Mitte September hat Virtuals zwei Dinge gestartet: am 15. September ein neues Produkt namens Occupy, am 17. September den Ableger auf der Blockchain Arc. Seitdem ist der Token VIRTUAL bis zum 5. Oktober um 39 Prozent gestiegen. Bitcoin schaffte im selben Zeitraum 10 Prozent. Aufs Jahr gesehen liegt VIRTUAL 33 Prozent vorn, Bitcoin 2 Prozent hinten.
Warum der Token davon profitieren soll, erklärt sich aus dem Aufbau der Plattform. Jeder KI-Agent, der auf Virtuals startet, bekommt einen eigenen Token. Und dieser Token wird gegen VIRTUAL gehandelt. Also: mehr Agenten, mehr Handel, mehr Nachfrage nach VIRTUAL. Klingt einfach.
Wenn du VIRTUAL aus diesem Grund kaufst, solltest du eine Zahl kennen: Wie viel VIRTUAL stecken eigentlich in den Agenten?
Was Virtuals macht: eine Startrampe für Agenten-Token
Virtuals ist keine eigene Blockchain. Es ist eine Plattform, die vor allem auf Base läuft, der Blockchain von Coinbase. Dazu kommen inzwischen Solana, Ethereum, Robinhood Chain und Arc. Entstanden ist Virtuals aus PathDAO, einer Gaming-Gilde von 2021. Die Startplattform auf Base gibt es seit dem 16. Oktober 2024.
So funktioniert es: Jemand baut einen KI-Agenten, zum Beispiel einen Bot, der auf X Marktkommentare postet, und gibt dafür einen Token heraus. Am Anfang hängt dieser Token an einer Bonding-Kurve. Wer kauft, bezahlt mit VIRTUAL, und mit jedem Kauf steigt der Preis ein bisschen. Sobald 42.000 VIRTUAL drin sind, heute rund 36.000 Dollar, ist der Agent „graduiert“. Dann wandert er in einen ganz normalen Handelspool, in dem sein Token gegen VIRTUAL gehandelt wird. Dieser Pool ist für zehn Jahre gesperrt.
Bei jedem Handel mit einem Agenten-Token wird ein Prozent Gebühr fällig. 70 Prozent davon bekommt, wer den Agenten gebaut hat, 30 Prozent gehen an Virtuals.
Virtuals verkauft keine KI. Es verkauft den Börsengang für KI-Agenten.
Aber warum soll das ausgerechnet dem Token VIRTUAL helfen?
Das Besondere: VIRTUAL steckt in jedem Agenten-Handel
Auf den meisten Startplattformen ist der eigene Token nur Beiwerk. Bei Virtuals ist er die Währung, in der alles läuft. Kaufst du einen Agenten-Token, landet dein VIRTUAL in dessen Pool. Verkaufst du, holst du VIRTUAL wieder raus. Je mehr Geld in Agenten fließt, desto mehr VIRTUAL liegt also in den Pools fest und ist nicht mehr am Markt.
Ende 2024 hat genau das funktioniert. Allein im November gingen 6.776 Agenten an den Start, Bots wie AIXBT oder Luna waren auf einmal Hunderte Millionen Dollar wert. Im Dezember nahm Virtuals laut DefiLlama 14,49 Millionen Dollar an Gebühren ein, in einem einzigen Monat. Von Ende Mai bis Ende Dezember 2024 stieg VIRTUAL um 4.491 Prozent, Bitcoin um 39 Prozent.
Wäre die Geschichte hier zu Ende, hätten die Käufer recht behalten.
Ende 2024 hat der Mechanismus genau das geliefert, was er verspricht.
Und seitdem?
Wer Virtuals heute nutzt: viele Starts, kaum Pools
Bis zum 6. Oktober 2026 sind auf Virtuals 85.254 Agenten gestartet, so zählt es die Datenschnittstelle der Plattform. Nur 1.092 davon haben es über die Bonding-Kurve geschafft, dazu kommen 195 aus dem früheren Startmodell Genesis. Die übrigen 83.967 sind auf ihrer Kurve hängen geblieben. Das sind 98,5 Prozent.
| Zeitraum | Agenten gestartet | davon graduiert |
|---|---|---|
| Oktober 2024 bis Januar 2025 | 14.471 | 537 |
| Februar bis Dezember 2025 | 1.668 | 280 |
| 2026 bis 6. Oktober | 68.998 | 158 |
2026 sind so viele Agenten gestartet wie nie, allein im Juli 21.418, nachdem Virtuals auf Robinhood Chain gegangen war. Graduiert sind im ganzen Jahr gerade einmal 158.
