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Vor dem Herbst verkaufen? In Midterm-Jahren performt der Aktienmarkt schlechter als sonst — aber selten im Herbst.

In 18 Midterm-Jahren seit 1954 fiel der S&P im Schnitt 17,7 Prozent vom Hoch — aber nur in 5 davon lag ein 19-Prozent-Rückgang im zweiten Halbjahr. Was die Zahl wirklich misst, was Bitcoin davon abbekommt (über den S&P, nicht über die Zinsen) und warum Bitcoins eigene Midterm-Bären vom Halving kommen.

Backtesting Arena·17. September 2026·8 Min. Lesezeit·0 Aufrufe
Vor dem Herbst verkaufen? In Midterm-Jahren performt der Aktienmarkt schlechter als sonst — aber selten im Herbst.

Die Formel wird 2026 wieder herumgereicht: „In allen Midterm-Jahren gab es im zweiten Halbjahr eine Aktienmarkt-Korrektur, im Schnitt 19 Prozent." Wer das glaubt, sitzt im September mit dem Finger über dem Verkaufsknopf, für Aktien und für Bitcoin.

Die 19 Prozent gibt es. Sie messen nur etwas anderes als der Satz behauptet. Und was davon bei Bitcoin ankommt, läuft über einen anderen Kanal, als die meisten annehmen.

Was die Zahl misst: das ganze Jahr, nicht den Herbst

Gerechnet an den Tagesschlusskursen des S&P 500 für alle 18 Midterm-Jahre von 1954 bis 2022:

Kennzahl (n = 18 Midterm-Jahre)Wert
Größter Rückgang vom Hoch im Kalenderjahr, Schnitt−17,7 % (Median −17,9 %)
Jahre mit Rückgang ≥ 10 %12 von 18
Jahre mit Rückgang ≥ 19 %9 von 18
Tief im zweiten Halbjahr13 von 18
Größter Rückgang innerhalb des zweiten Halbjahrs, Schnitt−12,3 % (Median −10,0 %)
Zweites Halbjahr mit Rückgang ≥ 19 %5 von 18
Rendite zweites Halbjahr, Median+4,2 % (12 von 18 positiv)

Die 19 Prozent sind der durchschnittliche Schmerz über das ganze Kalenderjahr, gemessen vom höchsten zum tiefsten Schlusskurs. Ein Rückgang dieser Größe innerhalb des zweiten Halbjahrs kam in 5 von 18 Jahren vor: 1974, 1990, 1998, 2002, 2018. In den anderen 13 war das Tief entweder schon im Frühjahr durch, oder der Herbst blieb unter zehn Prozent. Der Median des zweiten Halbjahrs liegt bei plus vier.

Das Muster, das die Zahl wirklich trägt, ist ein anderes: Midterm-Jahre tun mehr weh als andere. In den 57 Nicht-Midterm-Jahren von 1951 bis 2025 lag der größte Jahresrückgang im Schnitt bei −12,5 Prozent, in den Midterm-Jahren bei −17,7. Die Jahresrendite: +11,2 Prozent gegen +3,7. Das Midterm-Jahr ist das schwächste im Vierjahreszyklus. Nur der Kalender, wann es weh tut, steht nicht fest.

Die vollständige Liste, damit niemand die fünf suchen muss:

JahrRückgang im JahrTief amRückgang im H2H2-Rendite
1954−4,4 %31. Aug−4,4 %+23,2 %
1958−4,4 %25. Feb−4,2 %+22,0 %
1962−26,9 %26. Jun−10,5 %+15,3 %
1966−22,2 %7. Okt−16,4 %−5,2 %
1970−25,9 %26. Mai−4,7 %+26,7 %
1974−37,6 %3. Okt−27,6 %−20,3 %
1978−13,6 %14. Nov−13,6 %+0,6 %
1982−16,6 %12. Aug−8,2 %+28,3 %
1986−9,4 %29. Sep−9,4 %−3,5 %
1990−19,9 %11. Okt−19,9 %−7,8 %
1994−8,9 %4. Apr−6,4 %+3,4 %
1998−19,3 %31. Aug−19,3 %+8,4 %
2002−33,8 %9. Okt−21,5 %−11,1 %
2006−7,7 %13. Jun−3,6 %+11,7 %
2010−16,0 %2. Jul−7,1 %+22,0 %
2014−7,4 %15. Okt−7,4 %+5,0 %
2018−19,8 %24. Dez−19,8 %−7,8 %
2022−25,4 %12. Okt−16,9 %+1,4 %

Fünf fette Zeilen in achtzehn. Das ist die Trefferquote der Formel, wenn man sie wörtlich nimmt.

