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Tokenisierung und die Layer-1s — Wer macht das Rennen?

Ethereum hält 60-65 % aller tokenisierten Werte. Solana wächst dreimal so schnell. BNB Chain, Stellar und einige Layer-2 mischen mit. Was das für die Preise von ETH, SOL und Co. bedeutet — und an welcher Stelle die Erzählung „Tokenisierung pumpt den Coin" mehr verspricht, als die Mechanik halten kann.

Backtesting Arena·19. Mai 2026·13 Min. Lesezeit·1 Aufrufe
Tokenisierung und die Layer-1s — Wer macht das Rennen?

In den letzten Wochen haben wir zwei Beiträge zum Thema Tokenisierung veröffentlicht: einen Überblick über die vier Asset-Klassen, die sich gerade auf die Blockchain bewegen, und einen Detailblick auf tokenisierte Rohstoffe. Was bisher offen blieb: Auf welcher Blockchain passiert das eigentlich? Und was bedeutet das konkret für den Preis der zugrundeliegenden Coins?

Diese Frage ist die häufigste, die wir nach den ersten beiden Beiträgen bekommen haben. Sie ist auch die, bei der man am leichtesten daneben greift, weil sich die naheliegende Antwort — „Tokenisierung läuft auf Ethereum, also pumpt ETH" — in der Mechanik nur zur Hälfte hält. Schauen wir uns das also strukturiert an: was die Daten heute zeigen, wie sich die Lage in den letzten Jahren entwickelt hat, und wo die tatsächlichen Hebel auf die Coin-Preise sitzen.

Wer das Settlement aktuell macht — Stand Mai 2026

Wenn man den Markt der tokenisierten Vermögenswerte aufdreht und nach Blockchain sortiert, ist das Bild eindeutig:

BlockchainRWA-Wert on-chainMarktanteilYoY-Wachstum
Ethereum~$12,3 Mrd.60-65 %+85 %
BNB Chain~$1,8 Mrd.~7 %+120 %
Solana~$873 Mio.~4,5 %+200-325 %
Stellar~$700 Mio.~3 %+60 %
Arbitrum / Baseje ~$300-500 Mio.je 1,5-2,5 %+180-220 %
Avalanche~$200 Mio.~1 %+50 %
AndereRest~15 %unterschiedlich

Zwei Lesarten:

  • Ethereum ist der unangefochtene Marktführer. Wer heute einen Treasury-Token auflegt, einen tokenisierten Fonds startet oder eine Aktie auf die Blockchain bringt, wählt mit hoher Wahrscheinlichkeit Ethereum. BlackRocks BUIDL-Fonds, Franklin Templetons BENJI (wobei BENJI seinen Ursprung auf Stellar hat), Ondos Treasury-Produkte — alle haben ihren Schwerpunkt auf Ethereum. Über 60 % aller distributed RWA-Werte sitzen auf Ethereum.

  • Aber die zweite Reihe wächst schneller als die Spitze. Solana hat sein RWA-Volumen 2025 in zwölf Monaten verdreifacht. Arbitrum ist durch Robinhoods tokenisierte US-Aktien für europäische Nutzer zu einem echten Trading-Layer für RWAs geworden. BNB Chain ist zum zweitgrößten Netzwerk geworden, getragen von Ondo Global Markets und einer wachsenden Stablecoin-Basis.

Diese zwei Bewegungen sind nicht im Widerspruch. Sie sagen: Ethereum hat die etablierte Position, aber das Spielfeld bleibt offen.

Warum Ethereum aktuell vorne ist — und was diese Position trägt

Wer einen tokenisierten Vermögenswert aufsetzt, fragt sich vier Dinge: Wo finde ich Liquidität? Wo finde ich die richtigen Compliance-Werkzeuge? Wo finde ich die Wallets meiner Zielgruppe? Und wo finde ich Versicherer, Auditoren und Anwälte, die den Stack kennen?

