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Der Zins für 14 afrikanische Länder wird in Frankfurt gesetzt — haften will die EZB dafür nicht.

Das Ende des CFA-Franc wurde 2019 verkündet. Der Kurs steht seither unverändert — und das Bindende war nie das, was verkündet wurde. Was ein Währungspeg kostet, wer den Preis des Geldes für vierzehn Länder festlegt, und was er Senegal und Zentralafrika gerade kostet.

Backtesting Arena·7. September 2026·18 Min. Lesezeit·1 Aufrufe
Der Zins für 14 afrikanische Länder wird in Frankfurt gesetzt — haften will die EZB dafür nicht.

Am 21. Dezember 2019 standen Emmanuel Macron und Alassane Ouattara in Abidjan vor der Presse und verkündeten das Ende des CFA-Franc. Im Juni 2020 sollte eine neue Währung ihn ersetzen, der Eco.

Sechs Jahre später handelt der westafrikanische CFA-Franc zu 655,957 je Euro — derselbe Kurs wie 1999, als der Euro eingeführt wurde, und derselbe wie nach der Abwertung von 1994, nur in Euro statt in Franc ausgedrückt. Am 19. Juli 2026 hat die ECOWAS auf ihrem 69. Gipfel in Lungi das Eco-Ziel für 2027 bestätigt und dabei die Bedingung fallen lassen, dass alle fünfzehn Mitglieder die Konvergenzkriterien gleichzeitig erfüllen müssen. Starten sollen die, die es können.

Die Reform von 2019 war real. Sie hat nur das entfernt, was man sehen konnte: ein Depot in Paris, französische Sitze in der westafrikanischen Zentralbank, einen Namen. Was bindet, ist geblieben — und das Bindende stand in keiner Pressekonferenz. Es steht in einem Beschluss des Rates der Europäischen Union und in der Zinstabelle einer Zentralbank in Yaoundé.

Vierzehn Länder haben ihren Wechselkurs an den Euro genagelt. Damit muss ihr Zins der EZB folgen, und die Verzinsung eines Teils ihrer Reserven ist direkt an einen EZB-Satz gekoppelt. In dem Gremium, das diesen Satz festlegt, sitzt keines der vierzehn Länder. Und die EZB hat schriftlich festhalten lassen, dass sie für die Konvertibilität dieser Währung nicht einsteht.

Was das im Alltag kostet, lässt sich 2026 an zwei Ländern ablesen: in Senegal als Umschuldung, in Zentralafrika als Abwertungsdebatte. Der CFA-Franc ist der am längsten laufende Feldversuch zu der Frage, was ein fester Wechselkurs kostet und was er kauft; im Dezember 2025 ist er 80 Jahre alt geworden. Es ist dieselbe Mechanik, die hinter jeder Peg-, Stablecoin- und Hartwährungs-Debatte steht, nur hier mit acht Jahrzehnten Daten und zwei laufenden Belastungsproben.

Der Boden: was 2019 wegfiel und was blieb

WeggefallenGeblieben
Pflicht der BCEAO, 50 % der Devisenreserven beim französischen Schatzamt zu hinterlegenFester Kurs 655,957 je Euro
Französische Vertreter in den Leitungsgremien der BCEAOFranzösische Garantie unbegrenzter Konvertibilität
Der Name — für Westafrika geplantDer Name — in der Praxis

Der Zuschnitt der Reform ist enger, als die Berichterstattung nahelegt. Sie betraf ausschließlich die westafrikanische Zone. In der zentralafrikanischen Zone besteht das Operationskonto beim französischen Schatzamt weiter, samt Hinterlegungspflicht. Bei der Zentralbank der Komoren stellen die französische Regierung und die Banque de France nach wie vor einen Teil der acht Vorstandsmitglieder, und der stellvertretende Direktor — zuständig für Geldpolitik — ist ein Beamter der Banque de France.

