Token Terminal hat in seinem aktuellen Research-Newsletter eine Zahl genannt, die einen aufhorchen lässt: Tokenisierte Rohstoffe sind mittlerweile ein 5,3-Milliarden-Dollar-Sektor — und davon entfallen über 90 % auf zwei Gold-Token. Tethers XAUT (2,7 Mrd. USD) und Paxos' PAXG (2,3 Mrd. USD) dominieren so eindeutig, dass die anderen 64 erfassten Token gemeinsam auf gerade einmal 293 Mio. USD kommen.
Gold war der natürliche erste Schritt. Es ist der historische Inflations-Hedge schlechthin, und der Anstieg über 5.000 USD pro Unze im Januar 2026 hat die Nachfrage nach digital handelbaren Gold-Hedges weiter befeuert. Aber das Spannende passiert jetzt jenseits davon: Silber, Öl und Kupfer kommen on-chain — und sie verhalten sich strukturell anders als Gold.
Das ist relevant für jeden, der die Commodity-Asset-Klasse ernst nimmt. Und es hat ein paar nicht-offensichtliche Konsequenzen für Backtesting, die wir uns gleich anschauen.
Die wichtigsten Outlier — und was sie eigentlich abbilden
Drei Token von Ondo Finance dominieren den Non-Gold-Bereich:
| Token | Underlying | Marktkap. (laut Token Terminal) | Was es abbildet |
|---|---|---|---|
| SLVon | iShares Silver Trust (SLV) | 29,9 Mio. USD | physisches Silber |
| USOon | United States Oil Fund (USO) | 3,7 Mio. USD | Öl-Futures (rolling) |
| COPXon | Global X Copper Miners ETF (COPX) | 1,8 Mio. USD | Kupfer-Minen-Aktien |
Wichtig — und in vielen Krypto-News-Berichten verwischt: Diese Token bilden nicht den Spotpreis des Rohstoffs ab, sondern den Preis des jeweiligen US-ETFs. Das ist ein wichtiger Unterschied, der besonders bei USOon und COPXon ins Gewicht fällt.
- SLVon ≈ Silber: SLV ist mit physischem Silber besichert. Tracking-Differenz minimal. Wer SLVon hält, hält ökonomisch ungefähr Silber.
- USOon ≠ Öl-Spotpreis: USO hält Öl-Futures-Kontrakte, die regelmäßig gerollt werden. Bei einer Contango-Marktstruktur — wenn ferne Futures teurer sind als nahe — verliert USO über die Zeit Substanz, auch wenn der Öl-Spotpreis stabil bleibt. Wer USOon kauft und denkt „ich habe Öl-Exposure", hat eigentlich „Öl-Exposure mit Roll-Yield-Drag". Das ist nicht falsch — aber es ist nicht dasselbe.
- COPXon ≠ Kupferpreis: Hier ist die Diskrepanz am größten. COPX ist ein ETF auf Kupfer-Minen-Aktien — Freeport-McMoRan, Southern Copper, BHP etc. Diese Aktien korrelieren mit dem Kupferpreis, sind aber zusätzlich von Förderkosten, Energiepreisen, geopolitischen Risiken in den Förderländern und allgemeiner Aktienmarkt-Volatilität getrieben. COPXon ist näher an einem Equity-Sektor-Wett als an einer reinen Rohstoff-Wette.
Diese Unterschiede sind keine Trivialitäten. Sie ändern, was du eigentlich backtestest, wenn du eine Commodity-Strategie auf diese Token anwendest.
Was die Daten zeigen — und was nicht
Token Terminal liefert zwei Beobachtungen, die für Trader relevant sind:
Beobachtung 1: Silber-Wachstum ist real. SLVon ist YTD um rund 48 % in der Marktkapitalisierung gewachsen. Das deckt sich mit dem makroökonomischen Bild — Silber rallyt parallel zu Gold, getrieben von industrieller Nachfrage (Solar, EV) plus Safe-Haven-Flows.
