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Der Indexaufnahme-Effekt ist verschwunden. Beim Bitcoin-ETF folgt der Fluss dem Kurs, nicht umgekehrt.

Wer im Index sitzt, bekommt angeblich einen dauerhaften Käufer. An dem einen Tag, an dem man diesen Käufer sehen kann, bewegt sich der Kurs nicht mehr. Danach haben wir bei Bitcoin-ETFs beide Richtungen geprüft — nur die rückwärtige hielt.

Backtesting Arena·3. September 2026·12 Min. Lesezeit·0 Aufrufe
Der Indexaufnahme-Effekt ist verschwunden. Beim Bitcoin-ETF folgt der Fluss dem Kurs, nicht umgekehrt.

In jedem zweiten Marktkommentar steht derselbe Satz: Niemand kauft mehr Einzelaktien, alle kaufen ETFs, und wer erst einmal in einem Index sitzt, bekommt einen dauerhaften mechanischen Käufer geschenkt — ganz gleich, was in der Bilanz steht. Bei Bitcoin klingt die Fortsetzung so: Seit den Spot-ETFs treibt der institutionelle Zufluss den Kurs.

Die Frage, die dabei nie gestellt wird: Wie sähe die Welt aus, wenn das nicht stimmte?

Sie ließe sich an zwei Stellen prüfen. Die erste liegt am Aktienmarkt und ist seit Jahrzehnten dokumentiert. Die zweite haben wir selbst gerechnet, vorab registriert, und zwar in beide Richtungen — weil nur eine davon zu messen genau der Grund ist, warum dieses Thema so aussieht, wie es aussieht.

Der Boden: was die Indexaufnahme bringt

Bevor eine These etwas beweisen kann, braucht sie den einen Moment, an dem sie sich zeigen müsste. Wenn Indexzugehörigkeit einen mechanischen Käufer mitbringt, dann ist der Tag der Aufnahme etwas wert — und er muss mit wachsendem Indexgeld mehr wert werden, nicht weniger. Das ist keine Feinheit. Das ist die direkteste Vorhersage, die sich aus der These ableiten lässt, und sie ist auf den Tag genau messbar.

Robin Greenwood und Marco Sammon haben sie über vierzig Jahre S&P-500-Aufnahmen und -Streichungen gemessen.

ZeitraumAbnormale Rendite bei AufnahmeBei Streichung
1990er+7,4 %groß negativ
letztes Jahrzehnt+0,3 %
2010–20200,1 %

Und der Nachfrageschock ist in derselben Zeit gewachsen, nicht geschrumpft. Der Nettokauf der Indextracker bei einer Aufnahme lag Anfang der 1990er nahe null Prozent der ausstehenden Aktien. Heute liegt er über sechs Prozent.

Sechs Prozent des Streubesitzes wechseln an einem Tag den Besitzer, und der Kurs rührt sich nicht. Das ist die Basisrate für alles, was über den mechanischen Käufer erzählt wird: An seinem sichtbarsten Punkt ist er verschwunden.

Die Erklärung ist unspektakulär und deshalb überzeugend. Die Gegenseite ist nicht weg, sie ist Profi geworden. Handelsdesks haben Personal und Rechenzeit auf Index-Rebalancing verlegt, große Passivhäuser beschäftigen eigene Teams für die Liquidität an Umstellungstagen, und das Handelsvolumen konzentriert sich inzwischen auf genau diese Termine. Dazu kommt, dass ein wachsender Teil der Aufnahmen keine Neuaufnahmen mehr sind, sondern Aufstiege aus dem S&P MidCap — der Käufer war vorher schon investiert.

Passiv ist größer, als die Statistik sagt

Das macht die Ausgangsbeobachtung nicht falsch. Alex Chinco und Marco Sammon haben den passiven Eigentumsanteil nicht über verwaltetes Vermögen bestimmt, sondern über das Handelsvolumen an Rekonstitutionstagen: Wie viel Geld müsste einem Index folgen, um den Volumensprung am Umstellungstag zu erklären? Ergebnis für 2021 — Indexfonds hielten 16 % des US-Aktienmarkts, der gesamte passive Anteil lag bei 33,5 %. Die Differenz sind Pensionskassen, die einen Index selbst nachbauen, und aktive Manager, die faktisch ihre Benchmark abbilden.

Was trotzdem wirkt: der laufende Fluss

Hier liegt der Denkfehler in der populären Fassung. Sie wirft zwei Dinge zusammen, die verschieden sind: den einmaligen Umstellungsschock bei Indexaufnahme und den laufenden Zufluss in ein Papier, das ohnehin schon gehalten wird. Der erste ist verschwunden. Der zweite ist gut belegt.

