Auf Bitcoin gibt es keine Zinsen.
So wenig wie auf Gold. Ein Goldbarren im Tresor wird nicht mehr, und ein Bitcoin in der Wallet auch nicht. Das ist kein Fehler im System, sondern das System: Bitcoin bezahlt Miner fürs Rechnen — nicht Halter fürs Halten.
Daraus folgt etwas Unangenehmes. Jede Zahl, die dir als Bitcoin-Rendite verkauft wird, kommt von woanders her. Nicht aus dem Bitcoin. Sondern aus etwas, das du dafür hergibst.
Was das jeweils ist, steht in diesem Text. Bei einer der fünf Quellen haben wir nachgerechnet — und ein Ergebnis bekommen, mit dem wir nicht gerechnet hatten.
Die Tabelle, an der man alles andere messen muss
Das hier ist die Startseite von Aave, dem größten Kreditmarkt der Kryptowelt, am 14. Juli 2026. Vier Zeilen, nichts verändert.
| Was | Wird angeboten | Wird geliehen | Also ausgeliehen | Zins fürs Verleihen |
|---|---|---|---|---|
| USD Coin | 2,13 Mrd. $ | 1,94 Mrd. $ | 91 % | 3,31 % |
| Ethereum | 3,67 Mrd. $ | 2,94 Mrd. $ | 80 % | 1,36 % |
| Tether | 2,84 Mrd. $ | 2,21 Mrd. $ | 78 % | 2,39 % |
| Wrapped Bitcoin | 2,08 Mrd. $ | 71,2 Mio. $ | 3,4 % | unter 0,01 % |
Dollar sind zu 91 Prozent verliehen. Ethereum zu 80. Bitcoin zu 3,4.
Konkret: 32.840 Bitcoin liegen dort. Geliehen hat sich jemand 1.120.
Und der Markt ist keineswegs tot — er platzt aus allen Nähten. Aave musste die Obergrenze für Bitcoin-Einlagen am 1. Juni sogar anheben, weil sie zu 97 Prozent voll war.
Es kommt also immer mehr Bitcoin herein. Und keiner will es haben.
Der Zins fürs Verleihen hängt nämlich nicht daran, wie viel jemand anbietet. Er hängt daran, wie viel sich jemand leiht. Und das tut praktisch niemand.
Keiner will Bitcoin leihen. Alle wollen sich Geld leihen und Bitcoin dafür hinterlegen.
Die 32.840 Bitcoin liegen dort nicht als Kredit. Sie liegen dort als Pfand — damit man sich Dollar dagegen leihen kann. Der Kreditmarkt für Bitcoin selbst ist so gut wie leer, während der für Dollar auf Hochtouren läuft.
Fast null ist damit der Preis, den der Markt für geliehenes Bitcoin tatsächlich zahlt. In einem Markt, der funktioniert, wächst und für andere Sachen anständig zahlt.
Und damit steht die Linie, an der jede weitere Zahl in diesem Text zu messen ist:
Alles darüber ist die Bezahlung für ein Risiko. Nicht für das Verleihen von Bitcoin.
Die fünf Quellen
| Quelle | Was du in Wahrheit hergibst |
|---|---|
| Optionsprämie | Die Chance auf Kursgewinne |
| Kredit | Das Risiko, dass dein Schuldner nicht zahlt |
| Basisgeschäft | Gebundenes Geld — und die Gefahr, nachschießen zu müssen |
| Token | Nichts. Du bekommst etwas anderes, und das kann fallen. |
| Betrieb | Deine Arbeitszeit und dein Kapital |
Die Frage ist nie: wie viel Prozent. Die Frage ist: Was von diesen fünf Dingen gebe ich her — und kriege ich genug dafür?
Erstens: Optionsprämie — und hier haben wir uns geirrt
Es sind viele geworden. YieldMax (YBIT), Roundhill (YBTC), NEOS (BTCI), Global X (BCCC), Grayscale (BTCC) — und seit dem 16. Juni 2026 auch BlackRock mit BITA. Beworben werden Ausschüttungen zwischen 15 und über 45 Prozent im Jahr.
Wie das geht: Der Fonds verkauft Kaufoptionen auf seine eigenen Bitcoin. Jemand darf ihm die Bitcoin zu einem festen Preis abnehmen, falls der Kurs steigt. Dafür zahlt er eine Prämie, und die schüttet der Fonds aus.
Du gibst also die Kursgewinne her. Den Absturz behältst du. Die Erholung verkaufst du.