Bei diesen vier Fragen ist Ethereum aktuell die naheliegendste Antwort. Nicht weil die Technik überlegen wäre — Solana ist bei Geschwindigkeit und Gebühren klar voraus — sondern weil Ethereum das einzige Netzwerk ist, das eine vollständige institutionelle Infrastruktur drumherum hat. ERC-20 und ERC-1400 sind ausgereifte Standards für regulierungskonforme Token. Securitize, Tokeny und ähnliche Issuer-Plattformen haben dort die meiste Erfahrung. Die großen Custodians — BNY Mellon, Coinbase Prime, Anchorage — bieten Ethereum-Verwahrung als Standard an. Und die meisten institutionellen Wallets, die in den letzten zwei Jahren entstanden sind, sind primär Ethereum-Wallets.

Dazu kommt ein eher unterschätzter Faktor: die Layer-2-Ebene. Wer heute auf Ethereum tokenisiert, kann das Asset auf Mainnet absichern (Sicherheit, Reputation) und auf einem Layer-2 wie Arbitrum oder Base handelbar machen (Geschwindigkeit, Gebühren). Robinhoods tokenisierte US-Aktien laufen genau so: Issuance-Logik auf Mainnet, Handel auf Arbitrum. Das ist keine zukünftige Architektur, das ist heute schon Realität.

Heißt: Ethereum verkauft Sicherheit-plus-Standardisierung, Layer-2 verkaufen Geschwindigkeit-und-Gebühren. Beides zusammen ist eine starke Antwort auf die Frage „wo lege ich einen tokenisierten Wert ab".

Warum Solana, BNB und Co. trotzdem mitspielen

Wenn Ethereum die naheliegendste Antwort ist, warum gibt es überhaupt noch andere?

Weil „naheliegend" nicht „alternativlos" heißt. Drei Argumente halten die anderen Layer-1s im Spiel:

Erstens: Geschwindigkeit für hochfrequente Anwendungsfälle. Wer eine tokenisierte Aktie minütlich neu bewerten will, oder ein Stablecoin-Zahlungssystem mit Massentransaktionen baut, kann auf Ethereum-Mainnet nicht arbeiten. Selbst mit Layer-2 bleibt eine gewisse Latenz. Solana mit seinen Sub-Sekunden-Bestätigungen und Gebühren im Cent-Bereich ist hier ein echter Vorteil. Das ist auch der Grund, warum Solanas RWA-Wachstum so stark von Stablecoin-Anwendungen getrieben ist — über 90 % des RWA-Werts auf Solana sind Stablecoins (USDC dominiert, gefolgt von USDT und PAX).

Zweitens: Spezialisierung auf bestimmte Asset-Klassen. Stellar hat sich mit Franklin Templetons BENJI als Treasury-Spezialist positioniert. Avalanche wird von JPMorgan und Citi für institutionelle Subnetze genutzt. BNB Chain hat regulatorische Klarheit in Abu Dhabi für tokenisierte Aktien und ETFs erhalten. Jede dieser Spezialisierungen baut einen Burggraben gegen Ethereum — nicht im Generalfall, sondern in einem speziellen Anwendungsfall.

Drittens: Geografie und regulatorische Schwerpunkte. BNB Chain hat eine starke asiatische Nutzerbasis. Stellar ist in Cross-Border-Payments für Schwellenländer stark. Diese Geografien sind nicht ETH-affin und werden es voraussichtlich auch nicht werden, weil sie eigene Compliance-Anforderungen und eigene Wallets haben.

Das macht den Layer-1-Markt nicht zu einem Winner-takes-all-Spiel. Ethereum gewinnt den Mainstream-Institutional-Use-Case. Solana, BNB, Stellar und einige Layer-2 holen sich ihre Subsegmente. Und in jedem dieser Subsegmente sieht das Wachstum überproportional aus, weil die absolute Basis klein ist.

Wie die Lage sich in den letzten drei Jahren entwickelt hat

Drei Jahre zurück, Anfang 2023, gab es Tokenisierung in kleinen Pilotversuchen. Centrifuge, MakerDAO mit RWA-Sicherheiten, ein paar kleinere Stellar-Initiativen, und das war im Wesentlichen die Liste. Der gesamte RWA-Markt ohne Stablecoins lag unter einer Milliarde Dollar.

