnet mit der Mitte zwischen höchstem Hoch und tiefstem Tief, nicht mit dem Durchschnitt der Schlusskurse wie ein gleitender Durchschnitt. Deshalb bleiben die Linien flach, solange kein neues Hoch oder Tief dazukommt, und springen, sobald eins kommt.
Außerdem zeichnet er die Wolke in die Zukunft. Für die nächsten 26 Kerzen steht schon eine Zone auf dem Chart. Eine Prognose ist das nicht, es ist Vergangenheit, nach vorn geschoben.
Und Ichimoku will ein ganzes System sein statt eines einzelnen Signals: Trend, Unterstützung und Widerstand sollen auf einen Blick zu sehen sein. Hosoda legte dazu eine Zeitlehre, eine Wellenlehre und Regeln für Kursziele vor. Im Westen wird davon meist nur der Chart benutzt.
Ichimoku ist als ganzes System gedacht, gehandelt werden meist nur zwei Teile davon: das Kreuz aus Tenkan und Kijun und die Wolke.
Genau diese zwei Teile hat der Test geprüft.
Das Kreuz der beiden Linien schlägt Bitcoin halten
Zuerst das, was für Ichimoku spricht. Mit 9/26/52 und ohne Wolke kam die Strategie auf Bitcoin auf 31,2 Prozent im Jahr, nach Gebühren 29,0. Wer Bitcoin einfach hielt, kam auf 23,1 Prozent. Der schlimmste Rückgang lag bei 54 statt 81 Prozent.
Auf den zehn heute größten Coins schlug die Strategie Halten auf sieben. Sie war dafür nur gut die Hälfte der Zeit im Markt, auf Bitcoin 53 Prozent der Tage.
Das Kreuz aus Tenkan und Kijun hat auf großen Coins Trends mitgenommen und Abstürze teilweise ausgelassen.
Liegt das an 9, 26 und 52, oder hätten andere Zahlen dasselbe geschafft?
9, 26 und 52 sind auf Krypto ein Zahlenpaar unter vielen
Für das Kaufsignal zählen nur die ersten beiden Zahlen: 9 Tage für Tenkan, 26 für Kijun. Gegen sie liefen 30 zufällig gezogene Kombinationen auf Bitcoin, jede zwischen 5 und 80 Tagen, gezogen vor dem ersten Vergleichslauf.
| Bitcoin, Januar 2018 bis Oktober 2026 | Jahresrendite nach Gebühren |
|---|---|
| 9/26 (Tradition) | 29,0 % |
| Median der 30 Zufallspaare | 28,3 % |
| Zufallspaare besser als die Tradition | 14 von 30 |
| Spanne der Zufallspaare, vor Gebühren | 8,2 bis 43,5 % |
| Bitcoin halten | 23,1 % |
Binance BTCUSDT, Tageskerzen, Ichimoku TK-Cross ohne Wolke, Plattform-Standardkosten.
Die Tradition liegt mitten im Feld, im 53. Perzentil. Auf Ether ist es dasselbe Bild: Von 12 Zufallspaaren schnitten 5 besser ab, die Tradition lag im 58. Perzentil. Auch wenn man nur Paare mit ähnlich vielen Trades vergleicht, ändert sich auf Bitcoin nichts (Perzentil 55).
Woher die Zahlen kommen, ist weniger klar, als es oft klingt. Im Westen heißt es meist, 26 sei ein Börsenmonat der damaligen Sechs-Tage-Woche in Tokio gewesen. Einen Beleg aus dem Original gibt es dafür nicht. Japanische Darstellungen nennen 9, 17, 26 und weitere Werte Grundzahlen von Hosodas Zeitlehre, für die es keine klare Ableitung gibt.
Die Zahlen, die die Sechs-Tage-Erklärung für einen Markt mit sieben Tagen nahelegen würde, wären 10/30/60. Auf den zehn großen Coins lagen sie bei sechs Coins vorn, bei dreien hinten, einmal gleich.
Ob 9/26/52 aus der Sechs-Tage-Woche stammen oder nicht: Auf Krypto sind sie ein Zahlenpaar unter vielen, kein geprüfter Optimalwert.
Dann bleibt die Wolke selbst. Sie ist der Teil, der Ichimoku von jedem anderen Linienkreuz unterscheidet.
Die Wolke als Kaufbedingung kostet auf allen zehn Coins Rendite
Mit eingeschalteter Wolke kauft die Strategie nur, wenn der Kurs über der Wolke steht, und verkauft zusätzlich, sobald er unter ihre Unterkante fällt. Sonst ist alles gleich: dieselben Coins, dieselben Tage, 9/26/52.
| Coin | ohne Wolke | mit Wolke |
|---|---|---|
| BTC | 31,2 % | 9,9 % |
| ETH | 41,7 % | 40,3 % |
| BNB | 51,4 % | 23,8 % |
| XRP | 13,4 % | −18,3 % |
| SOL | 116,0 % | 0,8 % |
| TRX | 40,2 % | 21,1 % |
| ZEC | 94,8 % | 2,4 % |
| HYPE | 30,9 % | −31,6 % |
| DOGE | 77,2 % | 25,8 % |
| LINK | 47,0 % | 31,6 % |
| Median | 44,4 % | 15,5 % |
| schlägt Halten | 7 von 10 | 1 von 10 |
Jahresrendite vor Gebühren. Die zehn heute größten Coins mit Binance-USDT-Paar, Tageskerzen ab 2018 oder ab Listing bis 13.10.2026.