Unsere Vermutung war: Über einen ganzen Zyklus muss das schiefgehen. Bitcoin verdient sein Geld in wenigen heftigen Anstiegen. Wer die abschneidet, kann eigentlich nur verlieren.
Also haben wir nachgerechnet.
Erster Blick: die letzten zwölf Monate
YBIT von YieldMax ist der größte dieser Fonds mit einer längeren Geschichte. Es gibt ihn seit dem 22. April 2024. Er verkauft jede Woche Optionen auf IBIT — den Bitcoin-Fonds von BlackRock.
Der faire Vergleich ist also: YBIT gegen IBIT. Optionen verkaufen gegen einfach halten.
| 30.06.2025 → 30.06.2026 | |
|---|---|
| IBIT (einfach halten) | −45,61 % |
| YBIT (Optionen verkaufen) | −40,93 % |
| Unterschied | +4,68 Prozentpunkte |
Der Optionsverkäufer hat gewonnen.
Und nicht durch Glück, sondern genau so, wie er soll: Wenn der Kurs fällt, kassiert man weiter Prämien. Das ist der eine Fall, in dem diese Strategie funktioniert. Sie hat funktioniert.
Unsere Vermutung war für diesen Zeitraum falsch.
Zweiter Blick: die ganze Lebenszeit des Fonds
Nur: Zwölf Monate sagen wenig über eine Strategie, die Kursgewinne verkauft. Denn in diesen zwölf Monaten gab es keine.
Also derselbe Vergleich, aber über die gesamte Zeit, die es YBIT gibt. Da ist der große Anstieg von Ende 2024 drin. Und der Absturz danach.
| 22.04.2024 → 30.06.2026 | |
|---|---|
| IBIT (einfach halten) | −8,34 % |
| YBIT (Optionen verkaufen) | −29,03 % |
| Unterschied | −20,69 Prozentpunkte |
Zwanzig Prozentpunkte.
Bitcoin ist in dieser Zeit einmal im Kreis gelaufen: IBIT stand bei 36,32 Dollar, stieg auf rund 65 — das sind fast 80 Prozent nach oben — und kam auf 33,29 zurück. Unterm Strich: acht Prozent Minus.
Diesen ganzen Anstieg hat YBIT Woche für Woche weggegeben. Und dafür Prämien kassiert.
Die Prämien aus zwei Jahren haben den einen Anstieg nicht bezahlt, den man dafür hergegeben hat.
Was du weggibst, ist für immer weg. Was du dafür kriegst, kriegst du einmal.
Das ist der Haken, und er ist keine Meinung, sondern Rechnen. Jeder Anstieg, den du verkauft hast, fehlt dauerhaft. Die Prämie dafür bekommst du einmal.
Und darum geht es eigentlich
Dieselbe Strategie. Dieselben Zahlen. Zwei Zeiträume. Zwei entgegengesetzte Antworten.
Wer zwölf Monate anschaut, sieht eine Strategie, die einfaches Halten um fünf Punkte schlägt. Wer die ganze Zeit anschaut, sieht zwanzig Punkte Rückstand.
Zwölf Monate ohne Anstieg sind kein Test für eine Strategie, die genau diesen Anstieg verkauft.
Und das ist die Falle. Jeder, der ein Produkt an den Zahlen misst, die das Produkt selbst zeigt, tappt hinein.
Was auf derselben Seite steht
Und jetzt die Zahlen, die alle auf derselben Produktseite stehen. Man muss nur ein Stück scrollen.
- Ausschüttung: 46,40 Prozent (Stand 10.07.2026)
- Was der Fonds wirklich verdient hat: 2,85 Prozent (die sogenannte SEC-Rendite)
- Was ein Anleger in zwölf Monaten bekommen hat: minus 40,93 Prozent
Die 46 Prozent und die minus 41 Prozent haben nichts miteinander zu tun. Die Ausschüttungsquote nimmt einfach die letzte Zahlung und rechnet sie aufs Jahr hoch. Die SEC-Rendite misst, was der Fonds tatsächlich erwirtschaftet hat — Optionsprämien zählen darin ausdrücklich nicht mit.
Wovon wird dann ausgezahlt?
Auch das steht dort. Die Fonds müssen offenlegen, welcher Teil einer Ausschüttung nur zurückgezahltes Kapital ist. Das steht in einer Mitteilung nach Regel 19a-1.
Wir haben YBITs komplette Ausschüttungstabelle für 2026 durchgerechnet: 28 Zahlungen, zusammen 6,90 Dollar je Anteil. Davon waren 3,47 Dollar nichts anderes als zurückgezahltes Kapital.