Beobachtung 2: USOon spiegelt Geopolitik fast in Echtzeit. Beim Beginn der Hormus-Krise im März 2026 sprang das wöchentliche Transfer-Volumen von USOon auf über 100 Mio. USD. Das Volumen begann zu steigen, als die USA und Israel Luftangriffe auf Iran starteten, und erreichte seinen Höhepunkt, als Öl an die 100-Dollar-Marke kletterte.
Das zweite ist die eigentlich interessante Geschichte. Es ist die erste belastbare Evidenz dafür, dass tokenisierte Rohstoffe als On-chain-Hedging-Vehikel für geopolitische Schocks funktionieren — schneller verfügbar als ein klassisches Brokerage-Konto, ohne Wochenend-Schließzeiten, ohne KYC-Prozess für Nutzer, die schon eine Wallet haben.
Das ist auch das Argument für Wachstum jenseits von Gold. Wenn 1 % der SLV-AUM (ca. 35,7 Mrd. USD) in SLVon flösse, läge dessen Marktkapitalisierung bei rund 357 Mio. USD — das Zehnfache des aktuellen Standes. Die Reference-ETFs geben dem Sektor eine klare Wachstums-Skala.
Warum man diese Token (noch) nicht klassisch backtesten kann
Hier wird es technisch — und für unsere Plattform relevant.
Problem 1: Datenhistorie. SLVon, USOon und COPXon sind alle nach dem Launch von Ondo Global Markets im September 2025 entstanden. Die ältesten haben weniger als 12 Monate Preishistorie. Das ist methodisch zu wenig für jede ernsthafte Backtest-Aussage. Eine RSI-Strategie auf SLVon mit 8 Monaten Daten ist statistisches Rauschen, kein Signal.
Problem 2: Handelszeiten-Asymmetrie. Ondo-Token handeln ihre Kauf/Verkauf-Funktion 24/5 (Mo 08:00 ET bis Fr 19:59 ET), Peer-to-Peer-Transfers laufen 24/7. Das Underlying — SLV, USO, COPX — handelt nur an US-Börsentagen, ca. 9:30–16:00 ET. Das schafft Lücken, in denen der Token-Preis nicht direkt mit dem ETF-Preis kalibrierbar ist. Wer am Samstag SLVon kauft, kauft gegen einen synthetischen Preis, der Freitag-Schluss + Markterwartung kombiniert.
Problem 3: Roll-Yield bei USOon. Wer eine Long-Strategie auf USOon backtestet und dabei den Öl-Spotpreis als Proxy nutzt, übersieht den Roll-Yield-Drag von USO. Bei Contango (Normalzustand der letzten Jahre) verliert USO ~5–15 % p.a. zum Spot. Backtest-Ergebnisse, die diese Mechanik ignorieren, sind systematisch zu optimistisch.
Problem 4: COPXon ist Equity, nicht Commodity. Backtests, die COPXon als „Kupfer-Exposure" behandeln, behandeln in Wahrheit eine kleine Auswahl von Bergbauaktien als Rohstoff. Korrelationen zum Kupferpreis liegen historisch bei 0,7–0,8, aber mit deutlich höherer Volatilität. Eine Mean-Reversion-Strategie, die auf reinen Kupferpreis-Daten kalibriert wurde, performt auf COPX(on) anders.
Was das für unsere Plattform bedeutet
Backtesting Arena bietet aktuell Commodities als eigene Asset-Klasse für Elite-Tier-User — über die zugrundeliegenden ETFs wie GLD, SLV, USO, COPX (siehe unsere Symbol-Liste). Das ist die methodisch ehrliche Variante: Du bekommst die volle Historie der ETFs, oft 10+ Jahre Tagesdaten, mit korrekter Marktzeit-Logik.
Was wir aus der aktuellen Tokenisierungs-Welle mitnehmen — ohne sofort Features zu versprechen, die wir nicht halten:
1. Tokenisierte Rohstoffe direkt backtesten lohnt aktuell nicht. Ein zukünftiger SLVon-Backtest hätte 8 Monate Daten. Ein SLV-Backtest hat 18 Jahre. Bis sich die Token-Historie auf 3+ Jahre verlängert, sind ETF-Backtests aussagekräftiger und werden von uns auch weiterhin als Standard-Pfad geführt.
