Solana schreibt alle paar hundert Millisekunden einen neuen Block. Bitcoin braucht im Schnitt zehn Minuten. Warum baut Bitcoin nicht einfach schneller?
Weil Tempo etwas anderes kostet. Die Rechnung dazu heißt Blockchain-Trilemma, und sie erklärt, warum Bitcoin, Ethereum und Solana so verschieden gebaut sind. Wer eine der drei hält, hält auch eine Entscheidung darüber, wo sie den Preis zahlt.
Das Trilemma ist eine Preisliste, kein Naturgesetz
Die bekannteste Fassung steht in der Sharding-FAQ des Ethereum-Wikis, nachweisbar seit März 2017: Blockchains könnten höchstens zwei von drei Eigenschaften haben. Vitalik Buterin hat die drei 2021 so gefasst:
- Skalierbarkeit: Die Kette verarbeitet mehr Transaktionen, als ein einzelner normaler Rechner, etwa ein Laptop, prüfen kann.
- Dezentralität: Die Kette läuft ohne Abhängigkeit von einer kleinen Gruppe großer Akteure.
- Sicherheit: Die Kette hält stand, wenn ein großer Teil der Teilnehmer angreift, idealerweise bis zur Hälfte.
Der Knackpunkt liegt im ersten Satz. Wenn jeder die Kette auf einem normalen Rechner nachprüfen können soll, darf sie nicht mehr verarbeiten, als so ein Rechner schafft. Mehr Durchsatz heißt dann: größere Rechner, also weniger Leute, die prüfen, oder Arbeit, die aus der Hauptkette ausgelagert wird.
Buterin schreibt, mit „einfachen" Techniken bekomme man nur zwei der drei. Das Trilemma sagt nicht, dass Skalierung unmöglich ist. Es sagt, dass sie irgendwo bezahlt wird.
Bleibt die Frage, wo. Bitcoin, Ethereum und Solana haben sie drei Mal verschieden beantwortet.
Bitcoin zahlt mit Kapazität
Bitcoin begrenzt jeden Block auf ein Gewicht von vier Millionen Einheiten (BIP 141, seit SegWit 2017) und schreibt im Schnitt alle zehn Minuten einen. Das hält die Datenmenge klein genug, dass ein gewöhnlicher Rechner die ganze Kette prüfen kann. Die Zählung von Bitnodes fand am 25. September 2026 25.343 erreichbare Bitcoin-Knoten.
Die Menge soll eine Ebene höher laufen, vor allem im Lightning-Netzwerk: Zahlungskanäle, die außerhalb der Kette laufen und erst am Ende auf ihr abgerechnet werden. Genau diese Ebene wächst gerade nicht. Die öffentlich sichtbare Lightning-Kapazität lag laut mempool.space am 28. Dezember 2025 bei 5.851 BTC und am 30. August 2026 bei 3.795 BTC, gut ein Drittel weniger.
Bitcoin hält das Prüfen billig und schickt die Menge nach oben. Ob oben jemand ankommt, ist die offene Stelle dieser Wahl.
Ethereum hat 2020 denselben Weg eingeschlagen, nur konsequenter. Und ist gerade dabei, einen Teil davon zurückzugehen.
Ethereum zahlt mit Aufspaltung und holt jetzt Last zurück
Im Oktober 2020 schrieb Buterin, Ethereum setze für die absehbare Zukunft „voll auf Rollups": eigene Ketten, die Transaktionen bündeln und nur Daten und Beweise auf Ethereum ablegen. Seitdem hat Ethereum vor allem Platz für diese Daten geschaffen, sogenannte Blobs:
| Upgrade | Datum | Blob-Ziel je Block |
|---|---|---|
| Dencun | 13. März 2024 | 3 |
| Pectra | 7. Mai 2025 | 6 |
| Fusaka, BPO1 | 9. Dezember 2025 | 10 |
| BPO2 | 7. Januar 2026 | 14 |
Das Ziel ist in knapp zwei Jahren fast auf das Fünffache gestiegen. Die Aktivität ist entsprechend gewandert: In den 30 Tagen bis 23. September 2026 liefen laut L2BEAT 98,9 % aller Operationen auf Rollups und 1,1 % auf Ethereum selbst. Allerdings entfällt der größte Teil davon auf eine einzige Anwendung, die Derivatebörse Lighter.