Die Banknoten werden weiterhin in Chamalières gedruckt, im Werk der Banque de France, wie seit 1945. Dieses Detail wird oft als Beweis für Fremdbestimmung zitiert, und es taugt schlecht dafür: Die BCEAO und die BEAC erteilen die Druckaufträge selbst und entscheiden über Auflage und Gestaltung; die Banque de France ist der Auftragnehmer. Es ist ein Symbol, kein Hebel. Genau deshalb steht es hier — die Diskussion über den CFA-Franc dreht sich gewohnheitsmäßig um die Symbole und nur selten um die Hebel.

Das Muster ist präzise: Entfernt wurde, was sichtbar ist. Geblieben ist, was tatsächlich bindet.

Wohin die Reserven gingen

Frankreich hat geliefert. Rund 5 Milliarden Euro wurden nach der Einigung an die BCEAO überwiesen, das Operationskonto für Westafrika wurde geschlossen, und die BCEAO darf ihre Reserven seither anlegen, wo sie will.

Sie legt sie weiterhin in Europa an.

Von den Reserven der BCEAO — in der Größenordnung von rund 67 Milliarden US-Dollar — liegen je nach Anlageklasse 86 bis 92 Prozent bei europäischen Verwahrern. Der Grund ist kein Zwang, sondern eine Hausregel: Das Anlagerahmenwerk der BCEAO verlangt Gegenparteien mit Investment-Grade-Rating, und das schneidet den Kreis auf hochbewertete europäische Institute zu.

Das ist der Punkt, an dem die verbreitete Erzählung an ihre Grenze kommt. Wer glaubte, das Pariser Konto sei die Bindung gewesen, muss erklären, warum sich an der Geografie der Reserven nach seiner Schließung fast nichts geändert hat. Die Bindung war nie in erster Linie das Konto. Sie ist der Kurs — und alles, was aus ihm folgt.

In Zentralafrika lässt sich das direkt nachmessen, weil das Konto dort noch existiert. Ende Dezember 2025 lag der Saldo des BEAC-Operationskontos bei 3.669 Milliarden FCFA, nach 4.877 Milliarden ein Jahr zuvor. Die Hinterlegungspflicht beträgt 50 Prozent der Auslandsaktiva. Tatsächlich hinterlegt waren im Jahresverlauf 59,8 bis 73,2 Prozent. Die BEAC legt in Paris also mehr an, als sie muss.

Wer den Zins setzt

Das Geld auf diesem Konto liegt nicht zinslos, und der Satz ist der eigentlich interessante Teil.

Die Verzinsung des Operationskontos ist an den Spitzenrefinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank gekoppelt, mit einem Boden von 0,75 Prozent, solange der EZB-Satz darunter liegt, und mindestens einem Prozent, sobald er darüber liegt. Solange die EZB bei null stand, war der Boden der Satz — daher die Zahl 0,75, die in fast jedem Text über den CFA-Franc steht. Sie beschreibt eine Epoche, die vorbei ist.

Was seither passierte, steht in den Büchern der BEAC:

JahrØ-Verzinsung OperationskontoZinsertrag
2023196,7 Mrd. FCFA (+358 % ggü. 2022)
20244,38 % (Q1 4,75 % → Q4 3,71 %)180,8 Mrd. FCFA
20252,40 – 3,19 % (Quartalsmittel)110,6 Mrd. FCFA (−42 %)

Der Ertrag hat sich binnen zwei Jahren vervielfacht und dann fast halbiert. In beide Richtungen hat keine Regierung der Zone etwas entschieden, keine Zentralbank der Zone etwas beschlossen und kein Wähler der Zone etwas gewählt. Entschieden wurde es in Frankfurt, von einem Rat, in dem keines der vierzehn Länder sitzt.

Dasselbe gilt für die Geldpolitik selbst. Ein fester Kurs zum Euro heißt, dass die Zinsen der Zone denen des Ankers folgen müssen — sonst wandert Kapital, und die Garantie wird beansprucht. Als die EZB ab 2022 straffte, straffte die BCEAO mit; als sie lockerte, senkte die BCEAO am 4. März 2026 ihren Leitsatz von 3,25 auf 3,00 Prozent und ließ ihn am 10. Juni unverändert. Das kann passen. Es muss nicht. Der westafrikanische Konjunkturzyklus wird nicht von Frankfurt aus getaktet.

