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Look-Ahead-Bias in Makro-Daten: Warum wir unsere Regime-Historie neu gerechnet haben

Look-Ahead-Bias verfälscht Backtests, wenn Makro-Daten rückwirkend korrigiert werden. Warum wir unsere Regime-Historie zeitpunktgenau neu gerechnet haben.

Backtesting Arena·16. Juli 2026·4 Min. Lesezeit·4 Aufrufe
Look-Ahead-Bias in Makro-Daten: Warum wir unsere Regime-Historie neu gerechnet haben

Wer diese Woche einen Backtest nach dem Makro-Regime gefiltert hat, sieht an manchen Tagen eine andere Einstufung als vorher. Der Markt hat sich nicht rückwirkend verändert. Wir haben einen Fehler in der Engine gefunden, die diese Historie berechnet, und ihn behoben. Der Fehler hat einen Namen: Look-Ahead-Bias — man bewertet die Vergangenheit mit Wissen, das damals noch gar nicht da war. Es ist genau der Fehler, gegen den unsere ganze Methode gebaut ist. Deshalb erzählen wir die ganze Geschichte, statt die Zahl leise zu verschieben.

Was das Makro-Regime überhaupt macht

Die Makro-Einordnung beantwortet eine Frage: In welchem wirtschaftlichen Umfeld steckte der Markt an einem bestimmten Tag? Wir teilen das in vier Felder auf, aufgespannt aus Wachstum, Geldmenge und Finanzlage. Die Zutaten kommen aus der FRED-Datenbank der US-Notenbank: Industrieproduktion, Finanzbedingungen, Arbeitsmarkt.

Der Fehler saß nicht in der Rechnung, sondern in den Zutaten

Um das Regime für einen Tag im Jahr 2019 zu bestimmen, haben wir die FRED-Werte benutzt, wie sie heute aussehen — nicht so, wie sie damals verfügbar waren. Das klingt harmlos. Ist es nicht.

Warum FRED-Daten ein Sonderfall sind

Man könnte denken: Behörden korrigieren höchstens die letzten paar Wochen, der Rest steht fest. Bei FRED stimmt das nicht. Die Chicago Fed rechnet ihren Index der Finanzlage, den NFCI, jede Woche neu — und zwar über die gesamte Geschichte, nicht nur am aktuellen Rand.

Ein Beispiel, das man selbst nachschlagen kann: Der Wert für den 1. Dezember 2023 stand damals, in Echtzeit, bei −0,446. Derselbe Tag steht heute bei −0,332. Die Industrieproduktion wird obendrein umbasiert: Ein Stand von rund 102,7 wurde später zu 100,6, etwa zwei Prozent tiefer — rückwirkend über Jahre.

Wer die Vergangenheit mit den heutigen Ständen bewertet, sieht also nicht, was der Markt damals sah. Er schummelt sich Wissen aus der Zukunft in die Rechnung.

Wie groß der Effekt war

Wir haben ihn gemessen, statt ihn zu schätzen. Auf dem Teil der Historie, der sich sauber zeitpunktgenau prüfen lässt, drehte rund ein Drittel der Einstufungen, sobald wir korrekt gerechnet haben: 30,6 Prozent über die ganze Geschichte, 33,4 Prozent auf dem sauber prüfbaren Ausschnitt (Stand Juli 2026, Neuberechnung des Modells).

Das ist kein Rundungsfehler. Das ist ein Drittel der Vergangenheit, das sich anders einordnete, als es sich im jeweiligen Moment tatsächlich angefühlt hätte. Und ein Backtest, der auf dieser Vergangenheit aufbaut, erbt den Fehler still.

Was wir gebaut haben

Die Lösung heißt Point-in-Time: Wir halten jeden FRED-Wert so fest, wie er am Tag der Beobachtung aussah. Wir schreiben also jede spätere Korrektur mit, statt den alten Wert zu überschreiben — knapp eine halbe Million Stände zurück bis 2010. Wenn wir die Historie durchrechnen, spielen wir die Tage streng der Reihe nach ab, von früh nach spät.

