Am 21. Februar 2025 verschwanden bei der Börse Bybit rund 1,5 Milliarden Dollar, darunter 401.347 ETH. Es ist der größte Krypto-Diebstahl, den es je gab. Fünf Tage später nannte das FBI den Täter: Nordkorea.
Und die Kunden? Sie verloren nichts. Bybit glich den Verlust in weniger als 72 Stunden mit Krediten und eigenem Geld aus.
Wenn du überlegst, wo du deine Coins lässt, ist das die wichtigste Lehre aus den großen Hacks. Gehackt wird überall: auf Börsen, in Bridges, in DeFi und in privaten Wallets. Ob du dein Geld wiedersiehst, hängt daran, wer den Schaden tragen kann.
In Teil 1 dieser Reihe ging es um Betrug, bei dem die Betreiber selbst die Täter waren. Hier geht es um Diebstahl durch Dritte.
Die größten Hacks: Die Summen wachsen, die Kunden kamen oft davon
So sieht die Liste der größten Hacks aus, sortiert nach dem Dollarwert am Tag der Tat:
| Fall | Datum | damals | die Coins heute | Wo | Was Kunden zurückbekamen |
|---|---|---|---|---|---|
| Bybit | 21.02.2025 | ~1,5 Mrd $ | 1,0 Mrd $ (nur die ETH) | Börse | alles, von Bybit |
| Ronin Bridge | 23.03.2022 | ~624 Mio $ | 458 Mio $ | Bridge | nicht belegt |
| Poly Network | 10.08.2021 | 611 Mio $ | – | Bridge | alles, vom Angreifer |
| BNB Bridge | 06.10.2022 | ~570 Mio $ | 1,48 Mrd $ | Bridge | 100–137 Mio $ entkamen, der Rest blieb eingefroren |
| Coincheck | 26.01.2018 | ~530 Mio $ | 0,27 Mio $ | Börse | Entschädigung in Yen, von Coincheck |
| Mt. Gox (Grenzfall) | bis 02/2014 | 470 Mio $ | 70,7 Mrd $ | Börse | seit Juli 2024, in BTC, nach zehn Jahren |
| Bitget | 24.09.2026 | bis 388 Mio $ | – | Börse | Schutzfonds angekündigt |
| Wormhole | 02.02.2022 | ~320 Mio $ | 299 Mio $ | Bridge | alles, vom Investor Jump Crypto |
| Liquid Network | 06.09.2026 | ~320 Mio $ | 333 Mio $ | Sidechain | 85 %, vom Angreifer |
| DMM Bitcoin | 31.05.2024 | ~305 Mio $ | 375 Mio $ | Börse | alles, von DMM; die Börse schloss |
| Drift | 01.04.2026 | ~285–295 Mio $ | – | DeFi | vom Täter nichts |
| Kelp rsETH | 18.04.2026 | ~291 Mio $ | ~290 Mio $ | Bridge | gut ein Viertel eingefroren |
| KuCoin | 25.09.2020 | ~281–285 Mio $ | – | Börse | 84 % zurückgeholt, Rest aus Versicherungsfonds |
| WazirX | 18.07.2024 | ~235 Mio $ | – | Börse | Insolvenzverfahren, Quote umstritten |
| Cetus | 22.05.2025 | 223 Mio $ | – | DeFi | 73 % eingefroren, Rest von Cetus und Sui Foundation |
DefiLlama, FBI, Firmenangaben; „heute" = die gestohlene Coin-Menge zum Kurs vom 13.10.2026, nur wo die Menge belegt ist. Mt. Gox ist ein Grenzfall, weil sich der Diebstahl über Jahre mit schlechter Buchführung mischte. Die Mengenangabe von 850.000 BTC ist die damalige Standardzahl, 200.000 BTC tauchten später wieder auf.
Drei Dinge fallen auf. Sechs der 15 Fälle stammen aus 2025 und 2026. In Coins gerechnet ist Mt. Gox mit Abstand der größte Fall, heute wären die Coins 70,7 Milliarden Dollar wert. Und in den meisten großen Fällen bekamen die Kunden ihr Geld ganz oder fast ganz zurück.
Der größte Hack ist nicht der größte Verlust für die Kunden. Das entscheidet sich danach.
Woher kommt das Geld dann, wenn nicht vom Dieb?
Die Täter geben fast nichts zurück
DefiLlama zählt 1.301 Hacks seit 2011. In 27 davon kam Geld vom Täter zurück. Das sind 3,1 Prozent aller gestohlenen Summen.
