Du packst deine neue Hardware-Wallet aus, schließt sie an, und die Ledger-App meldet: Gerät echt. Damit fühlt sich die Sache erledigt an. Genau dieses Gefühl hat im Oktober 2026 Käufer eines Händlers in Südostasien viel Geld gekostet.
Am 9. Oktober meldete Ledger, dass es Diebstähle bei Geräten untersucht, die über den Händler CryptoBilis verkauft wurden. Der Blockchain-Ermittler Specter schätzte am selben Tag, dass mehr als 86 Millionen Dollar aus Hunderten Wallets abgeflossen sind. Die Geräte waren keine Fälschungen. Es waren echte Ledger, und sie bestanden jeden Test, den die App kennt.
In den Geräten saß ein Funkmodul, das die 24 Wörter mitlas
Am 13. Oktober beschrieb Ledgers Sicherheitsteam Donjon, was es in einem betroffenen Gerät gefunden hatte. Ein zusätzliches Bauteil saß im Gehäuse und las mit, was auf dem Bildschirm stand. Beim Einrichten zeigt jedes Ledger-Gerät die 24 Wörter der Wiederherstellungsphrase an, die sogenannte Seed. Sobald das Implantat diese Anzeige erkannte, entschlüsselte ein Mikrocontroller die Wörter und schickte sie über das Mobilfunknetz weg, mit einer eigenen eSIM.
Wer die 24 Wörter hat, hat die Wallet. Er braucht dein Gerät nicht mehr, er stellt die Wallet einfach auf einem eigenen wieder her und räumt sie leer.
Laut Ledger veränderte das Implantat weder den Sicherheitschip noch das Betriebssystem, und es fälschte keine Transaktionen. Das Gerät tat alles richtig. Es war nur nicht allein im Gehäuse.
Der Echtheitscheck fragt nur, ob der Chip von Ledger stammt
Ledgers Echtheitsprüfung heißt „Genuine Check“. Sie fragt den Sicherheitschip, den Secure Element, nach einem kryptografischen Nachweis, dass er von Ledger stammt. Beim CryptoBilis-Gerät stammte er von Ledger. Der Check konnte also gar nicht anders, als grün zu melden.
Ledger schreibt das selbst. Auf der Seite mit Kauftipps, veröffentlicht am 6. März 2026 und aktualisiert am 18. September, steht: Der Genuine Check „cannot detect unauthorized physical modifications to the hardware“, ausdrücklich auch keine „spying implants“, solange der originale Secure Element intakt ist.
Ob Ledger das deutlich genug gesagt hat, ist inzwischen ein offener Streit. Mark Karpelès, früher Chef der Börse Mt. Gox, wirft Ledger vor, ein Support-Mitarbeiter habe im August das Gegenteil geschrieben. Ledger-Chef Pascal Gauthier wies das zurück. Am Prinzip ändert der Streit nichts. Der grüne Haken beantwortet die Frage „Ist der Chip echt?“. Ob jemand das Gerät geöffnet hat, beantwortet er nicht.
Was diese Frage beantwortet, ist der Weg, den das Gerät zu dir genommen hat.
Sicher macht das Gerät erst die Lieferkette
CryptoBilis ist ein Händler aus Malaysia, der auch in Indonesien und auf den Philippinen verkauft. Seine Gründer schrieben Mitte Oktober auf LinkedIn, sie hätten die Firma im März 2026 verkauft und seitdem keinen Zugriff mehr auf Bestellungen oder Systeme. Wo genau in der Kette die Geräte geöffnet wurden, ist laut Ledger-Chef Gauthier noch Gegenstand der Ermittlung.
Die Folgen reichen schon weiter als ein Händler. Ledger bat Händler in Indonesien, Singapur, Thailand, auf den Philippinen, in Vietnam, Malaysia und Hongkong, den Verkauf auszusetzen. Die Wallet-Hersteller OneKey und Trezor strichen CryptoBilis aus ihren Händlerlisten. Trezor sagt, es habe keine Hinweise auf manipulierte eigene Geräte.
Auch in Deutschland: Am 13. Oktober nahm MediaMarkt Saturn alle Ledger-Geräte aus dem Verkauf, im Laden und online. Ein Kunde hatte ein Implantat gemeldet. Laut Ledger ist in diesem Fall kein Geld verloren gegangen, und ob das Gerät mit CryptoBilis zusammenhängt, hat Ledger nicht gesagt. Karpelès meldete zudem eine manipulierte Ledger Flex, gekauft am Flughafen Singapur. Ledger hat auch diesen Fall nicht dem CryptoBilis-Fall zugeordnet.
