Wie schlimm war der Bärenmarkt seit Oktober 2025? Schaust du nur auf den Abstand zum Hoch, lautet die Antwort: so mild wie kein großer Absturz davor. Bitcoin fiel um 53 Prozent. In den Zyklen davor waren es 77 bis 93 Prozent.
Heute steht Bitcoin 35 Prozent unter seinem Rekord. Das klingt nach Rabatt. Ob es einer ist, sagt dir diese eine Zahl aber nicht.
Es gibt zwei weitere Arten, denselben Absturz zu messen. Mit Kursen ab 2010 lassen sie sich für jeden Bärenmarkt der Bitcoin-Geschichte rechnen, und beide geben eine andere Antwort.
Wie weit zurück ist der Kurs?
Die erste Zusatzfrage ist einfach: Wann hat Bitcoin den heutigen Kurs zum ersten Mal erreicht? Der Abstand zwischen heute und diesem Tag heißt Zeitversatz.
Am 14. Oktober 2026 schloss Bitcoin bei 81.335 Dollar. Diesen Kurs gab es zum ersten Mal am 11. November 2024. Der Zeitversatz beträgt also 702 Tage, knapp zwei Jahre.
So liest du die Zahl:
- Null heißt neues Allzeithoch.
- Seitwärts lässt sie jeden Tag um einen Tag wachsen.
- Fällt der Kurs, springt sie nach oben, weil der neue Kurs zu einem viel älteren Datum passt.
- Steigt der Kurs, sinkt sie.
Der Drawdown misst den Absturz auf der Preisachse. Der Zeitversatz misst ihn auf der Zeitachse.
Der Drawdown sagt dir, wie viel weg ist. Der Zeitversatz sagt dir, wie viele Jahre weg sind.
Legt man beide Zahlen für alle Bärenmärkte nebeneinander, dreht sich die Rangfolge um.
Der mildeste große Absturz warf am weitesten zurück
Seit 2010 fiel Bitcoin siebenmal um mehr als die Hälfte. Am jeweiligen Tief:
| Bärenmarkt | Drawdown | Tief entsprach Kurs vom | Zeitversatz am Tief | Hoch bis Tief |
|---|---|---|---|---|
| 2011 | −92,8 % | April 2011 | 203 Tage | 162 Tage |
| 2013, Frühjahr | −71,4 % | März 2013 | 107 Tage | 88 Tage |
| 2013/15 | −89,5 % | April 2013 | 651 Tage | 406 Tage |
| 2017/18 | −83,4 % | August 2017 | 496 Tage | 363 Tage |
| 2021, Frühjahr | −53,0 % | Januar 2021 | 199 Tage | 96 Tage |
| 2021/22 | −76,6 % | Dezember 2017 | 1.798 Tage | 365 Tage |
| 2025/26 | −53,2 % | März 2021 | 1.935 Tage | 267 Tage |
Tagesschlusskurse des Bitcoin Research Kit, 16.08.2010 bis 14.10.2026. Bärenmarkt = Allzeithoch bis zum tiefsten Schluss vor dem nächsten Rekord, nur Rückgänge über 50 Prozent.
Unter den fünf großen Zyklen hat 2025/26 den kleinsten Drawdown und den größten Zeitversatz. Das Tief vom 30. Juni 2026 entsprach einem Kurs vom März 2021, fünfeinviertel Jahre vorher. Kein Tief davor lag so weit zurück. 2011 fiel Bitcoin um 93 Prozent und landete trotzdem nur sieben Monate in der Vergangenheit.
Je kleiner die Abstürze wurden, desto weiter warfen sie zurück.
Wie passt das zusammen?
Wie weit ein Absturz zurückwirft, entscheidet der Anstieg davor
Der Zeitversatz am Tief hängt nicht an der Tiefe des Falls, sondern daran, wie schnell der Kurs vorher gestiegen ist.
2011 kostete Bitcoin am Tief 2,14 Dollar. Diesen Kurs gab es zum ersten Mal Ende April 2011, gerade 41 Tage vor dem Hoch. In diesen 41 Tagen hatte sich der Kurs verelffacht. Ein Fall um 93 Prozent machte also nur einen sehr steilen, sehr kurzen Anstieg rückgängig.
2026 war es umgekehrt. Vom März 2021 bis zum Hoch im Oktober 2025 brauchte Bitcoin 1.668 Tage, um seinen Kurs zu verdoppeln. Dazwischen schloss es drei Jahre lang zwischen rund 16.000 und 69.000 Dollar. Ein Fall in diese Zone landet weit in der Vergangenheit, auch wenn er prozentual klein ist.