Bei Nordkorea liegt diese Zahl praktisch bei null. Von der Bybit-Beute wurden rund 43 Millionen Dollar eingefroren, etwa 3 Prozent. Und Nordkorea ist seit 2022 der größte Einzeltäter. Laut Chainalysis ging auf sein Konto:
- 2021: 12 Prozent der gestohlenen Summen
- 2022: 45 Prozent
- 2024: 61 Prozent
- 2025: 59 Prozent, rund 2 von 3,4 Milliarden Dollar
Für 2026 ordnen private Analysefirmen auch Bitget, Drift und Kelp Nordkorea zu. Eine offizielle Bestätigung durch das FBI gibt es dafür bis heute nicht.
Wenn Kunden trotzdem Geld sahen, kam es aus drei Quellen:
- Der Betreiber zahlte aus eigener Tasche. Bybit, Coincheck und DMM deckten den Schaden mit eigenem Kapital, KuCoin zusätzlich mit einem Versicherungsfonds.
- Ein Investor oder die Chain sprang ein. Bei Wormhole ersetzte der Investor Jump Crypto 120.000 ETH am Tag danach. Bei Cetus froren die Validatoren der Sui-Chain 162 Millionen Dollar ein. Bei der BNB Bridge stoppten die Validatoren die ganze Chain für rund drei Stunden.
- Der Angreifer gab zurück. Bei Poly Network kam alles zurück, bei Euler rund 90 Prozent, bei Liquid Network 85 Prozent. Das gab es fast nur bei Angreifern, die keine staatlichen Hacker waren und öffentlich verfolgt wurden.
Auf den Dieb kannst du nicht hoffen. Hoffen kannst du nur auf den, der zwischen dir und dem Dieb steht.
Wie kommen die Täter überhaupt an so viel Geld?
Das Einfallstor ist meist ein Mensch mit Schlüssel
Wer Coins bewegen will, braucht einen privaten Schlüssel. Bei großen Beständen braucht es oft mehrere: Eine Multisig-Wallet gibt eine Zahlung erst frei, wenn zum Beispiel drei von fünf Schlüsselhaltern unterschreiben. Diese Leute heißen Signierer.
Genau dort setzen die größten Hacks an. Laut DefiLlama gingen 49 Prozent aller gestohlenen Summen auf gestohlene Schlüssel oder getäuschte Menschen zurück. 2024 waren es 69 Prozent, 2025 68 Prozent.
So lief das in den großen Fällen:
- Bybit: Angreifer kompromittierten den Rechner eines Entwicklers bei Safe, dem Anbieter der Multisig-Oberfläche. Die Bybit-Signierer sahen auf dem Bildschirm eine harmlose Zahlung. Tatsächlich gaben sie den Zugriff auf ihre ETH-Reserve frei.
- DMM Bitcoin: Ein falscher Personalvermittler schickte einem Mitarbeiter des Wallet-Dienstleisters Ginco einen „Einstellungstest". Darüber kamen die Angreifer an dessen Sitzung und manipulierten eine echte Transaktion. So beschreibt es das FBI.
- Ronin Bridge: Fünf von neun Schlüsseln reichten, um Geld freizugeben. Vier davon lagen bei derselben Firma, Sky Mavis. Den fünften bekamen die Angreifer über eine alte Freigabe, die nie widerrufen worden war.
- Drift: Die Angreifer brachten zwei von fünf Mitgliedern eines Sicherheitsgremiums dazu, Transaktionen im Voraus zu unterschreiben. Eine Wartezeit, in der man so etwas noch stoppen könnte, gab es nach einem Umbau nicht mehr.
Eine Bridge ist übrigens eine Brücke zwischen zwei Blockchains. Du gibst Coins auf der einen Seite ab und bekommst auf der anderen ein Gegenstück. Dafür liegt auf der ersten Seite ein großer Topf, und wer die Schlüssel zu diesem Topf hat, hat alles.
Gehackt wird selten der Code. Gehackt wird der Mensch, der unterschreibt.
Und wo liegt das Geld, das so verschwindet?
Das Risiko wandert, es verschwindet nicht
Welche Art von Ziel am meisten Geld verlor, hat sich über die Jahre mehrfach gedreht. Anteile an der Jahressumme laut DefiLlama:
| Jahr | Börsen | Bridges | DeFi |
|---|---|---|---|
| 2018 | 95 % | – | 3 % |
| 2021 | 14 % | 23 % | 63 % |
| 2022 | 16 % | 52 % | 26 % |
| 2025 | 70 % | 1 % | 27 % |
| 2026 bis heute | 18 % | 34 % | 35 % |
DefiLlama-Hacks, eigene Rechnung. Diebstähle aus privaten Wallets erfasst DefiLlama kaum, dafür unten Chainalysis.