Was 2026 daraus macht

Der S&P hat das erste Halbjahr 2026 mit +9,6 Prozent abgeschlossen und stand am 9. September bei +11,6 Prozent seit Jahresbeginn; der größte Rückgang im Jahr bis dahin war −9,1 Prozent, Tief am 30. März. Ein starkes erstes Halbjahr ist kein Schutz, aber ein anderes Sample: In den 25 Jahren seit 1951, in denen der S&P das erste Halbjahr mit mindestens +9 Prozent beendete, war das zweite Halbjahr 21-mal positiv, Median +9,6 Prozent; die eine große Ausnahme war 1987 mit −18,7 Prozent. Ein Jahr kann in beiden Listen stehen. Ein Verkaufsgrund ist keine von beiden.

Der handelbare Teil des Midterm-Musters liegt nicht im Herbst, sondern danach. Vom 30. September eines Midterm-Jahres bis zum 30. September des Folgejahres lag der S&P in 16 von 18 Fällen im Plus, Median +24,1 Prozent; die zwei Ausnahmen, 2010 und 2014, lagen bei −0,9 und −2,6 Prozent. Kein Rückblick auf ein Tief, das man erst hinterher kennt, sondern ein fester Kalendertag. Das Midterm-Muster ist kein Verkaufssignal für den Herbst, sondern eine Kaufstatistik für den Winter.

Was davon bei Bitcoin ankommt: der S&P, nicht die Zinsen

Die zweite Hälfte der Timeline-Formel lautet: Wenn Aktien korrigieren, fällt Bitcoin mit, und schuld sind die steigenden Renditen am langen Ende. Beides lässt sich messen, an den täglichen Bewegungen.

Korrelation der Tagesrenditen von Bitcoin mit …90 Tage1 Jahr5 Jahreseit 2015
S&P 5000,300,480,410,23
Veränderung der 10-Jahres-Rendite−0,12−0,05−0,020,00
Veränderung der 30-Jahres-Rendite−0,04−0,030,000,01

Bitcoin hängt am S&P, seit 2020 deutlich: 0,43 im Jahr 2020, 0,56 im Jahr 2022, 0,45 im laufenden Jahr. An den langen Zinsen hängt es nicht. Die 10-Jahres-Rendite ist 2026 von 4,16 auf 4,84 Prozent gestiegen, die 30-Jahres-Rendite steht bei 5,29; die Korrelation der Tagesbewegungen mit Bitcoin liegt in jedem Fenster bei null. Die Plattform misst dasselbe auf Wochenbasis: Realzins 10 Jahre gegen Bitcoin über fünf Jahre 0,15, S&P-Proxy über 90 Tage 0,34. Wer Bitcoin wegen der Zinsen verkauft, verkauft wegen einer Zahl, die Bitcoin nicht bewegt.

Was Bitcoin bewegt, ist der Aktienmarkt. Korrelation 0,48 über ein Jahr heißt: Der S&P erklärt rund ein Viertel der täglichen Bitcoin-Bewegung (r² 0,23), und weil Bitcoin 3,4-mal so stark schwankt, kam ein S&P-Tag von −1 Prozent im Schnitt als −1,65 Prozent bei Bitcoin an (Beta 1,65; 2026: 1,53). Eine 19-Prozent-Korrektur im S&P, die es in 5 von 18 Midterm-Herbsten gab, ist für Bitcoin kein eigenes Ereignis, sondern ein Hebel auf ein fremdes.

Bitcoins eigene Midterm-Bären kommen vom Halving

Und trotzdem waren Midterm-Jahre für Bitcoin die schlechtesten Jahre überhaupt:

JahrBitcoingrößter RückgangS&P
2018−73,6 %−81,5 %−6,2 %
2022−64,3 %−66,9 %−19,4 %
2026 (bis 10. Sep)−12,5 %−39,6 %+11,6 %

2018 fiel Bitcoin um drei Viertel, während der S&P sechs Prozent verlor und die Korrelation der Tagesrenditen bei 0,07 lag, im zweiten Halbjahr bei 0,00. Bitcoin fiel allein. Der Grund steht in der Halving-Tabelle der Plattform: Zyklushochs am 4. Dezember 2013 und 16. Dezember 2017 (371 und 525 Tage nach dem Halving), das Bull-Hoch im November 2021 und das Hoch vom 6. Oktober 2025 (535 Tage). Auf jedes folgte das Bärenjahr, und das war jedes Mal ein Midterm-Jahr: 2014, 2018, 2022 und jetzt 2026, 39 Prozent unter dem Hoch vom Oktober.