Hannah Unterberg nutzt für die Messung einen Kalendermechanismus statt einer Korrelation: 401(k)-Beiträge fallen zu Monatsbeginn an, mechanisch, und reagieren nicht auf die Wertentwicklung von Fonds. In den ersten drei Handelstagen des Monats verdienen Fonds mit niedrigem Active Share 2,6 Basispunkte mehr, wenn die passiven Flüsse erhöht sind — Fonds mit hohem Active Share 2,1 Basispunkte weniger. Bei aktiven Fondsflüssen gibt es kein solches Muster.

Der zweite Befund derselben Arbeit wiegt schwerer. Preisdruck aus aktiven Fondsflüssen kehrt sich innerhalb weniger Quartale um. Preisdruck aus passiven Flüssen liegt nach drei Jahren immer noch bei etwa der Hälfte seiner Anfangsgröße.

Nicht die Mitgliedschaft zahlt also, sondern der Strom. Und er zahlt oben mehr als unten: Hao Jiang, Dimitri Vayanos und Lu Zheng zeigen, dass passive Zuflüsse überproportional die größten Firmen heben, und dass das Aggregat selbst dann steigt, wenn die Flüsse ausschließlich aus einer Umschichtung von aktiv nach passiv stammen. Es braucht kein neues Geld. „Für jeden Käufer gibt es einen Verkäufer" stimmt buchhalterisch und ist ökonomisch belanglos, solange beide Seiten verschieden preisempfindlich sind.

Drei Befunde, die gegen jede starke Fassung stehen

Ein Mechanismus, der wirkt, ist noch kein Mechanismus, der regiert. Drei Zahlen begrenzen die Reichweite. Vanguard rechnet vor, dass Indexfonds gut ein Prozent der Handelsaktivität ausmachen und aktive Fonds zwei Prozent. Der S&P 500 fiel 2022 vom 3. Januar bis zum Oktobertief um 25,4 %, während der Passivsektor über drei Verlustquartale nicht geschrumpft ist — ein Bid, der das zulässt, ist kein Boden. Und 2017 stieg der beste Wert im Index um 133,7 %, während der schlechteste um 50,3 % fiel, bei nahezu gleicher Gewichtung; ein Käufer, der nicht unterscheidet, produziert diese Spreizung nicht.

Zwischen „wirkt" und „regiert" gibt es deshalb eine Zahl. Valentin Haddad, Paul Huebner und Erik Loualiche messen, dass die verbleibenden aktiven Händler zwei Drittel einer Verhaltensänderung ausgleichen. Der Passiv-Anstieg der letzten zwanzig Jahre hat die Nachfrage nach Einzelaktien um elf Prozent inelastischer gemacht. Elf Prozent, nicht hundert.

Krypto: wir haben beide Richtungen gemessen

Bei Bitcoin liegt der Fall strukturell anders, und der Unterschied ist größer, als das gemeinsame Wort ETF vermuten lässt.

Ein Indexfonds koppelt zwei Dinge voneinander ab: die Entscheidung und den Kauf. Wer einen MSCI-World-ETF kauft, entscheidet über ein Portfolio und nicht über Apple. Der Apple-Kauf ist eine abgeleitete Pflicht des Fonds und findet zu jedem Preis statt. Genau diese Entkopplung ist die Inelastizität, die Gabaix und Koijen im Aggregat messen und die Unterberg über den Gehaltsabzug isoliert. Sie ist keine Eigenschaft von ETFs. Sie ist eine Eigenschaft der Trennung zwischen dem, der entscheidet, und dem, der kauft.

Ein Bitcoin-Spot-ETF koppelt nichts ab. Wer IBIT kauft, entscheidet über Bitcoin. Entscheidung und Transaktion sind derselbe Vorgang. Der Fluss erbt damit die volle Preisempfindlichkeit des Käufers — er ist keine mechanische Nachfrage, sondern diskretionäre Nachfrage in einer Hülle.

Dazu kommt, was ohnehin fehlt: keine Aufnahme, keine Streichung, kein Querschnitt, keine Gewichtsverschiebung. Und keine Automatik. Kein Sparplan-Autopilot läuft monatlich in einen Bitcoin-ETF, weil eine Personalabteilung das so eingestellt hat. Man sieht das im Tape: Nach rund 2,44 Milliarden Dollar Nettozufluss im April 2026 folgten binnen sechs Handelstagen rund 1,26 Milliarden Dollar Abfluss.

