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Drei Gold-Bullenmärkte - vier Bitcoin-Bullenmärkte — und warum der fünfte alles verändert

Gold hatte drei große Hausse-Wellen seit 1971. Bitcoin hat in nur 17 Jahren bereits vier durchlaufen. Die fünfte beginnt gerade — und sie ist neu.

Backtesting Arena·29. April 2026·9 Min. Lesezeit·1 Aufrufe
Drei Gold-Bullenmärkte - vier Bitcoin-Bullenmärkte — und warum der fünfte alles verändert

Wer einen Gold-Chart über die letzten 55 Jahre anschaut, sieht keine gerade Linie nach oben. Er sieht drei deutliche Wellen — drei klar abgegrenzte Hausse-Phasen, getrennt durch Jahre der Stagnation oder des Abstiegs. Jede dieser drei Wellen hatte einen anderen, klar identifizierbaren Auslöser.

Genau das macht Gold zu einem so wertvollen Lehrmeister für Bitcoin-Investoren. Aber die echte Erkenntnis kommt erst, wenn man Bitcoins eigene Wellen-Historie sauber daneben legt: Bitcoin hat in nur 17 Jahren bereits vier komplette Hausse-Wellen durchlaufen — und die fünfte beginnt gerade.

Das ist das Tempo, in dem Bitcoin das spielt, Gold brauchte dazu ein halbes Jahrhundert.

Die erste Gold-Hausse: 1971-1980 — Der monetäre Reset

Am 15. August 1971 unterbrach Richard Nixon eine "Bonanza"-Folge in Millionen amerikanischer Wohnzimmer, um eine technische Anpassung der Währungspolitik anzukündigen. So zumindest klang es.

Was Nixon tatsächlich tat: Er beendete eine 27 Jahre alte Welt-Währungsordnung. Bretton Woods war zerschlagen. Der Dollar nicht mehr durch Gold gedeckt. Gold konnte zum ersten Mal seit Generationen frei gehandelt werden.

Das System hatte Risse bekommen, weil die USA zu viele Dollar gedruckt hatten — Vietnamkrieg, "Great Society"-Programme, Auslandsausgaben. Frankreichs Charles de Gaulle ließ regelmäßig Gold zurückholen, physisch, mit Schiff nach Paris. Andere Länder folgten. Der Run war im Gang. Nixon kappte die Verbindung, bevor das Spiel ganz zerfiel.

Die Rallye, die folgte, war monumental: Von $35 auf $850 in neun Jahren. Plus 24-fach. Das letzte Hausse-Jahr 1979 allein brachte +127%, getrieben von Iran-Revolution und Sowjet-Einmarsch in Afghanistan.

Dann kam Volcker. Die Fed hob die Leitzinsen auf bis zu 20%. Reale Renditen wurden massiv positiv. US-Staatsanleihen wurden plötzlich attraktiver als Gold. Rallye 1 endete abrupt.

Es folgten 20 Jahre Bärenmarkt. Wer 1980 am Top kaufte, brauchte fast 28 Jahre, um sein Geld nominell zurückzubekommen.

Die zweite Gold-Hausse: 2003-2011 — Das ETF-Zeitalter

Der eigentliche Wendepunkt kam am 18. November 2004, als die SPDR Gold Shares (GLD) an der NYSE starteten. Investoren strömten mehr als $1 Milliarde in den Fonds in seinen ersten drei Handelstagen — der schnellste ETF-Start in der Geschichte.

Was passierte? Gold wurde zur Mainstream-Asset-Klasse. Pensionsfonds, Versicherungen, RIAs — alle die Pools, die vorher nicht in Gold investieren konnten oder wollten, hatten plötzlich einen einfachen Weg.

Das Ergebnis: Der Gold-Preis vervierfachte sich in den ersten sieben Jahren des Fonds. Von etwa $440 (Ende 2004) auf über $1.900 (September 2011). Die Finanzkrise 2008 war der emotionale Verstärker, aber der ETF war der strukturelle Auslöser.

Auch der zweite Bullenmarkt hatte sein Top. Im September 2011 stand Gold bei $1.920. Was folgte, waren 9 Jahre Seitwärtsbewegung — bis 2020.

