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Brauchst du einen Privacy Coin, oder kann Bitcoin deine Zahlungen schon schützen?

Bitcoin kann schon verbergen, wer bezahlt wird und welche Münzen zusammengehören. Wie viel, kann es nicht. Zcash und Monero können es, und beide zahlen dafür an einer Stelle, die man vor dem Kauf kennen sollte.

Backtesting Arena·9. Oktober 2026·9 Min. Lesezeit·1 Aufrufe
Brauchst du einen Privacy Coin, oder kann Bitcoin deine Zahlungen schon schützen?

Privacy Coins hatten ihr Jahr. Glassnode bezifferte den Sektor Anfang September auf 33,6 Milliarden Dollar, zwölf Monate zuvor waren es 7,1 Milliarden. Zcash stellte 62 Prozent davon. Das Argument für sie passt in einen Satz: Bitcoin kann keine Privatsphäre, also braucht es dafür eine eigene Münze.

Das stimmt nur zum Teil, und welcher Teil stimmt, hängt davon ab, was du verbergen willst. Wer bezahlt wird und welche Münzen zusammengehören, kann Bitcoin heute schon verbergen. Wie viel bezahlt wird, kann es nicht. Das können auf einem laufenden Netz nur Zcash und Monero, und beide zahlen dafür an einer Stelle, die du vor dem Kauf kennen solltest.

Eine Zahlung verrät drei Dinge

Wer eine gewöhnliche Bitcoin-Zahlung auf der Blockchain nachliest, sieht drei Dinge: die Adresse, an die bezahlt wurde, die Münzen, die der Zahlende dafür zusammengelegt hat, und den Betrag.

Auf Bitcoin verbirgt jedes Werkzeug für Privatsphäre nur eines dieser drei Dinge. Deshalb ist „Bitcoin-Privatsphäre" kein einzelnes Projekt, sondern mehrere, und auf die Frage „Kann Bitcoin Privatsphäre?" gibt es keine einfache Antwort. Die brauchbare Frage lautet nicht, ob eine Blockchain privat ist, sondern welches der drei Dinge sie verbirgt.

Wer bezahlt wird, verbirgt Bitcoin schon

Silent Payments, beschrieben in BIP 352, geben dem Empfänger eine einzige, wiederverwendbare Adresse. Wer zahlt, erzeugt daraus für jede Zahlung ein neues Ziel auf der Blockchain, das sich weder mit der Adresse noch mit anderen Zahlungen verknüpfen lässt. Die Adresse selbst taucht nie auf der Blockchain auf. Das kostet keinen zusätzlichen Blockplatz und braucht keinen Kontakt zwischen den beiden Seiten.

Silent Payments gibt es nicht nur als Vorschlag, du kannst sie heute in Wallets nutzen. Die Übersicht auf silentpayments.xyz führte am 21. August 2026 Cake Wallet, Sparrow, BlindBit Desktop und Dana für Senden und Empfangen, dazu BitBox02, BlueWallet, Nunchuk und Wasabi nur fürs Senden. Die nötige Kryptografie steckt seit Version 0.8.0 vom 3. August in libsecp256k1, der Bibliothek, mit der viele Bitcoin-Programme ihre Signaturen rechnen.

Nur Bitcoin Core, die Standard-Software für Bitcoin-Knoten, kann Silent Payments noch nicht. Die Entwickler haben die Grundlage am 23. September 2026 übernommen, Senden und Empfangen sind aber noch nicht fertig, und keine veröffentlichte Version enthält bisher etwas davon. Neuer Code bringt auch neue Fehler mit: Im August schloss BitBox eine Lücke in seiner Firmware, über die ein manipulierter Rechner eine Silent Payment an eine falsche Adresse umleiten konnte.

Verbergen, wer bezahlt wird, kannst du auf Bitcoin heute schon, nur noch nicht mit Bitcoin Core.

Bleibt die zweite Spur: welche Münzen der Zahlende zusammenlegt.

Welche Münzen zusammengehören, verbirgt Bitcoin auch, zu einem rechtlichen Preis

Wer eine Blockchain auswertet, stützt sich auf eine Annahme: Alle Münzen, die in eine Transaktion hineingehen, gehören derselben Person.