Bis 2019 verloren fast nur Börsen. 2021 war DeFi dran, 2022 die Bridges, 2025 wieder die Börsen. 2026 sind es wieder DeFi und Bridges. Die Angreifer gehen dorthin, wo gerade viel Geld bei wenigen Schlüsseln liegt.
Dazu kommt: Die Zahl der Hacks steigt, aber das Geld hängt an wenigen großen. 2026 zählt DefiLlama schon 294 Fälle. Der mittlere Fall war nur 0,45 Millionen Dollar groß, 2021 waren es 3,4 Millionen. Die 42 Hacks ab 100 Millionen Dollar machen 64 Prozent aller gestohlenen Summen aus.
Es gibt keinen Ort, an dem nie gehackt wird. Es gibt nur Orte, an denen jemand den Schaden zahlen kann.
Wer kann das also?
Wer zahlt, wenn es passiert
| Wo deine Coins liegen | Wer den Schaden trägt | Was die großen Fälle zeigen |
|---|---|---|
| Börse, die den Hack tragen kann | die Börse | Bybit, Coincheck, DMM, KuCoin: Kunden entschädigt, oft binnen Tagen |
| Börse, die den Hack nicht tragen kann | du, über ein Insolvenzverfahren | Mt. Gox: zehn Jahre bis zur Rückzahlung. WazirX: rund 45 % der Reserven weg, Quote im Verfahren umstritten |
| Bridge | mal ein Investor, sonst bleibt der Verlust bei den Nutzern | Wormhole ersetzt, Poly zurück; bei der BNB Bridge entkamen 100–137 Mio $ |
| DeFi-Protokoll | die Einleger, manchmal das Protokoll | Euler 90 % zurück, Cetus über Einfrieren und Darlehen; Kelp traf zusätzlich den Kreditmarkt Aave mit 123–230 Mio $ Fehlbetrag |
| deine eigene Wallet | du | Chainalysis 2025: 158.000 Vorfälle, mindestens 80.000 Opfer |
Bei der Börse zählt also nicht, ob sie gehackt werden kann. Das kann jede. Es zählt, ob sie danach noch zahlen kann. Bybit verlor rund 1,5 Milliarden Dollar und blieb zahlungsfähig. WazirX verlor rund 235 Millionen, etwa 45 Prozent seiner Reserven, und landete im Insolvenzverfahren.
Die Größe des Hacks entscheidet weniger als die Größe des Polsters dahinter.
Ist die eigene Wallet dann nicht die bessere Wahl?
„Not your keys, not your coins“: Die eigene Wallet verschiebt das Risiko zu dir
„Dann lege ich meine Coins eben in die eigene Wallet. Dann kann keine Börse sie verlieren."
Das stimmt, und gegen eine Börsenpleite schützt die eigene Wallet tatsächlich. Nur verschiebt sie das Risiko zu dir. Laut Chainalysis entfielen 2025 rund 20 Prozent des gestohlenen Werts auf private Wallets, etwa 713 Millionen Dollar. Gezählt wurden 158.000 Vorfälle mit mindestens 80.000 Opfern. In absoluten Zahlen sitzen dort also die meisten Opfer. Und bei ihnen springt keine Börse, kein Investor und kein Versicherungsfonds ein.
Auch die Wallet selbst ist nicht immer sicher. Im Juli 2026 verloren rund 500 Besitzer der Hardware-Wallet COLDCARD zusammen 594 BTC, etwa 38 Millionen Dollar. Die Ursache war ein Fehler bei der Erzeugung der Zufallszahlen für die Schlüssel. Das ist der seltene Fall, in dem das Gerät selbst die Schwachstelle war.
Und der Trick, mit dem Bybit ausgeraubt wurde, funktioniert auch bei dir. Die Signierer sahen eine harmlose Zahlung und unterschrieben etwas anderes. Wer eine Wallet benutzt, unterschreibt ständig.
In der eigenen Wallet bist du die Börse, der Signierer und der Versicherungsfonds zugleich.
Was heißt das für die Frage, wo du deine Coins lässt?
Wo du deine Coins lässt: Fragen an die Börse und an dich
Wenn du eine Börse nutzt, frag nicht nach dem Namen, sondern nach dem Polster:
- Veröffentlicht sie einen Reservenachweis, also einen Beleg, dass sie die Kundencoins wirklich hält? Bybit legte nach dem Hack einen vor, der über 100 Prozent zeigte.
- Gibt es einen Schutz- oder Versicherungsfonds, und wer prüft ihn? Bitget nennt für seinen Fonds über 464 Millionen Dollar. Unabhängig geprüft ist das nicht.