Der entscheidende Teil: Sobald die Rechnung versuchen würde, rückwärts auf einen späteren Wert zuzugreifen, bricht sie mit einer Fehlermeldung ab. Der Griff in die Zukunft ist nicht erlaubt — er ist unmöglich gemacht.

Beweis statt Trefferquote

Hier ist der Unterschied, auf den es ankommt. Manche Zyklus-Werkzeuge werben mit einer Trefferquote: „Unser Score hat so-und-so-viele vergangene Hochs und Tiefs erkannt", gemessen gegen eine Handvoll von Hand herausgesuchter Wendepunkte.

So ein Test ist nicht wertlos — er ist eine vernünftige erste Kontrolle. Aber er ist kein Beweis. Er prüft nur die Fälle, die man selbst ausgesucht hat, und schweigt über alle anderen. Bei uns gilt ohnehin: unter 30 Fällen ist das eine Anekdote, kein Beleg.

Wir gehen den anderen Weg. Der Test, den wir fahren, prüft nicht das Ergebnis, sondern die Konstruktion: Er verlangt, dass die Rechnung auf jedem Anfangsstück der Daten dasselbe liefert wie auf dem Ganzen. Ändert sich das Ergebnis für den 1. März 2020, sobald später Daten dazukommen, dann hat die Rechnung heimlich nach vorn geschaut — und der Test schlägt an. Über die gesamte echte Historie, nicht gegen zwölf Stichproben. Das ist der mechanische Nachweis, dass kein Blick in die Zukunft drinsteckt. Kein Handzählen nötig.

Die Grenze, die wir nicht verstecken

Vollständig zeitpunktrein ist die Historie erst ab dem 4. Februar 2019. So weit zurück reicht der öffentliche Datensatz mit den alten Ständen, nicht weiter. Für die Zeit davor greifen wir auf die korrigierten Werte zurück — und schreiben an jede betroffene Zeile genau das dran. Kein stiller Rückfall: Wo ein Wert nicht sauber zeitpunktgenau ist, steht es dabei, und du kannst ihn aus deiner Auswertung nehmen.

Kein Vorsprung, den sonst keiner haben könnte

Ein Satz, den wir uns sparen könnten, aber nicht sparen: Das ist kein Geheimwissen. Die alten FRED-Stände sind öffentlich, jeder könnte sie sich holen. Wir haben keine Exklusivität gekauft, sondern nur die Korrektheit. Der einzige Unterschied ist, dass wir es gemacht haben.

Was das für dich heißt

Jeder Backtest, der nach dem Makro-Regime filtert oder die Ergebnisse nach Regime aufschlüsselt, liest ab sofort die korrigierte, zeitpunktgenaue Historie. Bei einzelnen Strategien hat sich die Regime-Abhängigkeit dadurch verschoben — in die richtige Richtung. Und du musst uns nicht glauben — an jeder Zeile steht die Prüfmarke, ob der Wert sauber zeitpunktgenau ist oder nicht.

Du musst uns nicht glauben — du kannst es nachrechnen.

Häufige Fragen

Was ist Look-Ahead-Bias? Man bewertet die Vergangenheit mit Daten, die es damals noch nicht gab. Im Backtest führt das zu Ergebnissen, die in echter Zeit nie erreichbar gewesen wären — der häufigste Fehler in selbstgebauten Tests.

Warum ändern sich FRED-Daten rückwirkend? Viele Reihen werden nachträglich korrigiert oder neu berechnet. Der NFCI der Chicago Fed wird wöchentlich über die komplette Geschichte neu geschätzt; Reihen wie die Industrieproduktion werden umbasiert.

Was bedeutet Point-in-Time? Man rechnet nur mit den Werten, die an einem Stichtag tatsächlich verfügbar waren — nicht mit den seither korrigierten. So sieht das Modell dasselbe wie ein Beobachter damals.

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