Wer Bitcoin kauft, soll mit Einbrüchen rechnen. Nur: Wie oft kommen sie? Und hat sich daran etwas geändert, seit Bitcoin-ETFs und Unternehmen kaufen?
Beides lässt sich nachzählen, an jedem Tagesschlusskurs seit Juli 2011.
Was hier als 30-Prozent-Sturz zählt
Gezählt wird jeder Tag, an dem Bitcoin 30 Prozent oder mehr unter dem höchsten Schlusskurs der vorangegangenen 30 Tage schloss. Folgen solche Tage dicht aufeinander, zählen sie als ein Sturz. Ein neuer beginnt erst, wenn 30 Tage lang keiner dieser Tage auftrat.
Die Definition ist nicht die einzige. Misst man den Abstand zum Allzeithoch, steckt Bitcoin gerade mitten in einem 30-Prozent-Rückgang: Am 4. Oktober lag der Kurs 30,6 Prozent unter dem Rekord vom Oktober 2025. Nach der Monatsdefinition liegt der letzte Sturz 234 Tage zurück. Beide Zahlen stimmen. Sie beantworten verschiedene Fragen.
Wer einen Einbruch zählt, muss zuerst sagen, wovon.
Hier geht es um die schnellen Stürze. Wie oft kamen sie?
19 Stürze seit 2011, und sie werden seltener
Nach dieser Definition fiel Bitcoin seit Juli 2011 19-mal binnen eines Monats um 30 Prozent. Die Verteilung über die Zeit:
| Zeitraum | Stürze | pro Jahr | Volatilität (Median) |
|---|---|---|---|
| Juli 2011 bis 2014 | 8 | 2,3 | 58,7 % |
| 2015 bis 2017 | 4 | 1,3 | 46,7 % |
| 2018 bis 2020 | 3 | 1,0 | 52,3 % |
| 2021 bis 2023 | 3 | 1,0 | 50,3 % |
| 2024 bis Sept. 2026 | 1 | 0,4 | 36,2 % |
Die Volatilität ist die realisierte Schwankung der Tageskurse über 30 Tage, aufs Jahr hochgerechnet. Sie ist von knapp 59 auf 36 Prozent gefallen. Die Stürze wurden im selben Zug seltener, von mehr als zwei pro Jahr auf einen in knapp drei Jahren.
Die Abstände zwischen zwei Stürzen zeigen dasselbe. Vor 2018 lagen im Median 162 Tage dazwischen, danach 248. Das hängt etwas davon ab, wie man Stürze voneinander trennt, die Richtung nicht: Mit 60 oder 90 Tagen Trennung werden aus rund 220 bis 240 Tagen rund 380.
Am deutlichsten ist die letzte Pause. Zwischen Mai 2022 und Februar 2026 lagen 1.365 Tage ohne einen solchen Sturz, so lange wie nie zuvor. Die längste Pause davor dauerte von Januar 2015 bis Juli 2017, 914 Tage.
Der Markt ist ruhiger geworden, und die schnellen Stürze sind mit ihm seltener geworden.
Heißt seltener auch harmloser?
Wenn ein Sturz kommt, bleibt es selten bei 30 Prozent
Der Auslöser ist ein Rückgang um 30 Prozent. Wie tief es in den 60 Tagen danach ging, gemessen am Hoch vor dem Sturz:
| Stürze | Tief in den 60 Tagen danach (Median) | |
|---|---|---|
| bis 2017 | 12 | −52,0 % |
| ab 2018 | 7 | −46,7 % |
Seit 2018 blieb nur ein Sturz nahe an der Schwelle: Januar 2022 mit −31 Prozent. Das tiefste Tief lag bei −54,3 Prozent (Mai 2022).
Auch die großen Bärenmärkte sind flacher geworden, gemessen vom Allzeithoch bis zum Tiefpunkt: −89,5 Prozent bis Januar 2015, −83,2 Prozent bis Dezember 2018, −76,6 Prozent bis November 2022. Seit dem Hoch vom Oktober 2025 waren es bisher höchstens −53,0 Prozent, am 30. Juni 2026.
Die Stürze sind seltener geworden. Wer einen erwischt, verliert immer noch fast die Hälfte.
Und passen die Stürze zur Ruhe des Marktes?