Und wofür die EZB haftet: für nichts

Hier liegt die Asymmetrie, die den Streit trägt.

Am 1. Dezember 2020 gab der EZB-Rat auf Ersuchen des Rates der Europäischen Union die Stellungnahme CON/2020/31 zu Wechselkursfragen des CFA-Franc und des Komoren-Franc ab. Der Ratsbeschluss (EU) 2021/357 vom 25. Januar 2021 setzte das Ergebnis um. Der Befund, seit 1998 unverändert und seither mehrfach bestätigt:

Die Garantie der Konvertibilität beruht auf einer Haushaltszusage des französischen Schatzamts, nicht auf einer Zusage der Banque de France. Und die Abkommen begründen keinerlei Verpflichtung der EZB und der nationalen Zentralbanken, die Konvertibilität des CFA-Franc oder des Komoren-Franc zu stützen. Ihre Durchführung ist Sache der Unterzeichner.

Wer die Konstruktion in einem Satz will: Der Anker haftet nicht, der Garant macht keine Geldpolitik, und die Nutzer haben in keinem der beiden Gremien eine Stimme.

Man kann das ruhig für vernünftig halten — eine Zentralbank soll nicht für Dritte einstehen, deren Haushalte sie nicht kontrolliert. Aber die Konsequenz gehört mit auf die Seite: Der Peg importiert eine Geldpolitik, deren Urheber ausdrücklich erklärt hat, für ihre Folgen in der Zone nicht einzustehen. Wenn es klemmt, klemmt es beim französischen Haushalt und bei den vierzehn Ländern — nicht in Frankfurt.

Warum der feste Kurs die eigentliche Frage ist

Wer nicht abwerten kann, kann drei Dinge nicht.

Er kann einen Außenschock nicht über den Wechselkurs abfedern — fällt der Kakaopreis, fällt das Einkommen, und der Kurs bleibt, wo er ist. Er kann seine Exporte nicht verbilligen. Und er kann Staatsschulden nicht durch Inflation entwerten.

Das Letzte ist der Punkt, an dem das Thema aufhört, afrikanische Regionalpolitik zu sein. Die etablierte Art, aus einer Schuldenquote herauszukommen, ist nicht Wachstum, sondern nominales Wachstum über dem Zins — und der Inflationsanteil daran erledigt die Arbeit. Genau dieser Weg ist im Franc-Zonen-System versperrt.

Ob das Fessel oder Schutz ist, hängt davon ab, wem man die Geldpolitik zutraut. Und genau darüber wird seit 1980 gestritten, als der kamerunische Ökonom Joseph Tchundjang Pouemi das Argument erstmals ausformulierte.

2026 muss man darüber nicht mehr theoretisch streiten. Es gibt zwei laufende Fälle.

Fall eins, Senegal: was passiert, wenn man nicht entwerten kann

Als die Regierung von Bassirou Diomaye Faye im April 2024 die Bücher öffnete, fand sie Verbindlichkeiten, die ihre Vorgängerin weder dem Parlament noch dem IWF gemeldet hatte — verdeckte Kredite in Höhe von 25,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der IWF beziffert den nicht offengelegten Betrag auf über 11 Milliarden US-Dollar.

Die Bilanz danach: Die Schulden des Zentralstaats lagen Ende 2024 bei 23,67 Billionen FCFA, rund 42,1 Milliarden Dollar — 119 Prozent der Wirtschaftsleistung. Rechnet man Staatsbetriebe und Zahlungsrückstände hinzu, sind es 131 bis 132 Prozent.

Am 1. September 2026 einigten sich Senegal und der IWF auf Fachebene über ein Programm: 2,2 Milliarden US-Dollar über 36 Monate, Laufzeit 2026 bis 2029, mit Umschuldung. Die Zustimmung des Exekutivdirektoriums steht noch aus; Senegal muss zuvor Finanzierungszusagen seiner Partner beibringen.