Das ist kein Wahlzyklus. Das ist der Halving-Kalender, der seit 2012 im Vierjahrestakt auf den Wahlkalender fällt. Bitcoin fällt im Midterm-Jahr, weil das Halving zwei Jahre davor lag, nicht weil im November gewählt wird. Drei Fälle mit Zahl, einzeln gelistet, und der vierte läuft. Für eine Regel ist das zu wenig; für die Frage, warum die Timeline-Formel bei Bitcoin so gut auszusehen scheint, reicht es.

Der Einwand: Dann stimmt die Formel doch, nur mit anderer Begründung?

„Ob Halving oder Wahl: Bitcoin war in jedem Midterm-Jahr tief im Minus. Dann ist Verkaufen im Midterm-Herbst trotzdem richtig."

Im Herbst ist es zu spät. Bitcoin hatte 2018 bis Ende Juni schon 55 Prozent verloren, 2022 schon 57, 2026 33; wer im September verkaufte, verkaufte nach dem größeren Teil des Weges (Tiefs: 15. Dezember 2018, 21. November 2022, bisher 30. Juni 2026). Und für den S&P sagt der 30.-September-Kalender das Gegenteil eines Verkaufs. Die Formel nimmt die richtige Zahl, hängt sie an das falsche Halbjahr und begründet sie mit dem falschen Markt.

Was du damit machst

  1. Frag nach dem Fenster. „19 Prozent" ist ein Jahres-Maximum. Wenn jemand daraus einen Herbst macht, will er Aufmerksamkeit, keine Genauigkeit.
  2. Miss den Kanal. Bitcoin bekommt Aktienkorrekturen mit Hebel ab (Beta 1,5 bis 1,65), Zinsbewegungen gar nicht. Wer hedgen will, hedgt gegen den S&P, nicht gegen die Rendite.
  3. Nimm den Kalender, der hält. 30. September Midterm-Jahr bis 30. September Folgejahr: 16 von 18 positiv. Das ist der Teil des Musters, den man ohne Rückblick handeln könnte, und auch der ist kein Versprechen.

Nicht behauptet wird, dass 2026 kein Herbst-Rückgang kommt; 5 von 18 ist keine Null. Und offen bleibt die Messung, ob Bitcoins Korrelation mit dem S&P im Midterm-Herbst höher ist als im Rest des Jahres, oder ob 2022 mit 0,55 der Ausreißer war und 2018 mit 0,00 die Regel.

Methode

S&P 500 als Preisindex, Tagesschlusskurse 1950 bis 9. September 2026 (Yahoo Finance, ^GSPC). Rückgang = tiefster Schlusskurs relativ zum höchsten vorherigen Schlusskurs, Vorjahresschluss als Startpunkt. Zweites Halbjahr ab 1. Juli. Korrelationen: Pearson der Tagesrenditen an S&P-Handelstagen; Bitcoin-Rendite über dieselbe Kalenderlücke; Renditeänderungen als Differenz in Prozentpunkten. Bitcoin-USD ab 17. September 2014 (Yahoo), deshalb 2014 ohne Zahl. Plattformwerte aus dem Connector am 16. September 2026: Makro-Korrelationen (Wochenbasis, FRED), Halving-Tabelle (Zyklushochs auf Tagesschlussbasis), Zyklus-Snapshot (Abstand zum Hoch).

FAQ

Warum der Preisindex und nicht SPY mit Dividenden? Weil die Formel „19 % SPY" vom Rückgang spricht, und Rückgänge misst man am Kurs. Mit Dividenden wäre das erste Halbjahr 2026 etwas höher als +9,6 Prozent, an den Drawdown-Zahlen ändert das nichts Wesentliches.

Ist eine Korrelation von 0,45 viel? Für Bitcoin ja: 2015 bis 2019 lag sie jedes Jahr unter 0,1. Für eine Aktie gegen den eigenen Index wäre sie niedrig. Die Zahl heißt: Rund ein Viertel der täglichen Bitcoin-Bewegung lässt sich aus dem S&P erklären, drei Viertel kommen von woanders.

Warum die 30-Jahres-Rendite, nicht die Fed? Weil die Timeline-Formel das lange Ende nennt. Die Plattform misst auch den Leitzins: Korrelation über fünf Jahre −0,06. Auch dort nichts.

Keine Anlageberatung, keine Empfehlung, keine Prognose — historische Muster sind keine Zusage.

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