- Wie viel liegt dort im Verhältnis zu dem, was ein großer Hack kosten würde? WazirX verlor 45 Prozent seiner Reserven auf einen Schlag.
- Was du nicht prüfen kannst: wie die Börse ihre Schlüssel verwaltet. Das ist der Teil, an dem die großen Hacks ansetzen.
Wenn du eine Bridge oder ein DeFi-Protokoll nutzt, frag nach den Schlüsseln:
- Wie viele Unterschriften braucht eine Freigabe, und wer hält sie? Bei Kelp reichte ein einziger Prüfer. Das war in der Konfiguration öffentlich einsehbar.
- Gibt es eine Wartezeit vor Änderungen? Bei Drift lag sie zuletzt bei null Sekunden, auch das war öffentlich einsehbar.
Wenn du eine eigene Wallet nutzt, bist du selbst die Sicherheitsabteilung:
- Lies auf dem Gerät, was du unterschreibst, nicht nur auf der Website. Bei Bybit zeigte die Website etwas anderes, als unterschrieben wurde.
- Bewahre die Wiederherstellungswörter getrennt vom Gerät auf und gib sie nirgends ein, wo dich jemand hinschickt.
- Verteile große Bestände, statt alles auf einen Schlüssel zu setzen.
Welche Börse oder Wallet sicher ist, lässt sich daraus nicht ablesen. Die Zahlen zeigen nur, wer in den großen Fällen den Schaden trug. Ob die Großfälle 2026 wieder bei den Börsen landen oder bei Bridges und DeFi bleiben, zeigen erst die Jahresberichte zum Jahresende.
FAQ
Warum steht Mt. Gox nur als Grenzfall in der Liste? Bei Mt. Gox verschwanden über Jahre Coins, und die Buchführung verschleierte das. Der frühere Chef Mark Karpelès wurde 2019 in Tokio nur wegen Manipulation von Daten verurteilt, nicht wegen des Verlusts. Wer die Coins genommen hat, ist gerichtlich nicht festgestellt. Die Gläubiger bekommen seit Juli 2024 Geld zurück. Am 16. Oktober 2026 hat der Insolvenzverwalter die Frist dafür erneut verlängert, vom 31. Oktober 2026 auf den 31. Oktober 2027.
Warum fehlt LuBian, der laut DefiLlama größte Hack? DefiLlama führt LuBian mit 127.426 BTC aus dem Dezember 2020. Laut den Analysefirmen Elliptic und Arkham sind das dieselben Coins, die das US-Justizministerium im Oktober 2025 als Erlöse des Prince-Group-Betrugs einziehen will. Ob es ein Diebstahl durch Dritte war, ist offen.
Warum unterscheiden sich die Jahressummen je nach Quelle? Jeder Anbieter zählt anders. Für 2025 nennt Chainalysis über 3,4 Milliarden Dollar, CertiK 3,35, SlowMist 2,94 und DefiLlama 2,72 Milliarden. Die Spanne beträgt rund 25 Prozent. Vergleich Jahre deshalb immer mit derselben Quelle.
Was ist mit Bitfinex 2016? Damals wurden 119.754 BTC gestohlen, rund 72 Millionen Dollar. Heute wären sie fast 10 Milliarden Dollar wert. Ilya Lichtenstein wurde 2024 wegen Geldwäsche zu fünf Jahren verurteilt, Heather Morgan zu 18 Monaten. 94.643 BTC sollen an Bitfinex zurückgehen. Ob das schon geschehen ist, ist bis heute nicht belegt.
Wie gemessen wurde
Fälle und Summen aus der DefiLlama-Hacks-Datenbank (1.301 Einträge, Stand 13.10.2026), ergänzt um Angaben von FBI, der japanischen Polizeibehörde NPA, Firmen-Mitteilungen und Medien. Jahreswerte und Nordkorea-Anteile von Chainalysis (Berichte vom 19.12.2024 und 18.12.2025), Anteile je Zieltyp und je Einfallstor als eigene Rechnung aus DefiLlama, ohne LuBian. DefiLlama führt bei Bybit und DMM die volle Summe als „zurückgegeben"; gemeint ist dort die Entschädigung der Kunden, nicht Geld vom Täter. Diese Buchung ist herausgerechnet. „Heute"-Werte: gestohlene Coin-Mengen zum Kurs vom 13.10.2026, 11:14 UTC. Täter werden nur genannt, wo ein Gericht oder eine Behörde sie festgestellt hat.
Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.
Study the Past — Improve your Future 🥋