Also haben wir nicht eine Richtung gemessen, sondern beide. Dieselbe Methode, dasselbe Fenster, beide vorab registriert mit festgeschriebenem Abbruchkriterium und notierter Vorab-Erwartung. Erst die Frage, die alle stellen: Bewegt der Fluss den Kurs? Dann die, die kaum jemand stellt: Folgt der Fluss dem Kurs?

Die beiden Tests sind strukturell dasselbe — ein Tag Versatz, einmal vorwärts, einmal rückwärts. Fenster vom 1. Juni bis 28. August 2026, 62 Tagesbeobachtungen, 31 Zufluss- und 31 Abflusstage.

RichtungSchätzwerttp (Permutation)
Fluss heute → Rendite morgen+21,6 bp je 100 Mio USD+1,950,055
Rendite gestern → Fluss heute+63,0 Mio USD je 1 %+5,07<0,0001

Vorwärts hält nichts. Nach Vorzeichen getrennt sah es kurz lebendig aus und drehte dabei unsere eigene notierte Erwartung um: nach Zuflüssen lief der Folgetag weiter, nach Abflüssen passierte nichts. Wir hatten das Gegenteil aufgeschrieben.

Rückwärts hält alles. Ein Minustag von drei Prozent geht mit rund 190 Millionen Dollar Abfluss am Folgetag einher, bei einer Standardabweichung der Tagesflüsse von 250 Millionen. In Vorzeichen ausgedrückt, also genau so, wie man es am Bildschirm beobachtet:

Kurs am VortagZufluss folgtAbfluss folgt
steigt218
fällt1023

44 von 62 Treffern, 71 %, bei einer Grundrate von exakt 50 %, weil das Fenster genauso viele Zufluss- wie Abflusstage enthält.

Drei Prüfungen, die den Vorwärts-Befund hätten retten können

Ein Ergebnis aus 62 Tagen kann auf mehrere Arten täuschen. Wir haben dieselben drei Prüfungen auf beide Arme angewendet — asymmetrisch prüfen wäre genau der Fehler, den wir anderen vorwerfen.

Erste gegen zweite Fensterhälfte. Vorwärts dreht das Vorzeichen: −7,9 in der ersten Hälfte gegen +44,9 in der zweiten. Rückwärts bleibt es stehen: +51,2 gegen +55,1.

Ohne die Ausreißertage. Klammert man die drei Tage mit über fünf Prozent Kursbewegung aus, fällt der Vorwärts-Befund von +21,6 auf −1,9 Basispunkte. Der Rückwärts-Befund bleibt bei +57,4 mit t=3,47. Ohne die gesamte Melt-up-Woche vom 17. bis 24. August steht er noch bei +54,1 mit t=3,85.

Dosis-Wirkung. Ein echter Zusammenhang skaliert mit der Größe. Vorwärts tut er das nicht: Das größte Zufluss-Terzil liefert am Folgetag einen schlechteren Median als das kleinste. Rückwärts läuft er sauber durch — stark negative Vortage bringen einen Median-Abfluss von 155 Millionen, mittlere plus 56, stark positive plus 99.

Der gesamte Vorwärts-Befund war der Melt-up vom 19. bis 21. August. Der Rückwärts-Befund überlebt jede einzelne Prüfung, an der der andere gestorben ist, und jeder Monat einzeln gerechnet trägt dasselbe Vorzeichen.

Warum diese Richtung überhaupt sauber messbar ist

Der Zeitpfeil kommt hier gratis mit der Marktstruktur. Bitcoin handelt rund um die Uhr, der ETF nur von 13:30 bis 20:00 UTC, und der Tagesschluss liegt um Mitternacht UTC. Die Bewegung von gestern ist damit dreizehneinhalb Stunden vor dem Öffnen abgeschlossen und kann vom Fluss dieses Tages unmöglich verursacht worden sein.

Fast nichts in diesem Themenfeld liefert einen Kausalpfeil umsonst. Hier tut es das, und deshalb ist die unpopuläre Richtung die einzige, über die sich überhaupt etwas Belastbares sagen lässt.

Damit bekommt auch die vielzitierte Gleichtagszahl eine zweite Lesart. Unsere eigene Gleichtags-Messung liegt bei 67 Basispunkten je 100 Millionen Dollar und damit nah an den 53 Basispunkten, die als Multiplikator für diesen Markt herumgereicht werden. Bisher wurde diese Zahl als Nachfrageimpuls gelesen. Sie liest sich mindestens genauso gut als Quittung: Der Kurs bewegt sich, und der Nettofluss des Tages schreibt hinterher auf, was das mit den Haltern gemacht hat. Trennen können wir die beiden Lesarten mit diesen Daten nicht. Sagen können wir, dass von den zwei zeitversetzten Tests nur der rückwärtige hält.