Gut die Hälfte — 50,3 Prozent — war dein eigenes Geld. Bei zwölf der 28 Zahlungen waren es über 80 Prozent.
Bei Grayscales BTCC steht es direkt auf der Produktseite: Laut der Mitteilung vom 29. Juni 2026 waren 100 Prozent der Ausschüttung zurückgezahltes Kapital.
(Dazu gehört: Diese Angaben sind Schätzungen. Was am Ende wirklich gilt, steht erst in der Steuerbescheinigung am Jahresende.)
Zurückgezahltes Kapital ist keine Rendite. Es ist dein Geld, das zurückkommt — und der Anteil ist danach entsprechend weniger wert.
Man kann dabei zuschauen. YBIT zahlte im Januar 2026 im Schnitt 28 Cent je Anteil aus. Im Juli waren es 16. Ein Drittel weniger in einem halben Jahr — weil die Ausschüttung ein Prozentsatz von einem Anteil ist, der immer weniger wert wird.
Die Zahl frisst sich selbst auf.
Zwei Dinge noch, die man wissen sollte
Der Fonds besitzt keine Bitcoin. YBIT hält zu rund 95 Prozent amerikanische Staatsanleihen, dazu eine gekaufte Option auf IBIT. Auf der Produktseite steht wörtlich: „The Fund does not invest in or seek exposure to the current 'spot' or cash price of Bitcoin." — Der Fonds investiert nicht in den Bitcoin-Kurs.
Und womit vergleicht sich der Fonds in seinem eigenen Datenblatt? Mit dem S&P 500. Nicht mit IBIT. Bei einem Fonds, der nichts anderes tut, als Optionen auf IBIT zu verkaufen.
Ein Vergleich, der die einzige Frage nicht beantworten kann, um die es geht.
Zweitens: Kredit
Der bekannteste Fall sind die Vorzugsaktien von Strategy, der Firma, die früher MicroStrategy hieß: STRC, STRF, STRD, STRE und STRK. Sie zahlen zwischen 8 und 12 Prozent. Und sie werden nie zurückgezahlt — es gibt kein Laufzeitende.
Was Strategy selbst dazu schreibt, in seinen Unterlagen bei der amerikanischen Börsenaufsicht:
STRC ist nicht durch die Bitcoin-Bestände abgesichert. Es ist keine Bankeinlage. Es gibt keine Einlagensicherung. Und keine Garantie, dass man sein Geld zurückbekommt. Der Zinssatz kann jeden Monat geändert werden und deutlich niedriger ausfallen.
Das ist keine Kritik von außen. Das ist die Firma, die ihr eigenes Papier beschreibt.
Und dann der Verlauf. STRC zahlte 11,25 Prozent. Im März 2026 waren es 11,50. Und seit dem 1. Juli 2026 sind es 12,00.
Warum der Zins überhaupt schwankt, steht auf Strategys eigener Website: Er wird angepasst, damit das Papier möglichst nah an seinen 100 Dollar Nennwert gehandelt wird.
Im Klartext: Der Zins ist kein Ertrag. Er ist das Mittel, mit dem der Kurs oben gehalten wird.
Er steigt, wenn der Markt das Papier sonst unter 100 Dollar drücken würde. Ein steigender Zins in einem fallenden Markt ist deshalb kein Geschenk. Er ist ein Preisschild.
Wobei man wissen sollte, was gleichzeitig passierte: Strategy meldete für das vierte Quartal 2025 einen Verlust von 12,4 Milliarden Dollar. Die Aktie hat gegenüber ihrem Höchststand vom November 2024 rund drei Viertel verloren.
Und die Zinsen werden nicht aus dem laufenden Geschäft bezahlt. Bei rund 123 Millionen Dollar Umsatz im Quartal geht das rechnerisch gar nicht. Sie werden bezahlt, indem die Firma neues Geld einsammelt — oder Bitcoin verkauft.
Du hältst also keine Anleihe auf Bitcoin. Du wettest darauf, dass Strategy weiter Geld einsammeln kann.
Drittens: das Basisgeschäft
Bitcoin kaufen, gleichzeitig einen Terminkontrakt darauf verkaufen, die Differenz einstreichen. Ob der Kurs steigt oder fällt, ist dabei egal. Historisch brachte das 6 bis 8 Prozent im Jahr, manchmal über 20.
