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Bitcoin 2030 bei 785.000 Dollar? Die Rechnung hinter OMEGA60

Ein Bitcoin-Modell aus dem August erreicht 2030 mit 60 % pro Jahr 785.000 Dollar. Wo seine Linie heute steht, welche Rate das Ziel inzwischen verlangt und warum dieselbe Methode früher alles zwischen 47.000 Dollar und 19 Millionen ergeben hätte.

Backtesting Arena·30. September 2026·7 Min. Lesezeit·0 Aufrufe
Bitcoin 2030 bei 785.000 Dollar? Die Rechnung hinter OMEGA60

Am 17. August 2026 veröffentlichte JAN3, das Unternehmen von Samson Mow, ein Bitcoin-Preismodell namens OMEGA60. Mow hatte es 2022 für die geplante Bitcoin-Anleihe El Salvadors entwickelt. Die Regel passt in einen Satz: 60 Prozent Wachstum pro Jahr, ausgehend von 318 Dollar im Jahr 2014.

Am 14. August 2030 erreicht die Linie 784.537 Dollar. Bei diesem Kurs wäre Bitcoin halb so viel wert wie alles Gold der Welt. Im Februar 2031 wäre es eine Million.

JAN3 legt eine Tabelle dazu. Ende Dezember 2025 stand die Modelllinie dort bei 86.100 Dollar, Bitcoin bei 87.900. Zwei Prozent Abstand, elf Jahre nach dem Startpunkt. Endete die Geschichte hier, hätte das Modell seinen Ruf verdient.

Sie endet nicht hier. Wo steht die Linie heute?

Seit Januar läuft die Linie dem Kurs davon

Die Linie steigt jedes Jahr um 60 Prozent, egal, was der Kurs tut. Aus JAN3s Tabelle, ergänzt um den Stand vom 29. September:

ZeitpunktBitcoinOMEGA60
Dez. 202342.300 $33.600 $
Dez. 202493.600 $53.800 $
Dez. 202587.900 $86.100 $
Aug. 2026 (JAN3-Stand 12.08.)63.600 $117.700 $
29.09.202683.664 $rund 122.000 $

Der Wert für den 29. September ist aus JAN3s Dezemberwert mit 60 Prozent pro Jahr fortgeschrieben. Bitcoin steht damit fast ein Drittel unter der Linie.

Um die 784.537 Dollar bis zum 14. August 2030 noch zu erreichen, müsste Bitcoin ab heute 78 Prozent pro Jahr wachsen, knapp vier Jahre lang. Das ist mehr als die 60 Prozent, die das Modell selbst annimmt.

Eine Linie, die jedes Jahr um 60 Prozent steigt, trifft den Kurs nur in dem Moment, in dem er vorbeikommt.

Bleibt die Frage, ob 60 Prozent überhaupt die richtige Rate sind.

Die 60 Prozent beschreiben das typische Jahr, nicht das Wachstum

OMEGA60 verwendet ausdrücklich nicht die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate, den CAGR, sondern den Median der Jahresrenditen. JAN3 nennt ihn MAGR.

Die Begründung klingt gut. Der CAGR hängt stark davon ab, wo man misst. Von 2014 bis 2022 ergibt er 39,9 Prozent, von 2018 bis 2022 nur 3,6 Prozent. Der Median der Jahresrenditen liegt in beiden Fenstern bei 59,7 Prozent. Also, so das Argument, sei er das stabilere Maß.

Stabil ist er. Für eine Hochrechnung braucht ein Modell aber die Rate, die den Anfangskurs mit dem Endkurs verbindet. Das ist per Definition das geometrische Mittel, also der CAGR. Der Median beschreibt ein typisches Jahr, nicht den Weg über viele Jahre.

Die Probe dauert eine Zeile, auf JAN3s eigenem Fenster. Bitcoin schloss 2013 bei 805,90 Dollar und 2022 bei 16.537,40 Dollar. Das ist das 20,5-Fache in neun Jahren. Neun Jahre mit 59,7 Prozent aufgezinst ergeben das 67,4-Fache.