2. Roll-Yield-Bewusstsein ist eine echte Lücke. Wer auf unserer Plattform eine USO-Strategie backtestet, sieht die Performance des ETFs — also bereits inklusive Roll-Yield. Das ist korrekt. Aber wir denken darüber nach, in den Strategy-Insights für USO eine Notiz aufzunehmen, die auf den strukturellen Roll-Yield-Drag hinweist. Das ist Kontext, kein Code.
3. Geopolitik-Reaktivität als Daten-Layer. Die USOon-Volumenspitze während der Hormus-Krise ist ein Vorgeschmack auf einen interessanten Daten-Punkt: Wie schnell reagieren On-chain-Rohstoff-Token auf geopolitische Ereignisse, und gibt es Vorlauf-Signale gegenüber den klassischen ETFs? Das ist potenziell ein eigener Indikator — aber Daten- und Aufwand-Frage. Auf der „interessante Idee, nicht Roadmap"-Liste.
4. Wenn Tokenisierung wirklich skaliert, müssen Backtest-Tools mitziehen. Heute sind 5,3 Mrd. USD Marktkapitalisierung Nische. Wenn der Sektor in 3–5 Jahren bei 50–100 Mrd. USD steht und Tokens 3+ Jahre Historie haben, werden direkte Token-Backtests sinnvoll. Bis dahin ist die Antwort auf „backtest mein SLVon-Setup" weiterhin: backteste auf SLV, das ist ökonomisch ~98 % das Gleiche.
Fazit
Tokenisierte Rohstoffe sind technisch faszinierend, ökonomisch noch klein — aber strukturell wachsen sie an einer interessanten Stelle. Sie bieten 24/7-Zugang zu Asset-Klassen, die traditionell hinter Brokerage-Konten und Marktzeiten versteckt sind.
Für Backtester gilt aktuell: Die Daten sind zu jung, die Token-Mechaniken zu speziell, und das Underlying ist meist die methodisch sauberere Wahl. Aber der Sektor verdient die Aufmerksamkeit. Was während der Hormus-Krise mit USOon passiert ist, war keine Tagesnews — das war ein Proof-of-Concept für eine Vehikel-Klasse, die in den nächsten Jahren erwachsen wird.
Wenn das passiert, sind die Werkzeuge dafür eine Frage. Ob sie heute schon perfekt funktionieren, ist eine andere.
FAQ
Bietet Backtesting Arena Backtests auf SLVon, USOon oder COPXon an? Nicht direkt. Wir bieten Backtests auf den zugrundeliegenden ETFs (SLV, USO, COPX) als Teil unserer Commodities-Asset-Klasse für Elite-Plan-User. Wegen der kurzen Historie (<12 Monate) der Token selbst sind direkte Token-Backtests aktuell nicht aussagekräftig.
Ist USOon dasselbe wie Öl-Long-Exposure? Wirtschaftlich nahe, aber nicht identisch. USOon spiegelt USO, der Öl-Futures-Kontrakte hält und rollt. Bei Contango — der typischen Öl-Marktstruktur — entsteht ein Roll-Yield-Drag von etwa 5–15 % pro Jahr gegenüber dem Spotpreis. Wer Öl-Exposure ohne diesen Drag will, kommt an Brent- oder WTI-Futures direkt nicht vorbei.
Warum wachsen tokenisierte Rohstoffe gerade jetzt? Drei Treiber kommen zusammen: makroökonomische Nachfrage nach Hard-Asset-Hedges (Inflation, Geopolitik), reife DeFi-Infrastruktur, die 24/7-Handel ermöglicht, und ein wachsender globaler Markt von Krypto-Nutzern, die Rohstoff-Exposure ohne klassisches Brokerage suchen — vor allem außerhalb der USA, wo Plattformen wie Ondo Global Markets aktiv sind.