Was den Befund kippen würde

Die Erklärung oben ist nach dem Ergebnis entstanden, nicht davor. Damit ist sie keine Bestätigung, sondern eine Vorhersage — und sie ist prüfbar, weil sich die Struktur gerade ändert.

Anders sähe es aus, wenn Bitcoin nicht als eigenes Produkt gekauft würde, sondern als Bestandteil eines gemischten Vehikels: ein breit gestreutes Portfolio aus Aktien, Anleihen, Gold und einer kleinen Bitcoin-Quote. Dann fällt genau die Entkopplung an, die den Aktienmarkt trägt, und sie bringt drei Dinge mit, die es heute nicht gibt.

Erstens verschwindet die Preisempfindlichkeit. Der Käufer entscheidet über das Portfolio, nicht über Bitcoin. Der Bitcoin-Kauf wird zur abgeleiteten Pflicht des Vehikels.

Zweitens dreht sich das Vorzeichen der Umschichtung um. In einem Portfolio mit Zielgewicht steigt die Bitcoin-Quote über das Ziel, wenn Bitcoin steigt — und das Vehikel verkauft. Fällt Bitcoin, kauft es nach. Das ist nicht nur nicht prozyklisch, das ist antizyklisch. Also das Gegenteil dessen, was wir gemessen haben.

Drittens entsteht ein Aufnahmetermin. Wenn eine Modellportfolio-Reihe eine Bitcoin-Quote aufnimmt, gibt es einen einmaligen mechanischen Kaufbedarf mit Datum — das Krypto-Gegenstück zur Indexaufnahme. Und was damit passiert, steht im ersten Teil dieses Textes: Der Effekt schrumpft, je erwarteter er wird.

Das ist keine Gedankenübung mehr. BlackRock hat IBIT im Februar 2025 mit einer Quote von ein bis zwei Prozent in zwei Modellportfolios aufgenommen — die Target-Allocation-Varianten, die Alternatives zulassen, aus einem Modellportfolio-Universum von rund 150 Milliarden Dollar. Im Juni 2026 hat das BlackRock Investment Institute dieselbe Spanne förmlich für gemischte Portfolios empfohlen.

Der größere Hebel liegt in der Altersvorsorge. Das US-Arbeitsministerium hat am 30. März 2026 eine Regel vorgeschlagen, die Treuhändern einen sicheren Hafen schafft, wenn sie alternative Anlagen einschließlich Krypto in 401(k)-Menüs aufnehmen. Sie geht auf eine Verfügung vom 7. August 2025 zurück, nachdem die Warnung von 2022 im Mai 2025 zurückgezogen worden war. Juristen weisen darauf hin, dass Beschäftigte dabei kaum eigenständige Krypto-Fonds ins Menü bekommen, sondern begrenzte Quoten innerhalb von Zielterminfonds. Das ist exakt der Weg, der die Entkopplung herstellt.

Zur Größenordnung, mit einer Herkunftswarnung: Je nach Abgrenzung werden für 401(k)-Pläne rund zehn bis zwölf Billionen Dollar genannt. Ein Prozent davon wäre ein Vielfaches dessen, was der heutige Spot-ETF-Markt an einem Tag bewegt. Der Zeitrahmen ist dabei kein kurzer — breite Verfügbarkeit gilt frühestens ab 2027 bis 2029 als realistisch.

Unser Ergebnis hat damit eine Haltbarkeit, und sie ist benennbar. Wir messen keine Eigenschaft von Bitcoin. Wir messen eine Eigenschaft des Vehikels, durch das Bitcoin gerade gekauft wird. Wenn das Vehikel sich ändert, muss der Rückwärts-Koeffizient schrumpfen. Tut er es nicht, war die Erklärung falsch.

Das stärkste Gegenargument

Zwei Einwände liegen nahe, und beide verdienen eine Antwort.

Erstens: 62 Beobachtungen aus drei Monaten sind nichts. Damit lässt sich alles und nichts zeigen. Das Fenster ist eng, und es ist deklariert — die Tagesauflösung ist über unsere Datenquelle nicht weiter zurück beschaffbar. Aber der Einwand trifft beide Arme gleich hart, und die beiden Arme kommen zu entgegengesetzten Ergebnissen auf identischen Daten. Ein zu kurzes Fenster erzeugt Rauschen, und Rauschen produziert keine Befunde, die sechs Teilstichproben-Prüfungen mit gleichem Vorzeichen überstehen. Es produziert genau das, was der Vorwärts-Arm geliefert hat.