Die Rate liegt um den Faktor 3,3 zu hoch, genau auf dem Fenster, aus dem sie stammt.

Der Grund steht in derselben Tabelle. Drei der neun Jahre lagen bei −60,5, −73,2 und −64,2 Prozent. Der Median lässt diese drei Jahre aus der Wachstumsschätzung fallen. Ein Halter musste sie trotzdem durchstehen.

Der Median ist stabil. Zum Hochrechnen taugt er nicht.

Warum lag die Linie Ende 2025 dann so nah am Kurs?

Die Linie beginnt fast ein Jahr zu früh

JAN3 schreibt: „318 Dollar im Jahr 2014". Die eigene Tabelle zeigt für Dezember 2014 aber zwei Werte: Bitcoin 318 Dollar, OMEGA60 489 Dollar. Die Linie liegt also schon am Startpunkt 54 Prozent über dem Kurs, von dem sie ausgehen soll.

Rechnerisch passiert die Linie die 318 Dollar Anfang 2014. Zu Jahresbeginn kostete Bitcoin 805,90 Dollar. Die 318 Dollar erreichte er erst am Jahresende. Die Linie läuft dem Kurs damit knapp ein Jahr voraus, und bei 60 Prozent pro Jahr heißt das: Jeder Punkt der Linie liegt rund 54 Prozent höher, als er von 318 Dollar Ende 2014 aus läge.

Setzt man die 318 Dollar auf den Tag, an dem Bitcoin sie tatsächlich kostete, ändert sich das Bild:

Linie von JAN3318 $ am 31.12.2014
Linie am 29.09.2026rund 122.000 $79.500 $
Bitcoin am 29.09.202683.664 $83.664 $
784.537 $ erreicht14.08.203013.08.2031
1 Million erreichtFebruar 2031Februar 2032

Mit dem richtigen Datum liegt die 60-Prozent-Linie heute 5 Prozent unter dem Kurs. Das hat einen Grund, der mit dem Modell wenig zu tun hat. Von Ende 2014 bis zum 29. September 2026 wuchs Bitcoin tatsächlich um 60,7 Prozent pro Jahr. Die Rate passt zu diesem Zeitraum, aber nicht, weil der Median sie richtig hergeleitet hätte. Seit Ende 2013 waren es 43,9 Prozent pro Jahr.

Das Datum 2030 hängt an einem Startpunkt, den der Kurs so nie hatte.

Und wie verlässlich wäre die Rate gewesen, hätte jemand sie früher gerechnet?

Je nach Rechenjahr zwischen 47.000 Dollar und 19 Millionen

Der Test: dieselbe Methode in jedem Jahr neu anwenden, nur mit den Jahresrenditen, die es damals schon gab. Anker und Zieldatum bleiben wie bei JAN3, gerechnet wird der Wert der Linie am 14. August 2030. Gezählt werden nur abgeschlossene Jahre ab 2014.

Gerechnet EndeJahreMedianLinie am 14.08.2030
2018535,1 %47.393 $
2019664,6 %1.252.691 $
2020794,0 %19.290.283 $
2021876,8 %4.134.392 $
2022959,7 %756.986 $
20231076,8 %4.134.392 $
20241194,0 %19.290.283 $
20251276,8 %4.134.392 $

Für dasselbe Datum reicht die Spanne von 47.393 Dollar bis 19,3 Millionen, das 407-Fache. Der Median, der als stabil gilt, springt zwischen 35,1 und 94,0 Prozent, weil schon ein zusätzliches Jahr ihn auf einen anderen Wert schiebt.

JAN3 rechnet mit den Jahren bis 2022 und kommt auf 59,7 Prozent. Mit den Jahren bis 2025 wären es 76,8 Prozent gewesen und ein Ziel von 4,1 Millionen.

Ein Kursziel, das je nach Rechenjahr um das 400-Fache springt, hängt am Rechenjahr, nicht an Bitcoin.