PayJoin hebelt diese Annahme aus. Der Empfänger steuert selbst eine Münze zur Zahlung bei, sodass nicht mehr alle Münzen dem Zahlenden gehören. Das Verfahren aus BIP 78 gilt seit Mai 2026 offiziell als im Einsatz. Die neuere Fassung BIP 77, bei der nicht beide Seiten gleichzeitig online sein müssen, ist noch ein Entwurf. Jede PayJoin-Zahlung macht die Annahme etwas unzuverlässiger, auch für alle, die PayJoin nie nutzen.

CoinJoin geht noch einen Schritt weiter. Viele Teilnehmer legen ihre Münzen in einer gemeinsamen Transaktion zusammen, sodass niemand mehr sagen kann, wessen Münzen an wen gingen. Greg Maxwell beschrieb das Verfahren im August 2013, und es funktioniert bis heute. Geändert hat sich das Recht drumherum. Die Gründer von Samourai Wallet bekannten sich im Juli 2025 schuldig, ein Geldtransfergeschäft ohne Lizenz betrieben zu haben, und wurden zu fünf und vier Jahren Haft verurteilt. zkSNACKs stellte den Koordinator für Wasabi am 1. Juni 2024 ein und nannte regulatorische Unsicherheit als Grund. Seitdem betreiben andere Anbieter solche Koordinatoren. Börsen haben Guthaben mit CoinJoin-Vergangenheit eingefroren, Binance etwa im Dezember 2019 bei einem Nutzer, der Wasabi verwendet hatte.

Technisch funktioniert CoinJoin weiter. Wer es als Dienst anbietet, geht aber ein Rechtsrisiko ein.

Damit bleibt die dritte Spur, der Betrag. Hier liegt das eigentliche Argument für Privacy Coins.

Zcash verbirgt Beträge und zahlte dafür mit einem vier Jahre alten Fehler

Zcash hat transparente Adressen, die sich wie Bitcoin-Adressen verhalten, und abgeschirmte Pools, in denen Absender, Empfänger und Betrag verschlüsselt sind. Die Abschirmung ist freiwillig. In den 30 Tagen bis zum 8. Oktober 2026 hatten laut dem Indexer ZecBlock 54 Prozent der Transaktionen einen abgeschirmten Teil, vollständig abgeschirmt war rund ein Viertel. Am 9. Oktober lagen 4,95 Millionen ZEC in abgeschirmten Pools, 29 Prozent des Umlaufs. Der größere Teil der Münzen liegt also weiter offen.

Am 29. Mai 2026 fand Taylor Hornby im Auftrag von Shielded Labs im Orchard-Pool einen Fehler, mit dem sich Münzen aus dem Nichts erzeugen ließen. Er steckte seit dem Start des Pools im Mai 2022 im Code. Ob ihn jemand genutzt hat, lässt sich laut Shielded Labs allein mit Kryptografie nicht feststellen, denn der Pool verbirgt genau die Beträge, die man dafür prüfen müsste. ZEC fiel nach der Offenlegung laut CoinDesk binnen 24 Stunden um 38 Prozent. Am 28. Juli schloss das Upgrade Ironwood den Orchard-Pool für neue Einzahlungen.

Ein Pool, der Beträge verbirgt, verbirgt auch seine eigenen Fälschungen.

Das ist kein Grund, Zcash zu meiden. Es ist der Preis der Funktion, und er gehört in die Kaufentscheidung.

Monero verbirgt alles und zahlt mit dem Zugang

Monero verbirgt Absender, Empfänger und Betrag bei jeder Transaktion, eine transparente Variante gibt es nicht. Genau daran stoßen sich Börsen. Kraken strich XMR 2021 für Kunden in Großbritannien, Binance im Februar 2024, Kraken im Oktober 2024 im Europäischen Wirtschaftsraum. Seit Juni 2026 handelt Kraken für Kunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten weder XMR noch ZEC.

Die Privatsphäre, die sich nicht abschalten lässt, ist die, die Börsen abschalten.