Bitcoin steigt langsamer als früher. Deshalb kosten kleinere Abstürze mehr Jahre.
Wer Mitte März 2021 gekauft hatte, stand am Tief nach über fünf Jahren ungefähr bei null. Bleibt die Frage, ob Bitcoin dort wenigstens günstig war.
Billig war Bitcoin an keinem Tief seit 2017
Dafür braucht es eine dritte Zahl: An wie vielen Tagen der bisherigen Geschichte schloss Bitcoin tiefer als an diesem Tag? Das ist der Tagesanteil darunter.
| Tief | Tagesanteil darunter |
|---|---|
| 18.11.2011 | 55,7 % |
| 14.01.2015 | 67,1 % |
| 14.12.2018 | 83,7 % |
| 09.11.2022 | 83,3 % |
| 30.06.2026 | 84,8 % |
Seit 2018 lag jedes Tief eines großen Zyklus über mehr als 83 Prozent aller Tage davor. Der Kurs war am Tief jedes Mal weit unter dem Rekord und trotzdem teurer als der allergrößte Teil der eigenen Geschichte.
Das hat einen einfachen Grund. Bitcoin hat sich seit 2010 so stark verteuert, dass die frühen Jahre fast jeden späteren Kurs unter sich lassen. Je länger die Reihe wird, desto höher rutscht deshalb jeder neue Kurs in der Verteilung. Der Tagesanteil sagt also, wie ein Kurs gegen die ganze Geschichte steht, nicht gegen den letzten Zyklus.
Ein Kurs kann Jahre zurückliegen und trotzdem nicht billig sein.
Was machst du jetzt mit drei Zahlen statt einer?
Drei Zahlen, drei Arten von Bärenmarkt
Jede Zahl beantwortet eine andere Frage zum selben Absturz:
- Drawdown: Wie viel Wert ging seit dem Hoch verloren?
- Zeitversatz: Wie viele Jahre Kursfortschritt sind ausgelöscht?
- Tagesanteil darunter: Wie günstig ist der Kurs gegen die eigene Geschichte?
Zusammen trennen sie Bärenmärkte, die eine einzelne Zahl gleich aussehen lässt. Die Geschichte liefert für jede Art ein Beispiel:
- Tief, weit zurück und günstig, 2013/15: −89,5 Prozent, 651 Tage zurück, nur zwei Drittel der Tage darunter. Der Markt bewertete Bitcoin neu und tief.
- Tief, aber kaum zurück und teuer, Frühjahr 2013: −71,4 Prozent, aber nur 107 Tage zurück, und 89,9 Prozent der Tage lagen darunter. Ein schneller Sturz von einem überdehnten Hoch.
- Mild, aber weit zurück und teuer, 2025/26: −53,2 Prozent, 1.935 Tage zurück, 84,8 Prozent darunter. Der Kurs fiel in eine Zone zurück, in der er schon jahrelang gependelt war.
Am Drawdown allein hättest du 2026 für den harmlosesten der großen Abstürze gehalten. In der Zeit war es der härteste.
Bevor du den Zeitversatz liest, solltest du eine Eigenheit kennen.
Warum der Zeitversatz manchmal kaum reagiert
Der Zeitversatz reagiert sehr ungleich auf den Kurs. Das zeigt die Liste der Ersttage rund um den heutigen Kurs:
| Kurs | Zum ersten Mal erreicht |
|---|---|
| 90.000 $ | 13.11.2024 |
| 84.000 $ | 11.11.2024 |
| 80.000 $ | 10.11.2024 |
| 70.000 $ | 11.03.2024 |
Von 90.000 auf 80.000 Dollar sind es gut 11 Prozent, aber nur drei Tage. Bitcoin ist nach der US-Wahl im November 2024 in wenigen Tagen durch diese ganze Spanne gestiegen. Von 80.000 auf 70.000 Dollar sind es 12,5 Prozent, aber 244 Tage.
Es ist dieselbe Regel wie bei den Bärenmärkten, nur im Kleinen: Wo der Kurs früher schnell stieg, bewegt sich der Zeitversatz kaum. Wo er sich langsam hochgearbeitet hat, springt er weit.
Ein Rückfall unter 80.000 Dollar kostet nicht drei Tage, sondern acht Monate.
Wie selten ist überhaupt der Zustand, in dem der Zeitversatz null ist?
Rekorde sind die Ausnahme
Vom 17. August 2010 bis 14. Oktober 2026 schloss Bitcoin an 257 von 5.903 Tagen auf einem neuen Rekord. Das ist ungefähr jeder 23. Tag.