Woher kommt das Geld? Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat das untersucht. Ihr Befund: Kleinanleger kaufen Terminkontrakte auf Kredit, weil sie auf steigende Kurse setzen. Diese Nachfrage treibt den Terminpreis über den aktuellen Kurs.
Man wird also dafür bezahlt, dass man dagegenhält, wenn Kleinanleger auf Kredit kaufen.
Das steht in einem Papier einer Zentralbank, nicht in einem Werbeprospekt.
Aber es ist kein Selbstläufer. Dieselbe Untersuchung zeigt: Schon bei zehnfachem Kredithebel — die Börsen bieten viel mehr an — wäre man in mehr als der Hälfte aller untersuchten Monate rausgeflogen. Zwangsverkauft, bevor das Geschäft aufgeht.
Am Ende ist es egal, wohin der Kurs läuft. Auf dem Weg dorthin ist es das nicht.
Viertens: Token
Babylon hat technisch das Sauberste gebaut, was es in diesem Feld gibt. Die Bitcoin werden nicht verpackt, nicht über eine Brücke geschickt und keinem Verwahrer übergeben. Sie bleiben auf der Bitcoin-Blockchain, per Zeitschloss gesperrt, und sichern damit andere Netzwerke ab. Lombard baut darauf auf und gibt LBTC aus, damit man das Geld trotzdem bewegen kann.
Und die Belohnung kommt trotzdem nicht in Bitcoin. Sie kommt in BABY — dem Token des Protokolls.
Wie hoch sie ist, sagt jeder anders: von unter 1 bis 8 Prozent. Diese Spanne ist schon der Befund. Man streitet nicht über eine Zahl, sondern darüber, was man überhaupt zählt: Die Prozente in Token — oder das, was am Ende in Euro übrig bleibt.
Drei Prozent in einem Token, der die Hälfte verliert, sind minus achtundvierzig Prozent. Die Zahl stimmt. Sie bedeutet nur nichts.
BABY fiel von seinen Höchstständen Anfang 2026 auf rund einen Cent im März, bevor er sich wieder etwas erholte. Dabei kommen jedes Jahr 8 Prozent neue Token dazu, und bis 2029 werden weitere freigegeben.
Der Markt hat übrigens abgestimmt. Nach zwei Jahren, in denen alle davon geredet haben, liegt weniger als ein halbes Prozent aller Bitcoin in dieser Art von Krypto-Finanzprodukten. Bei Ethereum sind es rund 15 Prozent.
Fünftens: Betrieb
Am 14. Juli 2026 hat Pascal Hügli in seinem Newsletter „Less Noise More Signal" ein Gespräch mit Chris Ritter veröffentlicht, dem Strategiechef des Lightning-Anbieters Zeus. Titel: „This is the Yield Bitcoiners Have Been Waiting For." — Die Rendite, auf die Bitcoiner gewartet haben.
Die These: Das Lightning-Netzwerk gibt Bitcoin endlich eine eigene Rendite. In Bitcoin ausgezahlt. Ohne Kredit, ohne neue Token, und man behält seine Schlüssel.
Und in einem entscheidenden Punkt hat der Artikel recht.
Lightning ist die einzige Quelle in dieser ganzen Liste, bei der man sauber erklären kann, woher das Geld kommt: Leute schicken Zahlungen durchs Netz und zahlen dafür eine Gebühr. Der Knoten stellt das Geld bereit, das die Zahlung braucht. Der Knoten kriegt die Gebühr. Keine neuen Token, kein Kredit, kein Verpfänden derselben Sicherheit an mehrere Leute. Und es hängt nicht daran, dass irgendein Kurs weiter steigt.
Hügli und Ritter beschreiben außerdem etwas wirklich Neues: Man kann die Schlüssel behalten und den Betrieb trotzdem abgeben. Ein Fachmann führt den Knoten, stellt die Gebühren ein, schiebt Geld zwischen den Kanälen hin und her — an die Bitcoin kommt er nicht ran. Für Banken ist genau das der Durchbruch: Sie könnten eine Bitcoin-Rendite anbieten, ohne ihre eigene Verwahrung aufzugeben. Und die Verwahrung ist ihr Geschäft.
Die Risiken stehen auch im Artikel, offen: Ein schlecht geführter Knoten verliert Geld. Man muss wissen, mit wem man sich verbindet. Und wenn ein Kanal unschön geschlossen wird, ist das Geld rund zwei Wochen eingefroren. Wörtlich: „The yield may be native. But it is not passive." — Die Rendite mag aus Bitcoin kommen. Von allein kommt sie nicht.