Auch bei den graduierten Agenten ist meist nicht mehr viel los. 1.170 der 1.287 Agenten mit eigenem Pool kamen am 6. Oktober auf weniger als 100 Dollar Umsatz in 24 Stunden. Alle zusammen schafften 2,74 Millionen Dollar, drei Viertel davon entfielen auf die zehn aktivsten. VIRTUAL selbst wurde am selben Tag allein auf Binance für 9,1 Millionen Dollar gehandelt.
Bei den Einnahmen von Virtuals sieht es genauso aus. Von bisher 41,7 Millionen Dollar kamen 30,3 Millionen in nur vier Monaten herein, von Oktober 2024 bis Januar 2025. Von Januar bis September 2026 waren es noch 2,39 Millionen, im selben Zeitraum 2025 waren es 15,71 Millionen.
Gestartet wird mehr denn je. Gehandelt wird aber vor allem VIRTUAL selbst.
Wie viel VIRTUAL liegt dann noch in den Agenten?
So viel VIRTUAL halten die Agenten
Das lässt sich direkt auf der Blockchain nachsehen. Auf Base liegen 956 Agenten-Pools, dort sind 1.151 der 1.287 graduierten Agenten zu Hause. Für jeden Pool kann man abfragen, wie viel VIRTUAL drinliegt. Stand 6. Oktober 2026:
| VIRTUAL | Anteil am Angebot | |
|---|---|---|
| in allen 956 Agenten-Pools auf Base | 22,75 Mio. | 2,3 % |
| davon in den zehn größten Pools | 8,77 Mio. | 0,9 % |
| auf den Bonding-Kurven auf Base (geschätzt aus Stichproben) | 1 bis 3 Mio. | 0,1 bis 0,3 % |
| Gesamtangebot | 1.000 Mio. | 100 % |
Zusammen sind das rund 25 Millionen VIRTUAL, etwa 21 Millionen Dollar. Zum Vergleich: Alle VIRTUAL im Umlauf sind zusammen rund 565 Millionen Dollar wert.
Die meisten Pools sind klein. Der mittlere Pool hält 8.444 VIRTUAL, also ein Fünftel dessen, was ein Agent heute zum Graduieren braucht. Nur 69 von 956 Pools liegen darüber. Bei allen anderen haben die Leute seit dem Umzug in den Pool mehr Agenten-Token verkauft als gekauft, und das VIRTUAL ist wieder raus.
Im Oktober 2024, nach dem ersten Monat, hat Virtuals selbst 15 Millionen VIRTUAL in den Agenten-Pools gemeldet. Zwei Jahre und 85.000 Starts später sind es 22,75 Millionen.
Die Agenten binden gerade mal ein Vierzigstel aller VIRTUAL. Der Rest wird gehandelt, als gäbe es die Agenten nicht.
So weit der Stand heute. Aber ändert sich das vielleicht, sobald die Agenten selbst Geld verdienen?
Der naheliegende Einwand
„Der Handel in den Pools ist das alte Modell. Die neue Nachfrage kommt aus der Agenten-Wirtschaft, also von Agenten, die sich gegenseitig für Arbeit bezahlen.“
Genau dafür baut Virtuals seit Februar 2025 das Agent Commerce Protocol, kurz ACP. Die Plattform spricht inzwischen von einem „Agenten-Bruttoinlandsprodukt“ von 482 Millionen Dollar. Zwei Punkte sprechen gegen den Einwand.
Erstens hat Virtuals die Bezahlung in ACP am 12. August 2025 von VIRTUAL auf USDC umgestellt, einen an den Dollar gekoppelten Stablecoin. So steht es im eigenen Änderungsprotokoll. Seitdem laufen Preise und Gebühren dort in USDC.
Zweitens rechnet Virtuals in dieses Agenten-BIP auch Geld ein, das bei Token-Starts eingesammelt wird. Was ACP der Plattform seit dem Start tatsächlich eingebracht hat, waren laut einem Bericht von Fundstrat vom 24. Juni 2026 rund 452.000 Dollar. Bezahlt hat diesen Bericht Virtuals selbst.
Eine Agenten-Wirtschaft, die in Dollar bezahlt, braucht kein VIRTUAL.
Und wer bekommt dann das Geld, das auf der Plattform verdient wird?
Tokenomics: Die Gebühren gehen an Virtuals, nicht an die Halter
Von VIRTUAL gibt es eine feste Menge von einer Milliarde Token. 60 Prozent gingen an die Öffentlichkeit, 5 Prozent in die Liquidität und 35 Prozent in eine Kasse für das Ökosystem. Über diese Kasse stimmen seit Juli 2025 die Halter ab. Im Umlauf sind laut CoinGecko 658 Millionen Token. Pro Jahr dürfen bis zu 10 Prozent aus der Kasse fließen, wenn eine Abstimmung zustimmt.