Und jetzt der Satz, um den es hier geht: Die in CFA-Franc begebenen Schulden bleiben außerhalb der Umschuldung. Das ist knapp ein Drittel der offiziellen Schulden. Getragen wird der Schnitt von den Auslandsgläubigern — etwa die Hälfte der Außenschuld liegt bei multilateralen Institutionen und Staaten, die andere Hälfte bei kommerziellen Gläubigern, darunter über 7 Milliarden Dollar in internationalen Anleihen.

Das ist das exakte Gegenteil des Normalfalls. Ein Land mit eigener Notenpresse entwertet seine Heimwährungsschuld und bedient die Fremdwährungsschuld — oder versucht es. Ein Land im Peg kann seine Heimwährungsschuld nicht entwerten, weil sie faktisch Fremdwährungsschuld ist. Also wird sie geschützt und der Rest verhandelt.

Was der Peg hier liefert, ist real: Die CFA-Schuld gilt als sicher, das hält die Zinsen niedrig und den Regionalmarkt offen. Was er kostet, ist ebenso real: Bei 119 Prozent Schuldenquote gibt es keinen stillen Ausweg. Es gibt Austerität, Umschuldung oder beides. Der Peg hat nicht die Schulden gemacht — die hat eine Regierung gemacht, die sie verschwiegen hat. Der Peg bestimmt, wie man wieder herauskommt.

Fall zwei, Zentralafrika: die Abwertungsfrage ist zurück

In der CEMAC sieht es anders aus, und schlechter.

Die Devisenreserven der BEAC fielen 2025 um 12,5 Prozent. Die Importdeckung liegt bei etwa 4,1 bis 4,5 Monaten — unterhalb der fünf Monate, die der IWF als komfortabel ansieht, und die BEAC selbst erwartet für 2026 rund 4,52 Monate. Ende Juni 2026 standen die Reserven der Zone bei 7.248 Milliarden FCFA, etwa 12,62 Milliarden Dollar.

Am 7. Mai 2026 veröffentlichte David Cowan, Chefökonom für Afrika bei Citigroup, eine Notiz, in der er eine Abwertung des zentralafrikanischen CFA-Franc als Kern der aktuellen CEMAC-Frage bezeichnete: Sie würde die Wettbewerbsfähigkeit stützen, die Reserven-Erosion stoppen und den Schuldendruck lösen. Die BEAC widersprach umgehend. Gouverneur Yvon Sana Bangui hatte schon im April erklärt, der CFA-Franc sei nicht bedroht und die Abwertungsgerüchte seien vollständig unbegründet.

Im Hintergrund läuft ein Streit um Geld, das gar nicht in der Zone liegt. Die BEAC verlangt von Öl-, Gas- und Bergbaukonzernen, die Rückstellungen für die spätere Renaturierung ihrer Förderstätten — die sogenannten RES-Fonds, geschätzt rund 6 Billionen FCFA, etwa 5 bis 10 Milliarden Dollar — bei der Zentralbank zu halten statt bei ausländischen Banken. Die Größenordnung entspricht ungefähr den gesamten Devisenreserven der Zone. Parallel steigt die Repatriierungsquote für Exporterlöse aus dem Rohstoffsektor von derzeit 35 Prozent auf 50 Prozent zum 1. Januar 2027 und auf 70 Prozent zum 1. Januar 2028. Amerikanische Abgeordnete haben versucht, IWF-Mittel für CEMAC-Staaten daran zu knüpfen.

Für die Prüfung von Ankündigungen ist das der lehrreichste Teil des Falls: 1994 wurde die Abwertung bis kurz vor dem Vollzug dementiert. Ein Dementi ist kein Datenpunkt. Die Reserven sind einer.

Zwei Zonen, ein Kurs, gegenläufige Lagen — Westafrika mit soliden Zahlen, Zentralafrika unter Reservendruck. Auch das gehört zur Bilanz eines gemeinsamen Ankers: Er ist für beide derselbe, ob er zu beiden passt oder nicht.