Dann passierte 2024 zweierlei: BlackRock brachte im März seinen BUIDL-Fonds über Securitize auf Ethereum, und Robinhood fing an, in Europa über tokenisierte US-Aktien zu sprechen. Beide Schritte haben aus „Tokenisierung ist ein Experiment" ein „Tokenisierung ist ein Produkt" gemacht. Bis Ende 2024 lag der Markt bei rund 6,6 Milliarden Dollar. Bis Ende 2025 bei 18,6 Milliarden. Im März 2026 bei 26,4 Milliarden. Das ist ein Wachstum von Faktor 26 in 36 Monaten — ohne Stablecoins gerechnet, mit Stablecoins ist die Zahl noch viel größer.

In dieser Welle hat sich auch die Verteilung verschoben. Anfang 2024 hatte Ethereum noch über 80 % Marktanteil bei tokenisierten Werten. Heute sind es 60-65 %. Das ist kein Ethereum-Verlust — der absolute Wert auf Ethereum ist im gleichen Zeitraum von 4 auf 12 Milliarden gewachsen. Aber es ist ein Beweis dafür, dass andere Layer-1s und Layer-2 die Wachstumsdifferenz auf sich ziehen. Solana ging im gleichen Zeitraum von $174 Millionen auf $873 Millionen — eine Verfünffachung.

Das ist das eigentliche Muster: ein wachsender Kuchen, in dem der Marktführer weiter wächst, aber Marktanteile verliert. So sieht in der Regel ein gesunder Sektor in der Frühphase aus.

Was das für die Coin-Preise bedeutet — und wo die Mechanik bricht

Jetzt zur Frage, die in den meisten Diskussionen vorne steht: Wenn Tokenisierung auf Ethereum so groß ist, müsste das doch den ETH-Preis treiben? Und wenn Solana so schnell wächst, müsste SOL doch ein Selbstläufer sein?

Die Antwort ist nuancierter, als die meisten Threads im Netz vermuten lassen. Es gibt drei Mechaniken, über die Tokenisierung sich tatsächlich auf einen Coin-Preis auswirken kann — und drei, die oft vorgeschoben werden, aber bei näherer Betrachtung nicht halten.

Die Mechaniken, die tatsächlich wirken:

1. Gas-Verbrauch und Burn-Mechanik (besonders bei ETH). Jede Transaktion mit einem tokenisierten Vermögenswert auf Ethereum verbraucht Gas. Seit EIP-1559 wird ein Teil dieser Gas-Gebühr verbrannt, was den ETH-Supply reduziert. 2025 wurden 1,2 Millionen ETH verbrannt — das ist deflationärer Druck. Wenn Tokenisierungsaktivität auf Ethereum stark wächst, wächst auch der Gas-Verbrauch und damit der Burn. Das ist eine direkte Verbindung zwischen Tokenisierungs-Volumen und ETH-Knappheit.

Aber: Layer-2-Lösungen reduzieren den Gas-Verbrauch auf Mainnet dramatisch. Das ist Absicht (Skalierung), aber es bedeutet, dass ein wachsendes Tokenisierungs-Volumen nicht eins zu eins in wachsenden Mainnet-Gas-Burn übersetzt wird. Ein Tokenisierungs-Boom, der primär auf Layer-2 stattfindet, hat einen viel schwächeren Effekt auf den ETH-Preis als einer, der auf Mainnet stattfindet.

2. Staking-Demand für Settlement-Sicherheit (ETH und SOL). Wer einen tokenisierten Fonds mit echtem Geld auf einer Blockchain auflegt, hat ein Interesse daran, dass diese Blockchain sicher ist. Sicherheit bei Proof-of-Stake heißt: viel Wert gestaked. Bei Ethereum sind aktuell über 30 % aller ETH gestaked, bei Solana über 65 % aller SOL. Das ist eine reale Nachfrage nach dem Coin als Stake-Asset, und sie wächst tendenziell mit der Sicherheitsanforderung der darauf laufenden Anwendungen.

Aber: Diese Nachfrage ist nicht linear. Ab einem gewissen Stake-Anteil sind die zusätzlichen Sicherheitsgewinne marginal. Ethereum bei 30 % gestaked und Solana bei 65 % gestaked — das sind Werte, bei denen die Stake-Demand-Story weniger Hebel auf den Preis hat als noch vor zwei Jahren, wo die Quoten deutlich niedriger lagen.