Die Gebühren der Plattform landen in dieser Kasse. Bei den VIRTUAL-Haltern kommt laut DefiLlama nichts davon an, in keinem einzigen Monat seit dem Start. Ein laufendes Rückkaufprogramm gibt es auch nicht.
Im Februar 2025 hat Virtuals geschrieben, man habe 12,9 Millionen VIRTUAL zurückgekauft und verbrannt, das Angebot werde dauerhaft kleiner. Laut Unchained wurden mit dem Geld aber Agenten-Token gekauft und verbrannt, nicht VIRTUAL. Die Blockchain zeigt dasselbe: Auf Ethereum, wo der Token herausgegeben wird, gibt es am 6. Oktober 2026 genau 1.000.000.000 VIRTUAL. Auf den üblichen Burn-Adressen liegen 1.498.
Eine Überweisung fällt auf. Am 13. Februar 2026 gingen laut dem Analysedienst Lookonchain 13,05 Millionen VIRTUAL von Adressen des Projekts an Binance. Erklärt hat Virtuals das nicht. Das ist mehr als die Hälfte dessen, was alle Agenten heute zusammen halten.
Was Virtuals verdient, bleibt bei Virtuals. Als Halter hast du nur den Kurs.
Wonach richtet sich dieser Kurs dann?
Der Kurs gegen Bitcoin
Seit Ende Mai 2024 hat VIRTUAL zwei komplett verschiedene Phasen hinter sich.
| VIRTUAL | BTC | |
|---|---|---|
| Aus 1 $ Ende Mai 2024 wurden | 10,04 $ | 1,27 $ |
| Aus 1 $ am Hoch, 1. Januar 2025, wurden | 0,19 $ | 0,91 $ |
| Plus-Monate | 15 von 28 | 15 von 28 |
| Median eines Monats | +2,2 % | +2,2 % |
| Monate, in denen BTC fiel | 13 | |
| … davon VIRTUAL besser | 5 | |
| … davon VIRTUAL selbst im Minus | 8 | |
| Größter Rückgang vom Hoch | −90,5 % | −53,0 % |
| Schwankung im Jahr | 157 % | 45 % |
| Jahr | VIRTUAL | BTC | Einnahmen von Virtuals |
|---|---|---|---|
| 2024 (ab 31. Mai) | +4.491 % | +38,5 % | 21,0 Mio. $ (ab 16. Oktober) |
| 2025 | −83,6 % | −6,3 % | 18,4 Mio. $ |
| 2026 (bis 5. Oktober) | +33,0 % | −2,1 % | 2,4 Mio. $ (bis September) |
In einem ganz normalen Monat liegen VIRTUAL und Bitcoin gleichauf. Den Unterschied machen ein paar wenige Monate: Oktober und November 2024 mit +551 und +425 Prozent, danach der Absturz um 90 Prozent in gut drei Monaten.
2024 und 2025 sind Kurs und Einnahmen gemeinsam gelaufen, erst nach oben, dann nach unten. 2026 gehen sie getrennte Wege. Der Kurs steigt, die Einnahmen liegen 85 Prozent unter dem Vorjahr.
2026 steigt VIRTUAL mit der Stimmung rund um KI-Token, nicht mit den eigenen Agenten.
Was angekündigt wurde und was sich nachprüfen lässt
| Behauptung | Wer, wann | Was die Daten sagen | Urteil |
|---|---|---|---|
| 60 Mio. $ Umsatz bis Ende 2024, 300 Mio. $ aufs Jahr gerechnet | Virtuals-Monatsbericht, 08.01.2025 | DefiLlama: rund 21 Mio. $ Gebühren im selben Zeitraum; wie Virtuals rechnet, ist nicht offengelegt | stimmt in der Größenordnung nicht |
| 12,9 Mio. VIRTUAL zurückgekauft und verbrannt | Virtuals-Monatsbericht, 05.02.2025 | Angebot auf Ethereum weiter 1 Mrd.; verbrannt wurden Agenten-Token (Unchained, 15.01.2025) | widerlegt |
| Agenten-BIP 470 Mio. $, später 482 Mio. $ | Virtuals, 12.02.2026 und Herbst 2026 | enthält Geld aus Token-Starts; ACP-Einnahmen der Plattform rund 0,45 Mio. $ | als Wirtschaftsleistung nicht nachprüfbar |
| Listing bei Binance, Upbit, Coinbase | 11.04.2025, 31.01.2025, 29.04.2026 | erste Kurse in den Börsendaten an diesen Tagen | stimmt |
| Start auf Robinhood Chain und Arc | Virtuals, 02.07.2026 und 17.09.2026 | Token-Verträge vorhanden, 92 bzw. 1 graduierter Agent | stimmt |
| Start auf BNB Chain und XLayer im zweiten Quartal 2026 | DEXTools-Bericht | kein Token-Vertrag gefunden | nicht passiert |
| BasisOS als KI-gesteuerter Rendite-Agent | auf Virtuals beworben, 2025 | laut 99Bitcoins von einem Insider per Hand gesteuert, rund 500.000 $ Verlust, Erstattung zugesagt (28.11.2025) | widerlegt |
| „Stripe für KI-Agenten“ | Fundstrat, Oktober 2025 und 24.06.2026 | Bericht von Virtuals beauftragt und bezahlt | keine unabhängige Quelle |
Börsenlistings und neue Chains kannst du nachprüfen. Die Zahlen zur Agenten-Wirtschaft nicht.