Die dritte Gold-Hausse: 2020-? — Die Zentralbank-Welle

Welle 3 begann leise mit COVID 2020 und beschleunigte 2024-2025 dramatisch. Allein 2025 legte Gold 65% zu — die schärfste Jahresperformance seit 1979.

Aber wer dachte, das wären wieder ETF-Investoren wie 2003-2011, irrt. Gold-ETPs blieben weitgehend flach. Stattdessen: Zentralbanken kaufen Gold im Rekordtempo. Allein in den ersten drei Quartalen 2025 fügten sie 634 Tonnen zu ihren Reserven hinzu. China, Polen, Indien, Türkei führen die Liste an.

Was treibt diese Rallye? Nicht Inflation. Nicht ETFs. De-Dollarisierung. Der Auslöser war 2022, als die USA und Europa Russlands Devisenreserven einfroren. Für jede nicht-westliche Zentralbank der Moment der Erkenntnis: USD-Reserven sind politisches Risiko.

| Welle | Periode    | Auslöser                              | Multiple    | Endpunkt-Mechanik         |
|-------|------------|---------------------------------------|-------------|---------------------------|
| 1     | 1971-1980  | Bretton-Woods-Kollaps                 | ~24×        | Volcker-Zinsschock        |
| 2     | 2003-2011  | ETF-Demokratisierung + Finanzkrise    | ~5×         | Fed-Tapering 2013         |
| 3     | 2020-?     | Zentralbank-Reserven-Diversifikation  | ~3× (laufend) | offen                   |

Drei Rallyes über 55 Jahre. Drei verschiedene Auslöser. Dasselbe Asset.

Bitcoin: Vier Bullenmärkte in 17 Jahren

Jetzt schauen wir uns Bitcoins eigene Hausse-Geschichte an — und werden überrascht. Bitcoin braucht keine 55 Jahre für drei Wellen. Bitcoin hatte in 17 Jahren bereits vier klar identifizierbare Wellen, jede mit eigenem Auslöser, eigenem Top und eigenem darauf folgenden Bärenmarkt:

| Welle | Periode    | Auslöser                          | Top              | Bear-DD | Investorenklasse         |
|-------|------------|-----------------------------------|------------------|---------|--------------------------|
| 1     | 2010-2013  | Genesis, Mt. Gox-Era              | $1.127 (Nov 13)  | -87%    | Crypto-Native, Cypherpunks|
| 2     | 2015-2017  | Retail-Mania, ICO-Hype            | $19.665 (Dez 17) | -84%    | Retail (Krypto-Mainstream)|
| 3     | 2018-2021  | Macro/Institutional, COVID-QE     | $69.044 (Nov 21) | -77%    | Hedge Funds, Corporates  |
| 4     | 2022-2025  | Spot-ETF-Approval                 | $126.198 (Okt 25)| -38% (laufend)| Wealth Manager, RIAs |

Schaut man sich das genau an, fallen drei Dinge auf:

Erstens: Jede Welle hatte einen anderen Hauptdarsteller. Welle 1 waren Bitcoin-Pioniere und Cypherpunks, die selbst minen oder physisch Bitcoin halten konnten. Welle 2 war Retail-getrieben — Mainstream-Aufmerksamkeit, ICO-Mania, "der Nachbar fängt an, in Crypto zu investieren". Welle 3 brachte zum ersten Mal echte institutionelle Beteiligung ins Spiel — MicroStrategy, Tesla, Square als Corporate-Käufer, Hedge-Funds als Trader. Welle 4 öffnete schließlich Bitcoin für regulierte Wealth Manager und RIAs durch den Spot-ETF.

Zweitens: Die Drawdowns werden flacher. -87%, -84%, -77%, -38% (bisher). Mit jedem Zyklus wird Bitcoin marktreifer. Was 2014 ein 87%-Crash war, ist 2025 ein 38%-Drawdown.

Drittens: Die Multiples werden kleiner. Welle 1 ging von $1 auf $1.127. Welle 4 von $42.000 auf $126.198. Die exponentielle Phase ist mathematisch nicht unendlich wiederholbar. Mit jedem Zyklus wird die Aufwärtsbewegung kleiner, aber die Marktkapitalisierung größer.