3. „Plattform-Wert" als Bewertungs-Multiplikator. Wenn man einen Layer-1-Coin nicht nur als Zahlungsmittel, sondern als Anteil an einer Settlement-Plattform sieht, dann ist die Bewertungs-Logik ähnlich wie bei einer Börse oder Clearing-Stelle. Mehr Volumen, das auf der Plattform abgewickelt wird, heißt mehr Gebühren, heißt mehr Wert für die Plattform. Bei Ethereum ist diese Logik durch die Burn-Mechanik mathematisch sauber. Bei Solana ist sie weicher, weil Solana keinen vergleichbaren Burn-Mechanismus hat — die Gebühren fließen an Validatoren statt verbrannt zu werden.

Was nicht funktioniert — die drei oft genannten Pseudo-Mechaniken:

1. „Tokenisierte Vermögenswerte erhöhen die Nachfrage nach ETH, weil man ETH braucht, um sie zu kaufen." Nein. Ein tokenisierter Treasury-Token auf Ethereum wird typischerweise mit USDC oder einem anderen Stablecoin gekauft, nicht mit ETH. Ein Investor, der einen tokenisierten BlackRock-Fonds erwirbt, hält währenddessen keine einzige ETH. Die Gas-Gebühr für die Transaktion ist klein und betrifft eher den Burn als die Kaufnachfrage.

2. „Mehr Vermögenswerte on-chain heißt mehr DeFi-Nutzung, heißt mehr ETH-Verbrauch." In der Theorie ja. In der Praxis sind tokenisierte Treasuries und institutionelle Fonds bisher kaum in DeFi-Protokollen aktiv. Sie sitzen als Buy-and-Hold-Asset in Custody-Wallets. Erst wenn diese Token in größerem Maßstab als Sicherheiten in DeFi-Lending oder als Liquiditäts-Provider eingesetzt werden, schlägt sich das im Gas-Verbrauch nieder. Das ist eine zukünftige Möglichkeit, kein aktueller Effekt.

3. „BlackRock und JPMorgan werden ETH als Asset halten." Auch das ist eine missverstandene Erzählung. Die institutionellen Spieler halten ihre eigenen tokenisierten Produkte. Sie kaufen ETH nicht, um die Blockchain zu unterstützen — sie zahlen Gas, wenn sie es brauchen, und das war's. ETH als institutionelles Reserve-Asset gibt es bisher in geringem Umfang (vor allem über Spot-ETH-ETFs), aber das ist eine separate Bewegung mit eigener Logik, die nicht direkt mit Tokenisierung zusammenhängt.

Was sich auf den Coin-Preis nun wirklich auswirken sollte

Bringt man die wirksamen Mechaniken zusammen, ergibt sich ein nüchterneres Bild als die populärsten Threads vermuten lassen:

Für Ethereum: Tokenisierung ist ein langsam wirkender Rückenwind, der über den Gas-Burn und die Staking-Demand auf den Preis durchschlägt. Aber der größte Teil des Wachstums verlagert sich auf Layer-2, was die direkte Burn-Wirkung dämpft. Ethereum wird vermutlich der Hauptprofiteur des Tokenisierungs-Trends bleiben — aber der Effekt auf den Preis ist mittel- bis langfristig, nicht akut.

Für Solana: Wachstums-Story mit hoher Aufmerksamkeit, aber die Burn-Mechanik fehlt. Solana profitiert über die Staking-Demand und über das allgemeine Narrativ „institutionelles RWA-Geld kommt rein". Das hat in der Vergangenheit Preise gut bewegt, aber es ist eine weichere Mechanik als die Ethereum-Burn-Logik.

Für die zweite Reihe (BNB, Stellar, Avalanche, Arbitrum, Base): Hier wird es spannend. Diese Netzwerke wachsen schneller als ETH und SOL, aber von kleinerer Basis. Ihre Coins können bei erfolgreicher RWA-Nische überproportional zulegen — aber sie können auch komplett zurückfallen, wenn sich der Markt auf zwei oder drei Layer-1 konsolidiert. Das ist die typische Wette: höherer Hebel, höheres Verlustrisiko.