Der Preis dieser Wahl ist Aufspaltung: Nutzer, Geld und Liquidität verteilen sich auf viele Ketten, die jede eigene Regeln und eigene Betreiber haben. Buterin selbst schrieb im Februar 2026, die Rollups seien „weit langsamer" dezentral geworden als erwartet, und die ursprüngliche Vision ihrer Rolle ergebe „keinen Sinn mehr".
Seitdem wird die Hauptkette wieder größer. Das Gas-Limit, also die Rechenmenge pro Block, stieg von 36 Millionen im Februar 2025 über 45 Millionen im Juli auf 60 Millionen im November 2025. Die Ethereum Foundation nennt als Ziel „auf und über 100 Millionen".
Ethereum holt Last auf die Hauptkette zurück, und damit wandert es auf die Ecke zu, in der Solana schon steht.
Was diese Ecke kostet, zeigt Solana.
Solana zahlt mit der Zahl derer, die prüfen können
Solana hat eine einzige Kette ohne Auslagerung und setzt auf schnelle Blöcke und viel Rechenleistung. Die Slot-Zeit, der Takt, in dem Blöcke entstehen, lag lange bei 400 Millisekunden und wird seit August 2026 stufenweise gesenkt, laut solana.com am 25. August auf 300. Die Rechenmenge pro Block stieg am 29. Juli 2026 von 60 auf 100 Millionen Einheiten.
Das verlangt Hardware. Die Anza-Dokumentation nennt für einen Validator mindestens 12 Prozessorkerne, 256 GB Arbeitsspeicher, mehrere Terabyte NVMe-Speicher und eine symmetrische Leitung von 2 Gbit/s, empfohlen 10. Das ist kein Laptop, sondern ein Server im Rechenzentrum.
Die Zahl der Validatoren ist entsprechend gesunken. Solana Compass zählte im März 2023 rund 2.560, Ende Januar 2026 noch 795. Eine Abfrage des Solana-Netzes am 25. September 2026 ergab 685 Validatoren mit Stake; 18 davon halten zusammen mehr als ein Drittel des Stakes, genug, um das Netz anzuhalten.
Die Wahl hat auch geliefert: Laut Solana Compass gab es seit dem 6. Februar 2024 keinen netzweiten Ausfall mehr. Solana ist schnell und inzwischen stabil. Bezahlt wird mit der Zahl derer, die mitprüfen können.
Der naheliegende Einwand
„Ethereum hat fast 900.000 Validatoren. Ist die Dezentralitätsfrage dort nicht erledigt?"
Die Zahl stimmt: validatorqueue.com zählte am 25. September 2026 895.222 aktive Validatoren mit zusammen 43,2 Millionen ETH. Sie zählt aber Konten, nicht Betreiber. Seit Pectra darf ein Validator bis zu 2.048 ETH halten statt 32, große Anbieter bündeln also auf weniger Konten. Eine Validator-Zahl misst Konten. Wie viele unabhängige Betreiber dahinterstehen, steht in keiner der drei Zahlen.