Das ist die natürliche Reifekurve einer Asset-Klasse. Gold hat sie über 55 Jahre durchlaufen — Bitcoin in 17.

Die Parallelen, sauber gegenübergestellt

Jetzt wird die Vergleichs-Tabelle richtig interessant. Bitcoin spielt das Gold-Drehbuch nicht 1:1, aber es spielt ähnliche Rollen mit anderem Tempo:

| Treiber                       | Gold                          | Bitcoin                          |
|-------------------------------|-------------------------------|----------------------------------|
| Anfangsphase / Pioniere       | 1971-1980 (Welle 1)           | 2010-2013 (Welle 1)              |
| Retail-Awareness / Mainstream | (übersprungen, Gold war alt)  | 2015-2017 (Welle 2)              |
| Institutional-Einstieg        | (gradueller Prozess in 80er)  | 2018-2021 (Welle 3)              |
| Mainstream-Zugang via ETF     | 2003-2011 (Welle 2)           | 2022-2025 (Welle 4)              |
| Zentralbanken                 | 2020-? (Welle 3)              | El Salvador 2021, kommend?       |
| Yield-Vehikel (Fixed Income)  | nie                            | 2025-? (Welle 5, neu)            |

Zwei Dinge fallen auf: Erstens, Bitcoin hat eine "Retail-Welle" (2015-2017), die Gold so nie hatte — Gold war 1971 schon 5000 Jahre alt und brauchte keine Retail-Aufklärung. Zweitens — und das ist der wichtigste Punkt dieses ganzen Artikels — Bitcoin steht jetzt vor einer Welle, die Gold nie hatte.

Welle 5: Etwas Beispielloses

Während wir diesen Text schreiben, baut Strategy (ehemals MicroStrategy) einen Mechanismus auf, der etwas tut, was bei Gold strukturell unmöglich war: Er wandelt Bitcoin in ein Fixed-Income-Produkt um, das den Bond-Markt direkt angreift.

Das Instrument heißt STRC — Variable Rate Series A Perpetual Preferred Stock. Aktueller Yield: 11,5%, monatliche Auszahlung, Nasdaq-notiert, tagesliquide. In einer Welt, in der eine 10-jährige US-Staatsanleihe rund 4% bringt, ist das eine andere Liga.

Allein in der Woche, in der wir diesen Artikel finalisieren, kaufte Strategy 13.927 BTC für rund 1 Milliarde Dollar — ohne eine einzige neue Stammaktie auszugeben. Das gesamte Kapital kam aus STRC-Emissionen. Der größte Corporate-Bitcoin-Halter der Welt ist im Bärenmarkt kein Zwangsverkäufer, sondern ein beschleunigter Käufer.

Warum verändert das alles? Weil es eine fünfte Investorenklasse für Bitcoin erschließt — eine, die in den vorherigen vier Wellen gar nicht adressiert werden konnte:

| Welle | Investorenklasse              | Zugriff via                                  |
|-------|-------------------------------|----------------------------------------------|
| 1     | Crypto-Native, Cypherpunks    | Mining, Mt. Gox, Eigenverwahrung             |
| 2     | Retail (Mainstream)           | Coinbase, Binance, Krypto-Apps               |
| 3     | Hedge Funds, Corporates       | OTC-Desks, Treasury-Käufe                    |
| 4     | Wealth Manager, RIAs          | Spot-ETFs (IBIT, FBTC)                       |
| 5     | **Fixed-Income-Investoren**   | **Yield-Produkte mit BTC als Collateral**    |

Welle 5 zielt auf einen Markt, gegen den selbst die ETF-Welle klein aussieht: Der globale Fixed-Income-Markt umfasst rund 143 Billionen Dollar. Davon liegt ein erheblicher Teil in Retail- und HNW-Portfolios, die seit fünfzehn Jahren von Renditen ausgehungert wurden.