Für die Token mit fragwürdigem RWA-Bezug: Es gibt eine Reihe von kleineren Layer-1- und Layer-2-Projekten, die sich seit 2024 mit dem RWA-Label vermarkten, ohne dass nennenswertes Volumen tatsächlich auf ihrer Chain läuft. Diese Token reiten das Narrativ, ohne die fundamentale Untermauerung. In einer Sektor-Rotation in Richtung RWA können sie kurzfristig stark steigen — sie sind aber auch die ersten, die fallen, wenn die Erzählung kalt wird.

Welche Beobachtungs-Punkte für Trader und Bauer relevant sind

Wir versuchen auf der Backtesting Arena, methodisch ehrlich zu bleiben und keine Pump-Erzählungen weiterzudrehen, die unsere Daten nicht stützen. Aus dieser Logik heraus drei konkrete Beobachtungs-Punkte für Leute, die die Tokenisierungs-Welle als Investitions-These nehmen wollen:

1. RWA-Wert auf Ethereum als Frühindikator. Wenn die distributed RWA-Werte auf Ethereum stagnieren oder fallen, ist das ein Signal, dass die Tokenisierungs-Welle entweder abkühlt oder sich auf andere Chains verlagert. Beides ist relevant für die ETH-Bewertung. Daten dazu gibt es bei RWA.xyz öffentlich.

2. Layer-2-Anteil am Ethereum-Tokenisierungs-Volumen. Wenn der Anteil der Tokenisierungs-Aktivität, der auf Layer-2 statt auf Mainnet stattfindet, steigt, dann reduziert sich der direkte Burn-Effekt. Das ist keine schlechte Nachricht für Ethereum als Ökosystem (Layer-2 sind Teil davon), aber es ist eine schlechtere Nachricht für die Burn-Story rund um ETH-Knappheit. Diese Mechanik sollte man verstanden haben, bevor man auf eine Ethereum-Knappheits-These setzt.

3. Stablecoin-Verteilung als Wachstums-Vorlauf. Stablecoins sind die Eintrittskarte für jeden Tokenisierungs-Use-Case. Wo das Stablecoin-Volumen wächst, wächst tendenziell auch das tokenisierte Asset-Volumen — mit Verzögerung. Solanas hoher Stablecoin-Anteil ist deshalb sowohl ein aktueller Schwachpunkt (zu viel Konzentration auf eine Asset-Klasse) als auch ein potenzieller Wachstums-Vorlauf (die Infrastruktur ist da, andere Asset-Klassen können folgen).

Wo wir auf der Plattform die Anbindung sehen

Backtesting Arena bietet aktuell keine Strategien direkt auf tokenisierten Vermögenswerten, aus den Gründen, die wir im Detailpost zu tokenisierten Rohstoffen beschrieben haben: zu kurze Historie, zu spezielle Mechaniken. Was wir aber abdecken, ist das Underlying — also genau die ETFs, Aktien, Rohstoffe und Krypto-Assets, deren tokenisierte Varianten gerade on-chain ziehen.

Für Layer-1 und Layer-2 Coins bedeutet das: Wer eine These zu ETH, SOL, AVAX, ARB oder ähnlichen entwickeln will, kann das auf der Arena mit echten Daten und Strategien durchtesten. Crypto ist als Standard-Asset-Klasse für alle Pläne verfügbar.

Ein paar Hinweise aus unseren eigenen Backtests zu diesen Assets:

  • ETH und SOL verhalten sich zueinander wie höhere Beta auf BTC. SOL ist meist die volatilere Variante. In Bullenphasen läuft SOL stärker als ETH, in Korrekturen verliert SOL deutlicher. Das ist nicht RWA-spezifisch, aber es relativiert die Erzählung „SOL profitiert von RWA also kaufe ich SOL" — du kaufst damit primär einen höher-volatilen Krypto-Trade, der RWA-Effekt ist eine Schicht obendrauf.
  • Klassische Strategien wie RSI/SMA Cross oder Keltner Breakout funktionieren auf ETH und SOL ähnlich wie auf BTC — die Patterns sind ähnlich, die Volatilität ist höher. Das macht Risiko-Management wichtiger, nicht weniger wichtig.
  • Für eine reine RWA-These wäre nicht der Spot-Coin-Preis das interessanteste Backtest-Objekt, sondern die Korrelation zwischen tokenisiertem Asset-Volumen (z.B. BUIDL TVL oder USDC-Supply auf Ethereum) und dem Coin-Preis. Solche Korrelations-Analysen sind nicht das Kernprodukt unserer Plattform, aber sie sind ein interessanter analytischer Aufsatz, den man auf Basis öffentlich verfügbarer RWA.xyz-Daten selbst bauen kann.

Fazit

Tokenisierung ist real, sie wächst, und sie verändert die Bedeutung dessen, was eine Blockchain eigentlich ist. Aus „Spekulations-Casino" wird Schritt für Schritt „Settlement-Layer für institutionelle Vermögenswerte". Das ist die eigentliche Geschichte.

Was diese Geschichte aber nicht ist: eine einfache Long-Wette auf ETH oder SOL. Die Mechaniken, über die Tokenisierungs-Volumen auf Coin-Preise durchschlägt, sind real, aber sie sind langsamer, kleiner und indirekter, als die häufigsten Krypto-Threads suggerieren. Wer ETH kauft, weil BlackRock auf Ethereum tokenisiert, hat ein gültiges Argument — aber er sollte verstehen, dass dieses Argument einen Teil des Hebels über Gas-Burn und Staking-Demand bekommt, nicht über direkte ETH-Nachfrage seitens BlackRock.

Im Maßstab der nächsten 3-5 Jahre ist Ethereum der wahrscheinlichste Hauptprofiteur, mit Solana als wichtigstem Herausforderer und einem Schwarm von Layer-2 und Spezial-Layer-1, die in Nischen mitspielen. Welches Verhältnis das in fünf Jahren konkret annimmt, ist offen — Wachstumsraten sind aktuell zwar zu Gunsten der Herausforderer, aber Marktführer-Vorteile in Standardisierung und Compliance sind langlebiger als Wachstumsraten.

Was wir mit Sicherheit sagen können: Wer in fünf Jahren rückblickend nachvollziehen will, was passiert ist, wird sich nicht nur Coin-Preise anschauen müssen, sondern auch die Verteilung der tokenisierten Werte auf den Chains. Diese Verteilung ist der eigentliche Indikator. Die Coin-Preise sind eine Ableitung davon.

FAQ

Profitieren alle Layer-1-Coins gleichmäßig von der Tokenisierungs-Welle? Nein, im Gegenteil. Die Verteilung ist stark konzentriert: Ethereum hält rund zwei Drittel aller tokenisierten Werte, BNB Chain und Solana kommen zusammen auf etwa 12 %, der Rest verteilt sich auf eine zweistellige Zahl kleinerer Chains. Der Effekt auf den jeweiligen Coin hängt zudem nicht nur vom Volumen ab, sondern auch von der Mechanik des Coins (Burn, Staking-Demand, Gebühren-Logik).

Wirkt sich ein RWA-Boom direkt auf den ETH-Preis aus? Indirekt. Wachsende RWA-Aktivität auf Ethereum erhöht den Gas-Verbrauch und damit den ETH-Burn (deflationärer Druck) und kann die Staking-Demand erhöhen. Allerdings findet zunehmend ein Großteil der Aktivität auf Layer-2 statt, was diese direkten Effekte abmildert. Eine starke „RWA-Pump-These" auf ETH überschätzt typischerweise die kurzfristige Wirkung.

Welche Layer-1 außer Ethereum sollte man im Blick haben? Aus heutiger Sicht: Solana (höchstes Wachstum, starkes Stablecoin-Standbein), BNB Chain (regulatorische Klarheit in Asien und Mittlerer Osten), Stellar (Treasury-Spezialist mit Franklin Templeton), Avalanche (institutionelle Subnetze für JPMorgan und Citi). Bei Layer-2: Arbitrum und Base als Trading-Layer für tokenisierte Aktien und Fonds.

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