Der Auslöser für den Sahel war ein Ereignis, kein Ressentiment

Am 9. Januar 2022 beschloss ein Sondergipfel der ECOWAS in Accra gemeinsam mit der UEMOA Sanktionen gegen Mali, nachdem die Militärregierung den vereinbarten Wahltermin verschoben hatte. Die Land- und Luftgrenzen der Mitglieder zu Mali wurden geschlossen, nicht-essenzielle Finanztransaktionen ausgesetzt und malische Staatsguthaben in den Zentral- und Geschäftsbanken der Region eingefroren — darunter bei der BCEAO.

Damit war praktisch demonstriert, was vorher theoretisch war: Das regionale Bankensystem lässt sich aus der Ferne abschalten. Ab diesem Datum war der Austritt aus der Währungszone für die Sahel-Regierungen keine ideologische Frage mehr, sondern eine der Handlungsfähigkeit.

Seither ist der Austritt erklärte Politik der Allianz der Sahelstaaten. Mali, Burkina Faso und Niger haben Militärabkommen gekündigt, französische Truppen ausgewiesen und im Januar 2025 die ECOWAS verlassen. Am 28. März 2025 führten sie eine konföderale Einfuhrabgabe von 0,5 Prozent auf Waren von außerhalb der Union ein. Am 23. Dezember 2025 aktivierten sie in Bamako die Konföderale Investitions- und Entwicklungsbank BCID-AES mit einem Kapital von 500 Milliarden FCFA, rund 820 bis 900 Millionen Dollar.

Eine eigene Währung ist angekündigt. Ein Institut dafür existiert nicht, ein Termin ist nicht gesetzt, und selbst der Name ist strittig: In den Dokumenten stand „Sahel", in der Berichterstattung kursiert „Sira", und die verbreiteten Behauptungen, eine goldgedeckte digitale Währung sei bereits eingeführt, stammen aus Quellen, die einer Prüfung nicht standhalten — ein Faktencheck weist sie als falsch aus.

Und was sie bremst

Sie benutzen weiterhin den CFA-Franc.

Nicht aus Versehen. Die drei Staaten hatten zwei Bindungen und haben eine davon gekappt: Sie sind aus der ECOWAS ausgetreten und in der UEMOA geblieben — mit ihrer gemeinsamen Währung, ihrer Zentralbank, ihrem Bankenaufseher, ihrem regionalen Finanzmarkt und ihrer Börse. Welche der beiden Bindungen die härtere war, haben sie damit selbst beantwortet.

Die Handelsstruktur erklärt, warum. Burkina Faso und Mali gehören zu den wenigen Ländern der Union, bei denen die Einfuhren aus der Union mehr als ein Fünftel aller Importe ausmachen; bei Mali entfielen 48 Prozent des Gesamthandels auf den afrikanischen Kontinent. Grenzschließungen und neue Zollkontrollen treffen dabei zuerst Vieh, Getreide und Re-Export — die Warengruppen, von denen im Sahel Existenzen abhängen.

Dazu die Größenordnung: Zusammen kommen die drei auf eine Wirtschaftsleistung von knapp 70 Milliarden Dollar bei über 75 Millionen Einwohnern und auf rund sieben bis acht Prozent des ECOWAS-BIP, je nach Quelle und Stichjahr. Eine Währung ist eine Institution, und Institutionen brauchen Zeit, Kapazität und Vertrauen. Der Austritt aus einem Peg ist der leichte Teil; das Schwere kommt danach.

Drei Prüfungen der Gegenposition

Die Verteidigung des CFA-Franc lautet: Er liefert, was er verspricht. Niedrige Inflation, verlässliche Konvertibilität, ein stabiler Rahmen. Das ist keine Ausrede, das ist eine überprüfbare Behauptung — und sie hält weiter, als es dem Kritiker lieb sein kann.