Ledger sagt, alle bestätigten Verluste stammten von CryptoBilis-Geräten, und der eigene Direktverkauf sei nicht betroffen. Ein Hardware-Wallet ist nur so sicher wie die letzte Hand, die es vor dir hatte.
Der Schaden liegt bei den Käufern
Eine bestätigte Schadenssumme gibt es bisher nicht. Die Schätzungen von Blockchain-Ermittlern reichen von 86 Millionen Dollar (Specter, 9. Oktober) bis 102 Millionen Dollar (Bitquery). Ledger hat weder eine Summe noch eine Opferzahl bestätigt und schreibt, die kursierenden Zahlen stammten von Dritten.
Klar ist dagegen, wer den Schaden trägt. Ledger sieht seine Systeme nicht betroffen, CryptoBilis verkauft nicht mehr, und die Käufer haben die Coins nicht mehr. Bei einer Börse springt manchmal ein Versicherungsfonds ein. Bei der eigenen Wallet gibt es niemanden, der zahlt. Das ist dieselbe Lehre wie bei den großen Krypto-Hacks: Ausgeraubt! (2).
Wer seine Coins selbst verwahrt, trägt auch das Risiko der Händlerkette.
Was du mit deinem Gerät jetzt tun kannst
Die Regeln dazu stammen von Ledger selbst, aus den Mitteilungen vom 11. und 13. Oktober:
- Gekauft bei CryptoBilis, noch nicht eingerichtet: nicht einrichten, Ledger-Support kontaktieren.
- Gekauft bei CryptoBilis, schon eingerichtet: die Coins zügig auf ein neues Gerät mit neuer Seed umziehen. Auf einem CryptoBilis-Gerät keine Seed eingeben oder wiederherstellen.
- Geld verloren: Ledger-Support und Polizei, das Gerät vorher niemandem schicken und nicht öffnen.
- Neukauf: direkt bei Ledger oder bei einem Händler aus Ledgers Liste autorisierter Verkäufer. Ledger rät ausdrücklich von nicht autorisierten Verkäufern ab.
- Gerät aus anderer Quelle, und du bist unsicher: Ledger hat eine Anleitung veröffentlicht, wie man das Gehäuse öffnet und hineinschaut. Das Gerät kann dabei kaputtgehen, die Seed muss vorher gesichert sein.
- Immer: Die 24 Wörter gehören in keine Website, keine App und kein Formular. Ledger ruft nicht an und fragt nie nach der Seed.
Der letzte Punkt ist gerade jetzt wichtig. Die Sicherheitsfirma SlowMist warnte am 16. Oktober vor gefälschten „Firmware-Updates“, die den Fall ausnutzen und genau nach diesen Wörtern fragen.
Was noch offen ist
Wie viele Geräte betroffen sind, wo sie geöffnet wurden und ob die Fälle in Deutschland und Singapur dazugehören, hat Ledger nicht beantwortet. Ledger kündigt an, die Kontrollen für Händler und den Manipulationsschutz der Geräte zu überprüfen. Ob die nächste Gerätegeneration ein geöffnetes Gehäuse selbst erkennt, ist die Frage, an der sich das messen lässt.
FAQ
Hilft ein Firmware-Update oder ein Zurücksetzen? Nach Ledgers Beschreibung nicht: Das Implantat ist ein eigenes Bauteil neben dem Chip. Ein Update ändert die Software des Ledger, nicht das zusätzliche Bauteil.
Welche Geräte gelten als betroffen? Bestätigt sind bisher nur Geräte von CryptoBilis. Ledger riet am 9. Oktober Käufern der letzten 90 Tage, ihre Geräte nicht einzurichten. OneKey ersetzt Geräte, die zwischen dem 1. März und dem 13. Oktober 2026 bei CryptoBilis gekauft wurden.
Ist eine andere Marke sicherer? Ein Echtheitscheck, der nur den Chip prüft, sieht ein Bauteil daneben nicht, egal von welcher Marke. Gegen ein Implantat schützt vor allem ein Kaufweg, auf dem niemand Fremdes das Gerät öffnen konnte.
Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.
Study the Past — Improve your Future 🥋