Was das für dich heißt
Wenn du VIRTUAL kaufst, weil du an KI-Agenten glaubst: Die beiden haben weniger miteinander zu tun, als die Geschichte nahelegt. Die Agenten halten rund 2,5 Prozent aller VIRTUAL, ihre Aufträge bezahlen sie seit August 2025 in USDC, und die Gebühren landen bei Virtuals, nicht bei dir. Was du kaufst, ist ein Token, der mit der Stimmung rund um KI schwankt, und zwar mehr als dreimal so stark wie Bitcoin.
Wenn du Agenten-Token auf Virtuals kaufst: 98,5 Prozent aller Starts schaffen es nie über die Bonding-Kurve. AIXBT, Luna und Game, die Vorzeige-Agenten von 2024, liegen laut CoinGecko 97 bis 99 Prozent unter ihrem Hoch.
Die Agenten erzählen die Geschichte. Gekauft wird der Token daneben.
Ob sich das ändert, siehst du an zwei Zahlen: wie viel VIRTUAL in den Agenten-Pools liegt, heute 22,75 Millionen, und wie viel Virtuals im Monat einnimmt, im September 0,19 Millionen Dollar. Offen ist, ob Occupy und Arc mehr Agenten über die Bonding-Kurve bringen als Robinhood Chain im Juli. Da wurden aus 21.418 Starts 78 graduierte Agenten.
FAQ
Was ist eine Bonding-Kurve? Ein Vertrag, der den Preis eines neuen Tokens danach berechnet, wie viel schon eingezahlt wurde. Jeder Kauf macht den Token teurer, jeder Verkauf billiger. Bei Virtuals ist bei 42.000 eingezahlten VIRTUAL Schluss, dann zieht der Token in einen normalen Handelspool um.
Wie wurden die 22,75 Millionen VIRTUAL gezählt? Für jeden der 956 Agenten-Pools auf Base, die Virtuals in seiner Datenschnittstelle führt, wurde am 6. Oktober 2026 der VIRTUAL-Bestand direkt auf der Blockchain abgefragt und zusammengezählt. Nicht dabei sind Pools auf Solana, Robinhood Chain, Ethereum und Arc, wo zusammen 136 der 1.287 graduierten Agenten liegen. Die Bonding-Kurven auf Base sind aus Stichproben von rund 2.300 Kurven hochgerechnet.
Warum gilt die Schwelle von 42.000 VIRTUAL nicht für alle Pools? Sie gilt für Agenten, die heute starten. Im Oktober 2024 war ein Agent ab 420.000 Dollar Marktwert graduiert. Der Vergleich zeigt, wie klein der mittlere Pool heute ist. Er heißt nicht, dass jeder Pool einmal genau 42.000 VIRTUAL hatte.
Wie sind die Monatsrenditen berechnet? Schlusskurs am Monatsende gegen den Schlusskurs am Ende des Vormonats, VIRTUAL gegen USDT auf Gate.io, Bitcoin gegen USDT auf Binance, ohne Gebühren. Binance führt VIRTUAL erst seit dem 11. April 2025. Seitdem liegen die Kurse beider Börsen im Schnitt 0,04 Prozent auseinander.
Alle VIRTUAL-Monatsrenditen in US-Dollar
| Jahr | Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2024 | −65,4 | 76,7 | −34,0 | 49,7 | 551,4 | 424,9 | 122,6 | |||||
| 2025 | −49,7 | −44,0 | −47,8 | 166,2 | 31,3 | −25,4 | −16,7 | −11,4 | −8,8 | 34,3 | −33,4 | −28,8 |
| 2026 | 0,8 | 8,8 | −7,2 | 4,5 | 5,2 | −27,2 | 3,7 | 27,8 | 15,6 |
Angaben in Prozent. Juni 2024 ab dem Schlusskurs vom 31. Mai.
Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.
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