Welche Zahl du beobachten solltest
| Chain | Wo sie zahlt | Zahl, die sich bewegen müsste | Stand |
|---|---|---|---|
| Bitcoin | Kapazität der Hauptkette | öffentliche Lightning-Kapazität | 3.795 BTC (30.08.2026), 5.851 im Dezember 2025 |
| Ethereum | Aufspaltung auf Rollups | Gas-Limit der Hauptkette | 60 Millionen (25.09.2026), Ziel über 100 Millionen |
| Solana | Kreis der Prüfer | Validatoren mit Stake | 685 (25.09.2026), 2.560 im März 2023 |
Die Tabelle beantwortet eine Frage, die sich bei jeder Ankündigung stellen lässt: Welche Zahl müsste sich bewegen, wenn die Kette das Trilemma wirklich weiter hinausschiebt? Wird Solana schneller, müsste die Validator-Zahl halten. Hebt Ethereum das Gas-Limit an, müsste es gleichzeitig günstig bleiben, einen Knoten zu betreiben. Soll Bitcoin über Lightning wachsen, müsste die Kapazität dort steigen.
Die nächsten Messpunkte stehen fest. Ethereums Upgrade Glamsterdam soll Anfang Oktober 2026 auf das Testnetz Sepolia, ein Termin für das Hauptnetz fehlt noch. Solanas neues Konsensverfahren Alpenglow wurde im September 2025 mit 98 % der abgegebenen Stimmen beschlossen und wird seit dem 22. September 2026 im Testnetz aktiviert; ein Termin für das Hauptnetz fehlt auch hier. Beide Upgrades versprechen mehr Tempo. Offen ist bei beiden, an welcher der drei Stellen sie dafür zahlen.
FAQ
Ist das Trilemma bewiesen? Nein. Die Sharding-FAQ spricht von einer Behauptung („The trilemma claims"), und Buterin schränkt sie auf „einfache" Techniken ein. Sharding, Rollups und das Stichproben-Verfahren für Datenverfügbarkeit sind Versuche, es mit nicht einfachen Techniken zu umgehen. Ob einer davon das Trilemma bricht oder den Preis nur verschiebt, zeigt die Zahl, die sich danach bewegt.
Warum keine Transaktionen pro Sekunde? Weil die Zahl davon abhängt, was eine Transaktion ist. Eine Überweisung, ein Tausch auf einer Börse und eine Stimme eines Validators kosten unterschiedlich viel Rechenleistung, und jede Kette zählt anders. Die Grenzen pro Block (Gewicht, Gas, Compute Units) sind vergleichbarer, weil sie festgelegt sind.
Sind 25.343 Bitcoin-Knoten viel? Es ist eine Zählung der Knoten, die von außen erreichbar sind; Knoten hinter Firewalls fehlen, und eine Zählung lässt sich mit vielen vorgetäuschten Knoten aufblähen. Entscheidend für das Trilemma ist weniger die Zahl als die Frage, ob ein gewöhnlicher Rechner die Kette prüfen kann. Bei Bitcoin kann er das.
Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.
Quellen: Ethereum Wiki, Sharding FAQ (Archivstand 11. März 2017) · Vitalik Buterin, „Why sharding is great", vitalik.eth.limo, 7. April 2021 · Vitalik Buterin, „A rollup-centric ethereum roadmap", Ethereum Magicians, 2. Oktober 2020 · BIP 141 (Segregated Witness) · Bitnodes-API, Stand 25. September 2026 · mempool.space, Lightning-Statistik (28. Dezember 2025, 30. August 2026) · Ethereum Foundation Blog: Dencun (27. Februar 2024), Fusaka (6. November 2025), Protocol Priorities 2026 (18. Februar 2026) · ethereum.org, Pectra · L2BEAT, Activity, 25. August bis 23. September 2026 · The Block, Gas-Limit 45 Mio. (22. Juli 2025) und 60 Mio. (27. November 2025), Buterin zu Layer 2 (3. Februar 2026) · validatorqueue.com, 25. September 2026 · solana.com, Reduced Slot Times und 100M CU Blocks · Anza Docs, Validator Requirements · Solana Compass via Cointelegraph (Januar 2026) und Solana Compass (10. August 2026) · Solana-RPC getVoteAccounts, 25. September 2026 · Solana Status, Alpenglow-Abstimmung (2. September 2025) · ForkLog, Alpenglow-Testnetz (23. September 2026) · The Cryptonomist, Glamsterdam (18. September 2026)
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