Vor ein paar Tagen haben wir uns gefragt: Was wäre, wenn wir Funding Rates als Handelssignal nutzen?
Die Idee klingt überzeugend. Funding Rates bei Perpetual-Futures sind die Kosten, eine Longposition offen zu halten. Wenn sie stark positiv sind, zahlen Longs an Shorts — das passiert, wenn der Markt überhitzt und zu viele auf steigende Kurse wetten. Wenn sie negativ werden, drehen die Verhältnisse um.
Daraus lassen sich zwei Handelssignale ableiten:
BUY-Signal: Funding stark negativ → Shorts dominieren → Konträr kaufen. Filter: Funding stark positiv → Longs überhitzt → Bestehende Kaufsignale blockieren.
Klingt plausibel. Also haben wir es getestet.
Die Methode
Datenbasis: Tägliche Funding Rates für BTC von September 2019 bis Juni 2026. Das sind 2.462 Handelstage, gemittelt über Binance und OKX.
Wir haben einen rollierenden 30-Tage-Z-Score berechnet. Der normalisiert das Signal über verschiedene Marktphasen — "extrem hoch" bedeutet dann immer dasselbe, egal ob wir uns in einem Bullenmarkt oder Bärenmarkt befinden.
Verteilung der Z-Score-Werte:
- Z > +1,5 (extrem viele Longs): 9 % aller Tage
- Z < −1,5 (extrem viele Shorts): 8,3 % aller Tage
- Neutralbereich: 82,7 % aller Tage
Selten genug, um relevant zu sein — dachten wir.
Wir haben zwei Szenarien getestet:
Szenario A — Standalone-Strategie: Kaufe, wenn der Z-Score zum ersten Mal unter −1,5 fällt. Verkaufe, wenn er wieder über 0 steigt, oder nach 30 Tagen.
Szenario B — Filter: Nimm Kaufsignale aus einer anderen Strategie — blockiere sie aber, wenn der Z-Score über +1,5 liegt.
Die Ergebnisse
Szenario A produzierte 93 Trades in 7 Jahren:
- Trefferquote: 53,8 %
- Durchschnittlicher Return pro Trade: +1,14 %
- Durchschnittliche Haltedauer: 5 Tage
Technisch leicht positiv. Nach Gebühren wahrscheinlich null oder negativ. Keine tragfähige Strategie.
Szenario B ist die eigentliche Überraschung:
| Zustand | Ø 30-Tage-Return | Trefferquote |
|---|---|---|
| Funding normal (erlaubt) | +4,23 % | 54,1 % |
| Funding hoch, Z > 1,5 (geblockt) | +6,95 % | 62,3 % |
| Funding sehr hoch, Z > 2,5 | +9,87 % | 64,5 % |
Der Filter hätte genau die besten Kaufzeitpunkte blockiert.
Warum?
Weil hohe Funding Rates nicht auf eine Umkehr hinweisen — sie begleiten starke Trends.
In einem echten Bullenmarkt bleibt die Funding Rate wochenlang erhöht. Der Markt bestraft Shorts kontinuierlich, während der Trend weiterläuft. Der Mean-Reversion-Effekt, auf den wir gesetzt haben, existiert — er ist aber zu schwach und zu verzögert, um in 30 Tagen messbar zu sein.
Hohe Funding = der Markt läuft. Kein Ausstiegssignal.
Was wir daraus mitnehmen
Funding Rate Z-Score ist in dieser Form kein nützliches Signal und kein nützlicher Filter für BTC-Käufe.
Man könnte argumentieren: Kombiniere es mit Trend-Kontext. Blockiere Käufe nur bei hoher Funding UND sichtbarer Momentum-Divergenz. Das ist aber dann im Grunde ein Momentum-Divergenz-Signal — das Funding-Element trägt wenig bei.
Wir legen die Idee vorerst auf Eis.
Das Wichtigste daran ist nicht das Ergebnis. Es ist der Prozess: eine Idee formulieren, eine konkrete Implementierung bauen, an echten Daten testen, ehrlich berichten.
Manchmal lautet die Antwort: funktioniert nicht. Das hat genauso viel Wert wie ein positives Ergebnis — es spart Zeit und schützt vor falschen Überzeugungen.
Methodik: Tägliche Funding Rates (Binance + OKX), BTC-Spotpreise, 30-Tage rollierender Z-Score. Keine Transaktionskosten berücksichtigt. Keine Anlageberatung.