Weniger Handelsplätze bedeuten weniger Käufer und Verkäufer und damit schlechtere Kurse, wenn du aussteigen willst.

Technisch versteckt Monero den Absender heute in einem Ring aus 16 möglichen Absendern je Eingang. Mit dem geplanten Upgrade FCMP++ soll sich laut getmonero.org jeder Absender unter allen bisherigen Zahlungen verstecken, rund 100 Millionen statt 16. Im Einsatz ist es noch nicht. Das Projekt schrieb am 10. Mai 2026, ein Termin für den Fork stehe nicht fest, und die aktuelle Version 0.18.5.1 vom Juli enthält es nicht. Seit Mai läuft es in einem Testnetz. Tauschseiten wie xgram.io beschreiben FCMP++ als seit Januar 2026 aktiv, das Monero-Projekt selbst sagt etwas anderes.

Der Einwand: „Bitcoin bekommt abgeschirmte Beträge doch bald"

Am 24. September veröffentlichten Clara Shikhelman, Mikhail Komarov und Aleksei Moskvin von [alloc] init „Shielded Bitcoin", einen Entwurf, mit dem sich Beträge auf Bitcoin ähnlich wie bei Zcash verschlüsseln ließen, ohne dass Bitcoin dafür seine Regeln ändern muss. Wenn das funktioniert, wozu dann ein Privacy Coin?

Weil das Papier nur die Hälfte des Systems beschreibt, und das sagt es selbst. Im Abstract steht: Ein- und Auszahlung, also die Wege, auf denen Werte in das abgeschirmte System hinein- und wieder herauskommen, liegen außerhalb seines Umfangs. Sie sollen in einem Folgepapier auf Basis von PIPEs v2 kommen. Für dieses Verfahren nannte Komarov im Februar selbst eine Datenmenge von 338 Terabyte.

Auch die veröffentlichte Hälfte hat Kosten. Komarov schrieb im Forum Delving Bitcoin, das Beweissystem brauche eine einmalige Einrichtung, bei der man den Beteiligten vertrauen muss, ein sogenanntes Trusted Setup, und die Sicherheit gelte nur, wenn mindestens ein Teilnehmer ehrlich war. Crypto Briefing hatte am Tag der Veröffentlichung das Gegenteil gemeldet. Im Interview mit crypto.news schätzte Komarov rund 700 virtuelle Bytes je Überweisung, etwa das Vierfache der Gebühr einer normalen Zahlung. Pierre-Luc Dallaire-Demers von Pauli Group nannte den Entwurf interessant, aber „not quantum resistant at all".

Shielded Bitcoin beschreibt, wie sich Münzen im abgeschirmten System bewegen. Wie sie hineinkommen, ist noch nicht geschrieben.

Welches Werkzeug zu welchem Bedarf

Du willst verbergenHeute verfügbarWas es kostet
wer bezahlt wirdSilent Payments (Cake, Sparrow, BlindBit, Dana)noch nicht in Bitcoin Core; junger Code
welche Münzen zusammengehörenPayJoin, CoinJoinCoinJoin: Rechtsrisiko für Koordinatoren, eingefrorene Einzahlungen möglich
den BetragZcash abgeschirmt, MoneroZcash: Fälschungsrisiko 2022–2026 nicht nachprüfbar; Monero: weniger Börsen
den Betrag, auf Bitcoinnichts, das läuftShielded Bitcoin: Ein- und Auszahlung unveröffentlicht

Die Tabelle ersetzt die Frage „Privacy Coin oder Bitcoin?" durch eine, die sich beantworten lässt. Wer Spenden empfangen will, ohne dass jede Zahlung an derselben Adresse hängt, braucht keinen Privacy Coin. Wer Beträge verbergen muss, kommt heute an Zcash oder Monero nicht vorbei und sollte deren Preis kennen.

Bei jeder neuen Meldung helfen drei Fragen. Ist es schon im Einsatz, läuft es erst im Testnetz, oder ist es nur ein Fachaufsatz? Wenn es im Einsatz ist, steckt es in Bitcoin Core oder nur in einzelnen Apps? Und was deckt der Aufsatz nach eigener Aussage nicht ab? Bei FCMP++ lautet die Antwort auf die erste Frage: Testnetz. Bei Shielded Bitcoin lautet die Antwort auf die dritte: Der Weg hinein und hinaus fehlt.