In ruhigen Zeiten ist derselbe Sturz der größere Schock
Ein Rückgang um 30 Prozent bedeutet nicht in jeder Phase dasselbe. Entscheidend ist, wie stark Bitcoin vorher üblicherweise schwankte. Umgerechnet auf 30 Tage ergibt die Volatilität eine typische Monatsschwankung.
| Sturz | Volatilität vorher | typische Monatsschwankung | Sturz in dieser Einheit |
|---|---|---|---|
| Dezember 2013 | 142 % | rund 41 % | weniger als 1-fach |
| November 2018 | 31 % | rund 9 % | 4,1-fach |
| März 2020 | 34 % | rund 10 % | 3,7-fach |
| Februar 2026 | 23 % | rund 6,5 % | 5,5-fach |
2013 war ein 30-Prozent-Monat bei Bitcoin fast ein normaler Monat. Im Februar 2026 war er das Fünfeinhalbfache der üblichen Schwankung, der größte Ausschlag dieser Art unter allen 18 Stürzen, für die die Volatilität davor vorliegt. Der Kurs fiel vom Hoch am 14. Januar bei 96.952 Dollar bis zum 5. Februar auf 62.910 Dollar, um 35,1 Prozent.
Das ist die Kehrseite der ruhigeren Zeit. Wer seine Position an der Schwankung der letzten Wochen ausrichtet, rechnet in ruhigen Phasen mit kleinen Rückgängen. Der Februar 2026 kam genau aus einer solchen Phase.
Niedrige Volatilität macht Stürze seltener, aber nicht unmöglich, und sie macht sie überraschender.
Der naheliegende Einwand
„Dann ist nach 234 Tagen ohne Sturz der nächste bald fällig."
Dafür gibt es in den Daten keinen Hinweis. Die Pausen reichten von 60 bis 1.365 Tagen, ohne erkennbares Muster, wann eine endet. Ein Zähler, der die Tage seit dem letzten Sturz zählt, beschreibt die Vergangenheit. Über den nächsten Sturz sagt er nichts. Wie lange es ruhig war, verrät nicht, wie lange es ruhig bleibt.
Was du daraus machst
Drei Lehren tragen:
- Rechne mit dem Sturz, nicht mit seinem Termin. Seit 2018 kamen sieben, seit 2024 einer. Wann der nächste kommt, lässt sich aus den Abständen nicht ablesen.
- Rechne mit der Tiefe danach. Seit 2018 lag das Tief der folgenden zwei Monate im Median bei −47 Prozent. Frag dich, ob du das mit deiner Position aushältst, ohne verkaufen zu müssen.
- Misstraue der Ruhe. Eine niedrige Volatilität senkt die Häufigkeit, nicht die Größe. Im ruhigsten Umfeld der Reihe kam der größte Schock.
Seltener heißt nicht selten genug, um die Position daran auszurichten.
Offen ist, ob die Pausen weiter länger werden. Das zeigt sich erst, wenn der nächste Sturz kommt oder ausbleibt, und zwei lange Pausen sind noch kein Trend.
FAQ
Warum 30 Tage und nicht der Abstand zum Allzeithoch? Der Abstand zum Allzeithoch misst, wie lange ein Bärenmarkt dauert, und liefert monatelang denselben Zustand. Die 30-Tage-Definition misst schnelle Stürze, also das, was eine gehebelte oder zu große Position in kurzer Zeit trifft.
Wie werden die Stürze gezählt? Ein Sturz beginnt am ersten Tag, an dem der Schlusskurs 30 Prozent oder mehr unter dem höchsten Schlusskurs der 30 Tage davor liegt. Er endet erst, wenn 30 Tage lang kein solcher Tag mehr auftritt. Tagesschlüsse ab 1. Juli 2011, bis August 2017 aus einer öffentlichen Kursreihe, danach von Binance.
Wie ist die Volatilität berechnet? Standardabweichung der täglichen Log-Renditen über 30 Tage, aufs Jahr hochgerechnet. Die typische Monatsschwankung ist dieser Wert mal der Wurzel aus 30/365. Am 4. Oktober 2026 lag die Volatilität bei 30,9 Prozent, niedriger als an 81 Prozent aller Tage seit 2011 und etwa so hoch wie der Median der letzten zwei Jahre.
Gilt das auch für Altcoins? Nicht mit derselben Schwelle. Ein Altcoin, der dreimal so stark schwankt wie Bitcoin, erreicht 30 Prozent viel öfter. Dort misst die Schwelle vor allem die Volatilität.
Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.
Study the Past — Improve your Future 🥋