Erstens, die Langfristevidenz stützt sie. Über lange Zeiträume liegt die Inflation in der Franc-Zone weit unter der des übrigen subsaharischen Afrika. Für das Jahrzehnt 2013–2022 werden für die fünfzehn Länder der Zone 1,9 Prozent jährlicher Preisanstieg ausgewiesen, für den Rest des subsaharischen Afrika 15,1 Prozent; für 2014–2023 lauten die Werte 2,2 Prozent für die CFA-Zone gegenüber 17,2 Prozent.

Zwei Einschränkungen gehören unmittelbar dazu. Die Dekadenzahlen stammen vom CERMF, einem Forschungszentrum, das den frankophonen Ländern erklärtermaßen wohlgesonnen ist — keine neutrale Instanz. Und die Vergleichsgruppe „Rest des subsaharischen Afrika" enthält Kriegs- und Hyperinflationsökonomien; ein Teil des Abstands misst deren Lage, nicht den Peg.

Die Richtung ist dennoch nicht strittig. Die Franc-Zonen-Literatur des IWF und eine Untersuchung der BIZ zu Wechselkursregimen kommen für den Zeitraum 1960 bis 2004 zum selben Ergebnis: Die Zugehörigkeit zur Zone war beim Begrenzen der Inflation von Vorteil. Der Mechanismus ist unspektakulär — bei festem Kurs und ohne Devisenbeschränkungen entlädt sich Überschussnachfrage überwiegend in der Außenbilanz statt in den Preisen.

Zweitens, das aktuelle Bild stützt sie ebenfalls. In der UEMOA lag die Inflation 2025 im Mittel bei 0,0 Prozent und im Juni 2026 bei 0,8 Prozent. Ghana meldete für August 2026 5,0 Prozent, den zweiten Anstieg in Folge nach 4,6 Prozent im Juli.

Das ehemalige Gegenbeispiel trägt nicht mehr. Niger, CFA-Mitglied, hatte 2024 tatsächlich eine hohe Inflation — die Folge der Grenzschließung und der Sanktionen nach dem Putsch. Nach deren Ende kippte es ins Gegenteil: −4,7 Prozent im Jahr 2025, −10,2 Prozent im Januar 2026 und −9,8 Prozent im März 2026. Der Verbraucherpreisindex fiel von 108,8 auf 98,1 Punkte, getragen von Nahrungsmitteln (−18,7 %), darunter Getreide (−30,7 %) und Pflanzenöle (−24,1 %).

Wer daraus einen Erfolg des Pegs macht, hat zu früh aufgehört zu lesen. Zweistellige Deflation ist kein Preisstabilitätsergebnis, sondern eine Normalisierung nach einer Blockade — und wenn sie sich verfestigt, ist sie das teuerste Preisumfeld, das ein Schuldner haben kann: Die Schuld bleibt nominal, das Einkommen fällt. Gegen Deflation helfen genau die Instrumente, die ein Peg-Land abgegeben hat. Für 2026 erwartet die BCEAO im Unionsschnitt 2,2 Prozent.

Drittens, die Wachstumsfrage ist offen. Die UEMOA wuchs 2025 um 6,7 Prozent nach 6,2 Prozent im Vorjahr; für 2026 werden 6,1 Prozent erwartet. Das sind keine Stagnationszahlen. Gleichzeitig zog Ghana vor seiner Inflationskrise deutlich mehr Direktinvestitionen an als irgendein Land der Zone, und die CEMAC steht mit fallenden Reserven im selben Währungsraum. Ob Stabilität hier Wachstum ermöglicht oder Stagnation kaschiert, ist mit den vorliegenden Daten nicht entschieden — und wer behauptet, es sei entschieden, hat sich eine Seite ausgesucht.

Das stärkste Gegenargument

Zwei Einwände liegen nahe, und beide verdienen eine Antwort.