Auf jedem der zehn Coins lag die Variante mit Wolke unter der ohne. Die Bedingung strich im Schnitt zwei Drittel der Trades, von 128 auf 41 je Coin. Am Ergebnis gemessen waren unter den gestrichenen mehr gute als schlechte.
Die Wolke bestätigt das Signal nicht, sie verspätet es.
Bleibt die Eigenschaft, mit der die Wolke wirbt: Sie wird 26 Kerzen in die Zukunft gezeichnet. Bringt wenigstens diese Verschiebung etwas?
Ohne die Verschiebung nach vorn schneidet die Wolke besser ab
Dieselbe Wolken-Regel lief ein zweites Mal, diesmal ohne Verschiebung. Die Wolke wird also aus den Kursen von heute gebildet statt aus denen von vor 26 Tagen.
Ohne Verschiebung lag das Ergebnis bei acht der zehn Coins höher, der Median stieg von 15,5 auf 20,2 Prozent. Beide Varianten blieben weit unter der Strategie ganz ohne Wolke.
Das Merkmal, das Ichimoku einzigartig macht, ist auf diesen zehn Coins nur ein Nachteil.
„Die Top 10 von heute sind die Gewinner, da sieht alles gut aus“
Stimmt. Die zehn Coins sind die, die bis Oktober 2026 oben geblieben sind. Über alle 103 Coins, auf denen Ichimoku in der Arena bisher lief, kommt die Strategie auf Tagesbasis nach Gebühren auf −1,0 Prozent im Jahr. Die hohen Renditen in der Tabelle sind also geschönt.
Der Vergleich mit und ohne Wolke ist es nicht. Beide Varianten laufen auf denselben Coins über dieselben Tage, der Vorteil der Gewinner steckt in beiden Spalten. Dass die Wolke auf zehn von zehn Coins schadet, hängt nicht an der Auswahl der Coins.
Was Ichimoku auf der Plattform messbar hilft, ist keine Linie, sondern die Marktphase: Ein Filter, der nur im bestätigten Bullenmarkt handeln lässt, hebt die Strategie um 6,9 Prozentpunkte im Jahr. Warum das für fast jede Strategie gilt, steht in Bei Krypto ist der erste Job einer Strategie der Ausstieg.
Nimm die Wolke aus deiner Kaufregel
- Kauf nicht erst über der Wolke. Auf allen zehn großen Coins hat diese Bedingung das Ergebnis gedrückt, im Median von 44 auf 16 Prozent im Jahr.
- Behandle 9/26/52 als Tradition, nicht als Messergebnis. Auf Bitcoin und Ether lagen sie mitten unter Zufallszahlen.
- Such dir aber nicht die beste Zahl aus der Rückschau. Die Zufallspaare reichten auf Bitcoin von 8 bis 44 Prozent. Das beste davon kennt man erst hinterher, und handeln kann man es nicht.
- Leg zuerst die Marktphase fest, dann den Indikator. Der Bullenmarkt-Filter hat mehr bewegt als jede Einstellung an den Linien.
Geprüft sind Tageskerzen in einem Zeitraum von knapp neun Jahren. Für Wochenkerzen steht die Prüfung noch aus; auf ihnen kam Ichimoku über 45 Coins bisher auf −4,2 Prozent im Jahr nach Gebühren. Ob die Wolke dort hilft, wäre die nächste Messung.
Die Strategie mit allen Einstellungen kannst du selbst testen: Ichimoku Cloud in der Arena.
Wie gerechnet wurde
Strategie: Ichimoku TK-Cross der Arena. Kauf, wenn Tenkan Kijun von unten kreuzt; Verkauf beim Kreuz nach unten. Mit Wolken-Filter zusätzlich: Kauf nur über der Wolke, Verkauf auch unter ihrer Unterkante. Tageskerzen von Binance, 1. Januar 2018 (oder Listing) bis 13. Oktober 2026, keine weiteren Filter.
Perioden-Test: 30 Zufallskombinationen für Bitcoin und 12 für Ether, jeweils drei verschiedene Zahlen zwischen 5 und 80 mit festem Startwert gezogen. Ohne Wolke wirken davon nur die ersten beiden. Die Regeln und die Zahlen lagen fest, bevor der erste Vergleichslauf startete. Die Zehn-Coin-Vergleiche nutzen die heutige Top-10-Liste und berichten die Rendite vor Gebühren.
FAQ
Warum spielt die 52 im ersten Test keine Rolle? Sie bestimmt nur die langsamere Wolkengrenze (Senkou Span B). Ohne Wolken-Filter entscheidet allein das Kreuz aus Tenkan und Kijun.
Warum nicht gleich die beste Kombination empfehlen? Weil sie aus denselben Daten ausgesucht wäre, an denen sie gut aussieht. Die Spanne von 8 bis 44 Prozent zeigt, wie viel Glück in einer einzelnen Einstellung stecken kann.
Gilt das auch für Aktien oder Devisen? Gerechnet wurde nur auf Krypto. Dort wird sieben Tage die Woche gehandelt, und die Coins schwanken stärker als die Märkte, für die Ichimoku entstand.
Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.
Study the Past — Improve your Future 🥋