An allen anderen Tagen lag der Kurs unter einem früheren Hoch. Genau diesen Zustand beschreibt der Zeitversatz, und in ihm verbringst du als Halter fast die ganze Zeit.
Halten heißt fast immer: unter einem alten Hoch sitzen.
Wo Bitcoin heute steht
Am 14. Oktober 2026 schloss Bitcoin bei 81.335 Dollar:
- Drawdown: −34,8 Prozent, 373 Tage nach dem Hoch.
- Zeitversatz: 702 Tage. Den Kurs gab es zum ersten Mal am 11. November 2024.
- Tagesanteil darunter: 92,1 Prozent aller Tage seit 2010 schlossen tiefer.
Zusammen gelesen: Der Markt hat knapp zwei Jahre Fortschritt abgegeben. Trotzdem liegt der Kurs über mehr als neun Zehnteln seiner eigenen Geschichte.
Die 35 Prozent unter dem Hoch sind ein Abstand, kein Rabatt.
Ein tiefer Kurs ist noch kein günstiger
- Nenn einen Kurs nicht günstig, nur weil er weit unter dem Hoch liegt. Prüf, an wie vielen Tagen Bitcoin tiefer schloss. Heute sind es 92 Prozent.
- Vergleich Bärenmärkte nicht nur am Drawdown. 2026 war der mildeste der großen Zyklen in Prozent und der härteste in der Zeit.
- Lies den Zeitversatz mit der Kursliste daneben. Unter 80.000 Dollar springt er um Monate, darüber kaum.
Den nächsten Kurs sagt keine der drei Zahlen voraus, darauf wurde auch nichts getestet. Wer es prüfen will, braucht dieselben Regeln wie bei jedem anderen Signal: einzelne Episoden statt überlappender Tage, eine zufällige Vergleichsgruppe und Renditen gegen den normalen Aufwärtstrend, nicht gegen null. Mit sieben Bärenmärkten seit 2010 sind das wenige Fälle, aber die nächste Messung.
Die Zahlen für jeden Tag seit 2010, mit Kursliste und Tagesanteil, findest du im Chart: Preis-Zeit-Versatz
FAQ
Warum war der Zeitversatz nach dem Tief noch größer als am Tief? Weil Seitwärts jeden Tag einen Tag hinzufügt. Nach dem Tief vom 30.06.2026 pendelte Bitcoin um 60.000 Dollar. Am 16.08.2026 schloss es bei 62.812 Dollar, einem Kurs vom April 2021, und der Zeitversatz erreichte 1.951 Tage, den höchsten Wert seit 2010. 2022/23 war es genauso: Der höchste Wert kam am 08.01.2023 mit 1.854 Tagen, zwei Monate nach dem Tief.
Ist der Tagesanteil dasselbe wie der Anteil der Coins im Gewinn? Nein. Der Tagesanteil zählt jeden Tag gleich, egal wie viel gehandelt wurde. On-Chain-Kennzahlen wie NUPL oder MVRV gewichten nach Coins und deren Einstandskurs. Die beiden Zahlen weichen deshalb voneinander ab.
Warum zählen auch die zwei Rückgänge im Frühjahr 2013 und 2021? Weil beide mehr als die Hälfte vom Allzeithoch wegnahmen, bevor ein neuer Rekord kam. Sie liefen aber mitten in einem Aufwärtszyklus und waren in wenigen Monaten vorbei. Die Aussage über die großen Zyklen stützt sich auf die übrigen fünf.
Funktioniert das auch für Altcoins? Gerechnet werden kann es, aussagekräftig ist es selten. Die meisten Altcoins erreichen ihr Hoch nie wieder. Ihr Zeitversatz läuft dann einfach bis zum Beginn ihrer Kursgeschichte und misst nichts mehr.
Wie gemessen wurde
Tagesschlusskurse aus dem Bitcoin Research Kit (Marktkapitalisierung geteilt durch Umlaufmenge), 16.08.2010 bis 14.10.2026, 5.904 Tage, abgerufen am 15.10.2026 über bitview.space. Dieselbe Reihe nutzt der Plattform-Chart. Für jeden Tag wird der früheste Tag gesucht, an dem der Schlusskurs mindestens so hoch war. Der Zeitversatz ist der Abstand in Kalendertagen. Der Tagesanteil zählt alle Tage bis zum jeweiligen Tag, die tiefer schlossen, also ohne Blick in die Zukunft. Die Kurse von 2010 bis 2013 stammen aus wenigen, dünn gehandelten Börsen. Mit Intraday-Kursen lägen die Ersttage früher und die Zahlen fielen kleiner aus.
Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.
Study the Past — Improve your Future 🥋