Erstens: Ihr stellt es so dar, als habe Frankreich die Kontrolle behalten. Tatsächlich hängt die Fortsetzung der Reformen nach französischer Darstellung allein an der Souveränität der nutzenden Staaten — und Ouattara, der die Reform mitverkündet hat, ist ein ausdrücklicher Befürworter der Währung. Beides stimmt und gehört dazu. Niemand ist in der Zone, weil er getäuscht wurde. Die Regierungen, die die Macht zum Austritt hätten, profitieren mehrheitlich vom bestehenden System — Konvertibilität ohne Wechselkursrisiko ist für Eliten mit Auslandsvermögen ein handfester Vorteil. Das ist die weniger schmeichelhafte Erklärung als die vom Fremdzwang — und wahrscheinlich die zutreffendere. Dass die Frage trotzdem lebt, zeigt der ivorische Oppositionelle Tidjane Thiam, der 2025 formulierte, eine Nation ohne Kontrolle über ihre Währung sei nicht wirklich souverän — und Senegal unter Faye, das den Abstand zum bestehenden System offen zum Thema gemacht hat.

Zweitens: Wenn der Peg so schädlich wäre, wäre er längst weg. Das setzt voraus, dass Währungsregime nach Nutzen für die Bevölkerung ausgewählt werden. Sie werden nach Nutzen für die Entscheider ausgewählt. Der Sahel zeigt beides gleichzeitig: Regierungen, die den Austritt zur Politik gemacht haben, und ein Handelsnetz, das den Austritt teuer macht. Dass sie geblieben sind, beweist nichts über die Güte des Systems — nur etwas über seine Wechselkosten.

Was der Leser damit anfangen kann

Der CFA-Franc ist der am längsten laufende Feldversuch zur Frage, was ein Währungspeg kostet und was er kauft. Vierzehn Länder, zwei Zonen, seit 1945.

Die Bilanz ist keine Schlagzeile:

  • Er liefert importierte Preisstabilität — 1,9 Prozent Jahresinflation im Jahrzehnt gegen 15,1 Prozent im übrigen subsaharischen Afrika, 0,0 Prozent in der UEMOA 2025 gegen 5,0 Prozent in Ghana im August 2026 — und eine Konvertibilität, die Senegals CFA-Schuld selbst bei 119 Prozent Schuldenquote aus der Umschuldung heraushält.
  • Er nimmt dafür drei Instrumente: Schockabfederung, Exportverbilligung und die Entwertung von Schulden durch Inflation. Wer zu viele Schulden hat, verhandelt statt zu drucken.
  • Er verlagert die Zinsentscheidung dorthin, wo die Betroffenen keine Stimme haben — und der Anker hat schriftlich festgehalten, dass er für die Folgen nicht einsteht.

Wer den dritten Verzicht für einen Verlust hält, sollte bedenken, dass er in Ländern mit eigener Notenpresse regelmäßig genutzt wird. Wer ihn für einen Gewinn hält, sollte Senegals Kalender ansehen.

Für die Prüfung von Ankündigungen taugt der Fall besonders gut, weil es hier eine Zahl gibt, die nicht interpretiert werden muss. Der Kurs steht bei 655,957. Er stand 2019 dort, als das Ende verkündet wurde. Er steht heute dort, nachdem drei Regierungen Truppen ausgewiesen, Verträge gekündigt und ein Bündnis verlassen haben. Das ist die brauchbare Gewohnheit: Bei jeder Währungs-Ankündigung zuerst fragen, welche Zahl sich bewegen müsste, wenn sie stimmt — und dann nachsehen, ob sie sich bewegt hat.

Die offene Frage ist die, die Pouemi 1980 gestellt hat und die seither niemand beantwortet hat: Wie sähe eine Währungsinstitution aus, die von afrikanischen Zentralbanken geführt, auf afrikanische Entwicklungsbedingungen kalibriert und gegenüber afrikanischen Bevölkerungen rechenschaftspflichtig wäre? Der Eco war die Antwort bisher nicht. Ob er es ab 2027 wird, entscheidet sich an Konvergenzkriterien, nicht an Reden.