Trotzdem ist es keine Rendite auf Bitcoin.
Es ist das, was man verdient, wenn man ein Zahlungsnetz betreibt — und es wird in Bitcoin bezahlt.
Gold wirft keine Zinsen ab. Ein Goldschmied verdient trotzdem Geld. Das Gold in seiner Werkstatt ist Material, kein Zinspapier.
Das erklärt zwanglos jedes Risiko, das der Artikel selbst aufzählt. Es sind die Risiken eines Betriebs, nicht die eines Wertpapiers.
Und die Bitcoin in einem Zahlungskanal liegen nicht im Tresor. Sie liegen in einem Vertrag, der ständig erreichbar sein muss. Sie haben Bitcoin nicht verlassen — aber den Safe.
Die Rendite, die niemand nachprüfen kann
Und hier liefert der Artikel den stärksten Einwand gegen sich selbst.
Er heißt: Die Rendite, auf die Bitcoiner gewartet haben.
Er nennt kein einziges Mal eine Rendite. Keine Prozentzahl. Keine Spanne. Nicht einmal eine Größenordnung.
Und er sagt sogar, warum: Lightning ist absichtlich privat gebaut. Man kann von außen nicht sehen, wie viel durchs Netz fließt, was ein Knoten verdient, wie gut das Geld arbeitet. Hügli schreibt das hin — und zitiert Ritter mit dem Satz, niemand wisse genau, wie sich diese Rendite entwickelt, wenn viel Geld hineinfließt.
Man kann nicht gleichzeitig nicht wissen, wie hoch die Rendite ist, und wissen, dass es die Rendite ist, auf die alle gewartet haben.
Der Artikel druckt beides. Das spricht für ihn — die meisten hätten die Lücke einfach weggelassen. Aufgelöst ist sie damit nicht.
Und für uns, die wir mit Vergleichszahlen arbeiten, ist das eine erstaunliche Feststellung: Lightning ist die eine Anlage, für die es gar keine Vergleichszahl geben kann. Nicht, weil sie niemand ausgerechnet hätte. Sondern weil die Daten nie entstehen.
Ein Knoten, der schlecht läuft, schreibt keine Pressemitteilung.
Alles auf einen Blick
| Weg | Beworben | Was du hergibst |
|---|---|---|
| Einfach halten | 0 % | Nichts |
| Optionsfonds | 15–46 % | Deine Kursgewinne. Und die Hälfte der Auszahlung ist dein eigenes Geld. |
| Vorzugsaktien | 8–12 % | Das Risiko, dass eine Firma nicht zahlt, die es aus dem Geschäft nicht kann |
| Verleihen (mit Pfand) | unter 0,01 % | Verwahr- und Vertragsrisiko — für praktisch nichts |
| Verleihen (bei einer Plattform) | bis 12 % | Das Risiko, dass die Plattform pleitegeht |
| Staking | 1–8 % | Strafen bei Fehlern — und den Kurs des Tokens, in dem gezahlt wird |
| Basisgeschäft | 6–8 % | Gebundenes Geld und die Gefahr, rauszufliegen |
| Lightning | keine Zahl genannt | Deine Arbeit, dein Kapital, Wartezeiten |
Was bleibt
Nichts davon ist unseriös. Optionen zu verkaufen ist ein anerkanntes Geschäft. Geld zu verleihen auch. Ein Zahlungsnetz zu betreiben erst recht.
Und der Optionsfonds hat in einem fallenden Markt funktioniert — das haben wir gegen unsere eigene Vermutung nachgerechnet.
Falsch ist nur das Wort „Rendite". Es klingt, als würde das Bitcoin selbst etwas abwerfen.
Das tut es nicht. Wie Gold.
Du bekommst nichts für dein Bitcoin. Du bekommst etwas dafür, dass du ein Risiko trägst, das ein anderer loswerden will.
Ob sich das lohnt, hängt vom Preis ab. Und den kann man nur beurteilen, wenn man weiß, was man hergibt — und welchen Zeitraum man gerade anschaut.
Und was wir jetzt machen
Der Vergleich oben deckt zwei Jahre ab. Das ist kein ganzer Zyklus.
YBIT gibt es seit April 2024. BITA seit Juni 2026. Niemand kann heute sagen, was das regelmäßige Verkaufen von Bitcoin-Optionen über zehn Jahre gebracht hätte — weil es die Fonds damals noch nicht gab.
Die Strategie gab es aber schon. Und Strategien kann man durchrechnen.
