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Schlägt Dual Momentum wirklich Buy & Hold? Wir haben es getestet.

Dual Momentum soll Buy & Hold auf Rendite UND Drawdown schlagen. Unser GTAA-5-Backtest (2007–2026) zeigt: auf der Rendite nicht – auf dem Drawdown deutlich.

Backtesting Arena·16. Juni 2026·5 Min. Lesezeit·0 Aufrufe
Schlägt Dual Momentum wirklich Buy & Hold? Wir haben es getestet.

„Dual Momentum schlägt Buy & Hold auf Rendite und Drawdown." Diesen Satz liest man in jedem zweiten Strategie-Buch. Gary Antonacci hat ihn mit Dual Momentum Investing berühmt gemacht, Meb Fabers GTAA-Arbeit zeigt dasselbe Muster: Querschnitts-Momentum — kaufe die stärksten Assets, rotiere monatlich, gehe in Cash wenn der Trend kippt — sei eine der wenigen Anomalien, die über Jahrzehnte robust bleibt.

Wir haben es nachgebaut. Und zwar nicht mit Marketing-Zahlen, sondern mit dem Code, der hinter unseren Backtests läuft.

Der Aufbau

Wir nehmen das klassische GTAA-5-Universum — fünf ETFs, die fünf Anlageklassen abdecken:

TickerAnlageklasse
SPYUS-Aktien
EFAInternationale Aktien
VNQREITs (Immobilien)
AGGAnleihen
GLDGold

Die Regel ist Lehrbuch-Dual-Momentum:

  1. Querschnitt: Jeden Monatsschluss ranken wir alle fünf nach 12-1-Momentum (Rendite der letzten 12 Monate, der jüngste Monat wird ausgelassen — das ist der Standard-Reversal-Schutz).
  2. Top-N halten: Die stärksten N Assets gleichgewichtet halten, monatlich rotieren.
  3. Cash-Gate (Absolute Momentum): Ist das Momentum des gewählten Assets ≤ 0, gehe in Cash statt zu halten. Das ist der Trendfilter, der vor Bärenmärkten schützt.

Look-ahead-frei: Das Ranking läuft auf dem abgeschlossenen Monatsbar, die Rotation wird im Folgemonat vereinnahmt. Kein Blick in die Zukunft.

Testzeitraum: Januar 2007 bis Juni 2026 — 233 Monate, also rund 19,5 Jahre, inklusive der Finanzkrise 2008, des Corona-Crashs 2020 und des Zins-Bärenmarkts 2022.

Das Ergebnis

VarianteCAGRMax-DrawdownSharpe
Buy & Hold S&P 500 (SPY)10,9 %−50,8 %0,67
Rotation Top-3 (Cash-Gate)8,3 %−17,7 %0,67
Rotation Top-2 (Cash-Gate)8,5 %−20,2 %0,64
Buy & Hold Equal-Weight 57,4 %−35,7 %0,61

Lies die erste und zweite Zeile nebeneinander. Buy & Hold S&P 500 macht 10,9 % pro Jahr. Die ausgefeilte Rotation macht 8,3 %. Der einfache Index gewinnt das Rendite-Rennen um 2,6 Prozentpunkte pro Jahr — über 19 Jahre ist das ein gewaltiger Abstand.

Das ist die unbequeme Wahrheit. Die berühmteste taktische Strategie der Welt schlägt im testbaren Fenster den dümmsten denkbaren Ansatz — „kauf den S&P und mach nichts" — nicht auf der Rendite.

Wo Dual Momentum tatsächlich liefert

Schau jetzt auf die Drawdown-Spalte. Buy & Hold S&P 500 musste zwischenzeitlich 50,8 % Verlust aushalten. Die Rotation Top-3: 17,7 %. Das ist ein Drittel des Schmerzes.

Und der Sharpe — das Maß für Rendite pro Risikoeinheit — ist mit 0,67 exakt identisch. Bei einem Drittel des maximalen Drawdowns dieselbe risikoadjustierte Rendite zu erzielen, heißt: Dual Momentum verkauft keine Outperformance. Es verkauft einen ruhigeren Schlaf.

Das ist ein völlig legitimes Produkt. Wer einen 50-Prozent-Drawdown psychologisch oder finanziell nicht durchsteht (und die meisten Anleger steigen genau am Tief aus), für den ist die Rotation objektiv besser — auch wenn das Endkapital niedriger ausfällt. Nur ist „du verlierst weniger Rendite, dafür aber viel weniger Nerven" eine ehrlichere Verkaufsgeschichte als „schlägt den Markt".

Warum schlägt sie den Markt nicht?

Drei Gründe, und alle gehören in eine ehrliche Bewertung:

1. Der Edge stammt aus Daten, die wir nicht testen können. Antonacci und Faber zeigen ihre stärksten Zahlen über 1970–2010. Genau in dieser Ära — Stagflation der 70er, Lost Decade 2000–2010 — war US-Buy-&-Hold zeitweise tot, und ein Trendfilter glänzte. Die GTAA-ETFs existieren aber erst ab ~2005 (AGG 2003, GLD/VNQ 2004). Wir können den Literatur-Zeitraum schlicht nicht nachstellen. Unser Fenster 2007–2026 ist dominiert vom größten US-Aktien-Bullenmarkt der Geschichte — die härteste Umgebung überhaupt für jede taktische Strategie.