FAQ

Wurde der CFA-Franc nun abgeschafft oder nicht? Nicht. Angekündigt wurde 2019 die Ersetzung durch den Eco ab Juni 2020. In Westafrika läuft der CFA-Franc weiter, in Zentralafrika ohnehin. Die ECOWAS hat am 19. Juli 2026 das Ziel 2027 bestätigt, diesmal als gestaffelten Start: Wer die Kriterien erfüllt, beginnt, die anderen kommen nach.

Was hat die Reform dann geändert? Zwei konkrete Dinge in der westafrikanischen Zone: Die Pflicht, die Hälfte der Devisenreserven beim französischen Schatzamt zu hinterlegen, entfiel — rund 5 Milliarden Euro flossen zurück —, und französische Vertreter zogen sich aus den BCEAO-Gremien zurück. Kurs und Konvertibilitätsgarantie blieben. In Zentralafrika besteht das Operationskonto weiter.

Liegen die Reserven jetzt in Afrika? Überwiegend nicht. 86 bis 92 Prozent der BCEAO-Reserven liegen je nach Anlageklasse weiter bei europäischen Verwahrern. Das ist keine Auflage aus dem Abkommen, sondern Folge des eigenen Anlagerahmens, der Investment-Grade-Gegenparteien verlangt.

Was hat die EZB damit zu tun? Zweierlei. Der Peg an den Euro zwingt die Zonen-Zentralbanken, der EZB-Geldpolitik zu folgen; die BCEAO senkte am 4. März 2026 auf 3,00 Prozent und hielt am 10. Juni. Und die Verzinsung des zentralafrikanischen Operationskontos ist an den EZB-Spitzenrefinanzierungssatz gekoppelt — deshalb fiel der Zinsertrag der BEAC 2025 auf 110,6 Milliarden FCFA, minus 42 Prozent. Haftung übernimmt die EZB dafür keine: Der Ratsbeschluss (EU) 2021/357 hält fest, dass die Abkommen keine Verpflichtung der EZB oder der nationalen Zentralbanken begründen, die Konvertibilität zu stützen.

Stimmt es, dass die Reserven nur mit 0,75 Prozent verzinst werden? Das war einmal der Fall und ist heute die Untergrenze, nicht der Satz. Die Verzinsung folgt dem EZB-Spitzenrefinanzierungssatz: 2024 im Mittel 4,38 Prozent, 2025 zwischen 2,40 und 3,19 Prozent im Quartalsmittel.

Warum ist der feste Kurs so wichtig? Weil er drei Instrumente ausschließt: Abwertung als Puffer gegen Außenschocks, Verbilligung der eigenen Exporte, und die Entwertung von Staatsschulden über Inflation. Senegal zeigt 2026, was stattdessen kommt: 2,2 Milliarden Dollar vom IWF, Umschuldung — und die CFA-Schulden ausdrücklich außerhalb dieser Umschuldung.

Bringt der Peg denn nichts? Doch, und das aktuelle Bild stützt ihn stärker als das von vor zwei Jahren: UEMOA-Inflation 0,0 Prozent 2025, Ghana 5,0 Prozent im August 2026. Der Preis steht auf der anderen Seite: In Zentralafrika fielen die Reserven 2025 um 12,5 Prozent, und die Abwertungsfrage ist zurück auf dem Tisch — auch wenn die BEAC sie zurückweist.

Warum treten die Sahel-Staaten dann nicht einfach aus? Weil sie zwei Bindungen hatten und die andere gekappt haben. Sie sind aus der ECOWAS ausgetreten, haben eine eigene Investitionsbank mit 500 Milliarden FCFA gegründet — und sind in der Währungsunion geblieben, samt Zentralbank, Bankenaufsicht, Regionalmarkt und Börse. Das beantwortet die Frage, welche Bindung die härtere ist.

Ist das ein Argument für Bitcoin? Der Text macht keines — er liefert dir die Mechanik eines Pegs: was er kostet, was er kauft, wer den Zins setzt, und woran man erkennt, ob eine Währungs-Ankündigung etwas geändert hat. Auf welche Instrumente du diese Prüfung anwendest, entscheidest du.


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