Wir bauen sie in unsere Backtest-Engine ein: Wie lange läuft die Option, wie weit über dem Kurs wird verkauft, wie viel vom Bestand ist überhaupt gedeckt — alles einstellbar. Über die ganze Bitcoin-Geschichte, gegen einfaches Halten, getrennt nach Marktphasen.
Die Optionspreise von damals gibt es nicht mehr. Aber wir haben etwas anderes: Über zweieinhalb Jahre echter Optionsdaten haben wir gemessen, um wie viel teurer Optionen sind, als es die tatsächliche Kursschwankung hinterher rechtfertigt. Der Aufschlag lag im Mittel bei 13,4 Prozentpunkten und war in 93 Prozent der Fälle positiv. Damit lassen sich die Prämien für die ganze Historie rekonstruieren.
Dann steht die Antwort da. Für zehn Jahre. Nicht für zwei.
Häufige Fragen
Bringt Bitcoin von sich aus Zinsen? Nein. Bitcoin funktioniert über Rechenarbeit. Das Netzwerk bezahlt die Miner, die rechnen — nicht die Leute, die Bitcoin halten. Es gibt keinen Zins, keine Dividende und keine Belohnung fürs Liegenlassen. Genau wie bei Gold.
Bringt ein Optionsfonds auf Bitcoin mehr als einfaches Halten? Das hängt davon ab, welchen Zeitraum man anschaut. In den zwölf Monaten bis Ende Juni 2026 lag YBIT rund 4,7 Prozentpunkte vor dem reinen Bitcoin-Fonds IBIT — bei fallenden Kursen funktioniert die Strategie. Über die ganze Zeit seit April 2024, in der auch ein großer Anstieg lag, lag er rund 20,7 Prozentpunkte dahinter.
Was ist der Unterschied zwischen Ausschüttung und SEC-Rendite? Die Ausschüttungsquote nimmt die letzte Zahlung und rechnet sie aufs Jahr hoch — darin können Optionsprämien und zurückgezahltes Kapital stecken. Die SEC-Rendite misst, was der Fonds tatsächlich erwirtschaftet hat, und lässt Optionsprämien ausdrücklich weg. Klaffen die beiden weit auseinander, lohnt sich ein Blick in die 19a-1-Mitteilung.
Was ist eine 19a-1-Mitteilung? Eine Pflichtangabe amerikanischer Fonds. Sie schätzt, welcher Teil einer Ausschüttung wirklich verdient wurde — und welcher Teil nur zurückgezahltes Kapital ist. Zurückgezahltes Kapital ist keine Rendite. Es ist dein eigenes Geld.
Ist Bitcoin-Staking echtes Staking? Nein. Bitcoin kennt kein Staking. Beim sogenannten Bitcoin-Staking sperrt man seine Bitcoin, um damit fremde Netzwerke abzusichern — und wird in deren Token bezahlt. Nicht in Bitcoin.
Warum bringt das Verleihen von Bitcoin fast nichts? Weil es kaum jemand leihen will. Am 14. Juli 2026 lagen auf Aave 32.840 Bitcoin bereit — ausgeliehen waren davon 1.120. Also 3,4 Prozent, während bei Dollar 91 Prozent ausgeliehen sind. Bitcoin wird als Pfand hinterlegt, um sich etwas anderes zu leihen. Verliehen wird es kaum.
Ist Lightning eine Bitcoin-Rendite? Es ist das, was man verdient, wenn man ein Zahlungsnetz betreibt — bezahlt in Bitcoin. Woher das Geld kommt, lässt sich sauber erklären. Von allein kommt es nicht. Und das Netz ist privat: Zahlen über das, was dabei herauskommt, gibt es nicht.
Quellen: Produktseiten und Pflichtangaben von YieldMax (YBIT), Grayscale (BTCC), Roundhill, NEOS, Global X, BlackRock · Kursdaten IBIT (TradingView, Stichtage 22.04.2024, 30.06.2025, 30.06.2026) · Unterlagen von Strategy bei der SEC (8-K, FWP, 10-Q) · Aave und governance.aave.com · Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Working Paper 1087 · Pascal Hügli, „Less Noise More Signal", 14. Juli 2026, im Gespräch mit Chris Ritter (Zeus). Alle Zahlen mit dem Datum, an dem wir sie erhoben haben.
Keine Anlageberatung. Dieser Text erklärt, wie diese Produkte funktionieren und welche Risiken darin stecken. Er empfiehlt nichts.
Study the Past — Improve your Future. 🥋