Die nächsten Messpunkte stehen fest: ob Monero einen Termin für FCMP++ setzt, ob Senden und Empfangen von Silent Payments in eine Version von Bitcoin Core kommen, und ob das Folgepapier Ein- und Auszahlung in einer Größe löst, die ein Knoten tragen kann.

FAQ

Ist CoinJoin zu nutzen verboten? Die Verurteilungen im Fall Samourai betrafen den Betrieb eines Dienstes ohne Lizenz als Geldtransfergeschäft, nicht die Nutzung einer Wallet. Die Rechtslage hängt vom Land ab. Unabhängig davon können Börsen Einzahlungen mit CoinJoin-Vergangenheit ablehnen.

Stimmen die 33,6 Milliarden noch? Die Zahl stammt von Glassnode, Stand Anfang September. Die Kategorie „Privacy Coins" bei CoinGecko zeigte am 25. September 37,9 Milliarden Dollar, ZEC darin rund 71 Prozent. Beide Reihen zählen unterschiedliche Coins und lassen sich nicht direkt vergleichen.

Warum steht Monero nicht einfach als sicherer da, wenn alles verborgen ist? Weil die Verbergung heute auf einem Ring von 16 möglichen Absendern beruht, einer Stichprobe aus der Historie. Möser und Kollegen zeigten 2018 für Moneros frühe Jahre mit kleineren Ringen, dass sich bei rund 62 Prozent der Eingänge mit mindestens einem Köder der echte Absender durch Ausschluss ermitteln ließ. Monero hat seitdem größere Ringe erzwungen und die Köderauswahl geändert. FCMP++ soll die Stichprobe durch die gesamte Historie ersetzen und ist noch nicht live.

Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.

Quellen: Glassnode via PANews (7. September 2026) · CoinGecko, Kategorie Privacy Coins (25. September 2026) · BIP 352, BIP 78, BIP 77 (github.com/bitcoin/bips) · silentpayments.xyz, Wallet-Übersicht (21. August 2026) · libsecp256k1, PR #1765 und Release 0.8.0 (3. August 2026) · Bitcoin Core, PR #35301, #35302, #32966 · BitBox, Firmware 9.26.5 (18. August 2026), via crypto.news · Greg Maxwell, „CoinJoin: Bitcoin privacy for the real world", bitcointalk (22. August 2013) · US-Justizministerium SDNY, Samourai Wallet (19. November 2025) · CoinDesk, Samourai-Schuldbekenntnis (30. Juli 2025) · zkSNACKs via NoBS Bitcoin (2. Mai 2024) · Cointelegraph, Binance und CoinJoin (Dezember 2019) · ZecBlock, Privacy- und Shielded-Pool-Statistik (9. Oktober 2026) · Shielded Labs, „The Orchard Counterfeiting Vulnerability" (4. Juni 2026) · CoinDesk, ZEC-Kurssturz (5. Juni 2026) · ZIP 258 und CoinDesk zu Ironwood (28. Juli 2026) · Kraken Support: Monero im EWR, Delistings VAE (1. Juni 2026) · Binance, Delisting XMR (6. Februar 2024) · Luke Parker, getmonero.org, FCMPs (27. April 2024) · getmonero.org, „Deprecating Monero's Custom Transaction Unlock Time" (10. Mai 2026), Release 0.18.5.1 (8. Juli 2026) · Shikhelman, Komarov, Moskvin, „Shielded Bitcoin: Private Transfers on the Bitcoin L1" (24. September 2026) · Komarov, Delving Bitcoin (24. September 2026) und „Bitcoin PIPEs v2" (12. Februar 2026) · Crypto Briefing (24. September 2026) · crypto.news, Interview Komarov (25. September 2026) · Pierre-Luc Dallaire-Demers auf X (24. September 2026), via Cointelegraph · Möser et al., „An Empirical Analysis of Traceability in the Monero Blockchain", PoPETs 2018

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