Zweitens: Vielleicht ist die Tageszuordnung der Flussdaten um einen Tag verschoben. Dann wäre euer Rückwärts-Befund nur die umetikettierte Gleichtagskorrelation. Der Einwand ist gut, und wir haben ihn intern geprüft statt ihn nur zu erwähnen. Wäre die Zuordnung verschoben, müsste die Vortagsrendite der stärkste Arm sein. Sie ist es nicht: Der Gleichtags-Arm führt mit t=7,47 gegen t=5,07. Das schließt eine Vermischung über Settlement-Wege nicht aus, macht die einfache Ein-Tages-Fehletikettierung aber unwahrscheinlich.

Was der Leser damit anfangen kann

Die ETF-Zahl, die abends über die Tickerleiste läuft, ist überwiegend eine Quittung für den Tag und nicht sein Antrieb. Wer sie als Nachfrageimpuls liest und daraus auf morgen schließt, liest den Kausalpfeil rückwärts — und der Test, der das stützen müsste, hält auf unseren Daten nicht.

Das heißt ausdrücklich nicht, dass Flüsse den Kurs nie bewegen. Beide Richtungen können gleichzeitig laufen. Belegt ist die schwächere und sauberere Aussage: Auf diesem Fenster ist nur die rückwärtige Richtung nachweisbar.

Und es schließt den Kreis zum Aktienteil. Dort ist der mechanische Käufer an seinem sichtbarsten Punkt verschwunden, weil die Gegenseite professionell geworden ist. Hier war er nie mechanisch. Beide Male ist die Geschichte vom automatischen Bid die Geschichte, die erzählt wird, und nicht die, die in den Daten steht.

Die offene Frage ist die, die vor jeder Multiplikator-Zahl beantwortet sein müsste: Auf welchem Horizont — vorab festgelegt, nicht rückblickend gefunden — hat ein ETF-Fluss je eine Kursbewegung vorhergesagt, die er nicht schon hinter sich hatte? Und die zweite, die daran hängt: Ab welchem Anteil gemischter Vehikel am Bitcoin-Bestand kippt der Zusammenhang, den wir gemessen haben?

FAQ

Was heißt „Indexaufnahme-Effekt"? Die abnormale Kursbewegung an dem Tag, an dem eine Aktie in einen Index aufgenommen wird. Er misst, was der mechanische Kaufbedarf der Indexfonds wert ist, und ist von 7,4 % in den 1990ern auf 0,3 % im letzten Jahrzehnt gefallen.

Warum ist der Gleichtags-Zusammenhang wertlos? Weil innerhalb desselben Tages Flüsse auf Preise reagieren und Preise auf Flüsse. Ohne Zeitversatz oder Instrument lässt sich aus einer Gleichtagskorrelation keine Richtung ablesen, so groß sie auch ist.

Heißt das, ETF-Flüsse bewegen den Bitcoin-Kurs nie? Nein. Es heißt, dass auf diesem Fenster nur die Gegenrichtung nachweisbar ist. Beide Richtungen können gleichzeitig laufen; belegt ist nur die eine.

Warum nur 62 Beobachtungen? Weil die Datenquelle Tagesauflösung nur für rund 90 Tage liefert. Längere Abrufe geben dieselbe Zeilenzahl über einen größeren Zeitraum, also grob 15-Tage-Summen statt Tagesflüssen. Das Fenster ist eine Eigenschaft der Daten, keine Auswahl.

Gilt das auch für Ethereum- und Solana-ETFs? Ungeprüft. Ein Übertrag ohne eigenen Lauf wäre genau der Fehler, den dieser Text beschreibt.

Und wenn Bitcoin Teil eines gemischten ETF wird? Dann voraussichtlich nicht mehr, und das ist der Kern der Sache. Ein gemischtes Vehikel trennt die Entscheidung vom Kauf und rebalanciert antizyklisch. Beides fehlt dem Ein-Asset-ETF. Der gemessene Zusammenhang ist eine Eigenschaft des Vehikels und nicht von Bitcoin — er müsste mit wachsendem Anteil gemischter Vehikel schrumpfen.

Wie ist sichergestellt, dass hier nicht so lange gerechnet wurde, bis etwas passt? Beide Fragen wurden vor dem ersten Datenabruf schriftlich festgelegt, samt Abbruchschwelle, Korrektur für Mehrfachtests und einer notierten Vorab-Erwartung. Diese Erwartung ist gefallen — wir hatten aufgeschrieben, dass Abflüsse härter treffen sollten, und sie waren der leere Arm.


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