2. Ein Fenster ist eine Anekdote, kein Beweis. Ein einziger Zeitraum auf einem einzigen fixen Universum sagt wenig über die Robustheit aus. Es ist Evidenz dafür, dass die Strategie im modernen US-Bullenmarkt nicht outperformt — nicht dafür, dass sie grundsätzlich kaputt ist.

3. Wir haben die Kosten geschönt. Die Top-3-Variante hatte über 233 Monate 139 Positionswechsel. Jeder Wechsel kostet Spread, Gebühren und — auf einem steuerpflichtigen Konto — realisierte Gewinne. Wir haben null Transaktionskosten modelliert. Mit realistischen Kosten würde die ohnehin dünne Renditelücke noch breiter.

Die Verbindung zu unserer 200-Tage-Strategie

Dieselbe Erkenntnis ist uns kürzlich bei einer ganz anderen Strategie begegnet. Das Faber'sche 200-Tage-Trend-Regime — investiert über der 200-Tage-Linie, Cash darunter — zeigt auf breiten Index-ETFs exakt dasselbe Profil: ungefähr Buy-&-Hold-Rendite, riesige Drawdown-Reduktion, neutraler Sharpe.

Es scheint ein Muster zu geben, das stärker ist als die einzelne Strategie: Auf breiten, langfristig steigenden Aktienindizes kauft Trend-Timing keine Mehrrendite. Es kauft Drawdown-Schutz. Wer das versteht, hört auf, nach der Strategie zu suchen, die „den Markt schlägt", und fängt an, die Strategie zu wählen, deren Risikoprofil zum eigenen Magen passt.

(Eine Ausnahme gibt es: Auf Krypto, wo Bärenmärkte tief und hart trenden, schlägt das 200-Tage-Regime Buy & Hold auch auf der Rendite. Aber das ist eine andere Geschichte — und eine andere Anlageklasse.)

FAQ

Ist Dual Momentum also Unsinn? Nein. Es ist ein guter Drawdown-Schutz mit identischem Sharpe — nur kein Rendite-Wunder. Der Fehler liegt nicht in der Strategie, sondern in der Erwartung, die ihr verkauft wird.

Hättet ihr mit anderen Parametern ein besseres Ergebnis bekommen? Vermutlich auf dem Papier — wir haben Top-1, Top-2, Top-3 mit und ohne Cash-Gate getestet, alle landen im selben Korridor (8–9 % CAGR, deutlich geringerer Drawdown). Aber jede Parameter-Suche nach dem schönsten Backtest ist Overfitting. Die ehrliche Antwort ist die unoptimierte.

Warum testet ihr nicht den Original-Zeitraum von Antonacci? Weil die ETFs erst ab ~2005 existieren. Wir könnten Index-Daten zusammenstückeln, aber das wäre eine andere Datenquelle mit eigenen Verzerrungen. Wir zeigen lieber ehrlich, was mit echten, handelbaren ETF-Kursen geht — und sagen klar dazu, dass unser Fenster den Literatur-Edge nicht enthält.

Schlägt überhaupt irgendetwas den S&P 500 langfristig auf der Rendite? Im Aktien-Bullenmarkt der letzten 15 Jahre: kaum etwas zuverlässig. Genau deshalb ist „schlägt Buy & Hold" ein roter Warnhinweis, wann immer eine Strategie damit wirbt. Frag immer: über welchen Zeitraum, in welcher Anlageklasse, nach Kosten?

Zählt das als statistisch belastbar? Mit Einschränkung. 233 Monate sind eine ordentliche Stichprobe, aber 139 Positionswechsel und ein einziges Universum bleiben ein einzelner Pfad. Wir behandeln das Ergebnis als starke Indikation, nicht als endgültigen Beweis.

Was Backtesting Arena dazu beiträgt

Wir bauen Strategien nicht, weil sie berühmt sind, sondern erst nachdem wir geprüft haben, ob sie auf echten Kursen einen Vorteil liefern. Dual Momentum hat diesen Test als reines Rendite-Produkt nicht bestanden — also haben wir es nicht als Feature gebaut, sondern die Zahlen offengelegt.

Genau diese Logik kannst du in der Arena selbst nachvollziehen: Jeder Backtest zeigt dir nicht nur die Rendite, sondern auch den Drawdown und den Sharpe gegen Buy & Hold. Und unsere risikoadjustierte Scorecard sagt dir geradeheraus, ob eine Strategie wirklich outperformt oder nur den Drawdown senkt. Der Unterschied ist der ganze Punkt.

Jetzt selbst testen

Fahre den Backtest mit deinen eigenen Parametern und Zeiträumen.

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