Die Frage stellt sich nicht nur bei OMEGA60. Auch Power Law und Rainbow Chart werden meist mit der ganzen bekannten Historie gezeichnet und rückwirkend über den Chart gelegt. Wie die Linien aussehen, wenn man sie nur mit dem damals Bekannten rechnet, zeigt die Seite Bewertungsmodelle: rückwirkend vs. damals gerechnet. Sie rechnet mit Tageskursen statt mit JAN3s Jahrestabelle, die Beträge weichen deshalb ab, das Muster nicht.

Der naheliegende Einwand

„60 Prozent sind vorsichtig. Bitcoin ist in seiner Geschichte viel schneller gewachsen."

Das hängt am Startjahr. Seit Ende 2014, dem Tief des damaligen Bärenmarkts, waren es 60,7 Prozent pro Jahr. Seit Ende 2013, dem Hoch davor, 43,9 Prozent. Das Ziel von 2030 verlangt von heute an 78 Prozent. Ob eine Rate vorsichtig ist, entscheidet der Startpunkt, nicht die Rate.

Wie du jedes Kursziel in einer Minute prüfst

Vier Fragen an jede mehrjährige Renditeangabe:

  1. Ist die Rate ein Median, ein arithmetisches oder ein geometrisches Mittel?
  2. Führt sie, auf den genannten Startkurs angewandt, zum tatsächlichen Kurs von heute?
  3. Liegt der Startpunkt auf einem Hoch oder einem Tief, und stimmt sein Datum?
  4. Welche Rate verlangt das Ziel vom heutigen Kurs aus?

Die vierte Frage ist die schnellste. Bei OMEGA60 lautet die Antwort 78 Prozent pro Jahr, und sie steigt mit jedem Monat, den Bitcoin unter der Linie bleibt.

Ein Kursziel ist erst dann eine Aussage, wenn du weißt, welche Rate es ab heute verlangt.

Offen ist, ob der Kurs zur Linie zurückfindet oder die Linie weiter davonläuft. Messbar ist das an einer Zahl: der Rate, die das Ziel 2030 vom jeweiligen Kurs aus verlangt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen MAGR und CAGR? Der MAGR ist der Median der Jahresrenditen und beschreibt das typische Jahr. Der CAGR ist das geometrische Mittel und beschreibt den Weg vom Anfangs- zum Endkurs. Nur der CAGR führt einen Startkurs zum tatsächlichen Endkurs. Für die Frage, wie ein typisches Jahr aussah, ist der Median die bessere Zahl.

Warum steht in JAN3s Tabelle für August 2026 ein Bitcoin-Kurs von 63.600 Dollar? JAN3 nennt als Stand für die Grafik den 12. August 2026. Der Monatsschluss August lag deutlich höher. Für den Vergleich heute steht im Text der Binance-Schlusskurs vom 29. September.

Ist OMEGA60 damit widerlegt? Das Modell sagt nicht, wann der Kurs auf der Linie liegt, nur wohin sie steigt. Belegt ist: Die Rate stammt aus einem Maß, das auf JAN3s eigenem Fenster um den Faktor 3,3 zu hoch aufzinst, die Linie beginnt knapp ein Jahr vor ihrem Startkurs, und dieselbe Methode hätte früher Ziele zwischen 47.000 Dollar und 19 Millionen geliefert.

Warum rechnet die Tabelle mit JAN3s Anker und nicht mit dem korrigierten? Damit sie nur eines prüft: wie stark die Rate schwankt, wenn man sie zu verschiedenen Zeitpunkten ermittelt. Mit dem korrigierten Anker liegen alle Werte rund ein Drittel niedriger, die Spanne bleibt das 407-Fache.


Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.

Quellen: JAN3, „OMEGA60", 17. August 2026 (jan3.com/blog/omega60-bitcoin-price-model), inklusive Jahresrenditetabelle und Modelltabelle · Binance BTCUSDT, Tagesschlüsse 31.12.2023–29.09.2026 · eigene Nachrechnung

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