Diese Investoren kaufen kein Bitcoin. Sie kaufen Yield. Aber wenn der Yield aus Bitcoin-besichertem Collateral kommt, kaufen sie Bitcoin durch die Hintertür. Und sie tun das auch im Bärenmarkt, weil sie den Spread gegenüber Treasuries jagen, nicht den Bitcoin-Kurs.

Wir haben die Mechanik von STRC und die Risiken — Coffeezilla-Debatte inklusive — in einem eigenen Artikel detailliert analysiert: The STRC Machine — Wie Saylor den Bärenmarkt zur Bitcoin-Akkumulations-Engine umgebaut hat.

Hier der entscheidende Punkt für unsere Wellen-These: Wenn STRC funktioniert und kopiert wird, hat Bitcoin etwas, was Gold nie hatte und auch in seinen vier eigenen vorherigen Wellen nicht hatte — eine strukturell antizyklische Käuferbasis. Yield-Hungrige interessieren sich nicht für den BTC-Preis. Sie interessieren sich für die Differenz zur Staatsanleihe.

Was die Wellen-Geschichte uns wirklich lehrt

  1. Bitcoin reift schneller, als die meisten denken. Vier komplette Wellen in 17 Jahren — Gold brauchte 55 Jahre für drei. Wer Bitcoin noch immer als "junges Asset" beschreibt, hat möglicherweise den Reifegrad der Asset-Klasse unterschätzt. Bitcoin ist ein junges Asset im kalendarischen Sinne, aber ein erfahrenes Asset im Zyklus-Erfahrungssinn.

  2. Drawdowns flachen sich ab — Multiples werden kleiner. Mit jedem Zyklus konvergiert Bitcoin in Richtung "normales" Risiko-Asset. Das ist gut für institutionelle Adoption (geringere Volatilität → höhere Allokationen möglich) und schlecht für Spekulanten (kein 100×-Trade mehr aus dem Boden).

  3. Welle 5 hat keine historische Vorlage. Gold hatte nie ein massentaugliches Yield-Produkt mit dem Asset als Collateral. Bitcoin hat es jetzt. Das ist keine Wiederholung, das ist ein neues Drehbuch, das geschrieben wird, während wir es lesen.

  4. Die Pausen zwischen Wellen sind brutal. Wer Gold am Top 1980 kaufte, wartete 28 Jahre. Bitcoin-Pausen sind kürzer — typisch 1-2 Jahre Bärenmarkt — aber nicht weniger schmerzhaft. -87%, -84%, -77%. Das vergisst man im Bullenmarkt schnell.

  5. Die ETF-Welle und die Yield-Welle überlappen sich. Bei Gold war Welle 2 (ETF) abgeschlossen, bevor Welle 3 (Zentralbanken) begann. Bei Bitcoin läuft Welle 4 (ETF) noch in vollem Gange, während Welle 5 (Yield) bereits startet. Das ist die strukturelle Beschleunigung, von der man oft hört, aber selten konkret beweist. Hier sieht man sie.

Was du daraus machst

Wir bauen Backtesting Arena, weil wir glauben, dass die richtige Frage selten "Wo geht der Preis hin?" ist. Die richtige Frage ist meistens: In welcher Welle stehen wir gerade — und welche Strategie passt zu welcher Phase?

Die historischen Bitcoin-Wellen sind in unserer Datenbank vollständig backtest-bar, und sie geben uns konkrete Hinweise:

  • Trend-Following-Strategien (Bullenmarkt-Ampel, EMA Trend Bias, Golden Cross) funktionierten in den Wellen 1-3 hervorragend. In Welle 4 mit ihrem flacheren Drawdown und schnellen V-Förmigen Rebounds wurde es schwieriger.

  • Mean-Reversion-Strategien (RSI-basiert) hatten dagegen in Welle 4 Vorteile, weil die volatileren, kürzeren Schwankungen mehr Trade-Opportunitäten lieferten.

  • Wenn Welle 5 wirklich antizyklische Käufer mitbringt, ändern sich diese Patterns nochmal. Tops könnten flacher werden, weil yield-hungriges Kapital nicht mehr "bei $69k panisch verkauft", sondern weiter nachkauft. Cycle-Top-Indikatoren, die in Welle 1-3 funktioniert haben, könnten in Welle 5 zu früh signalisieren.

In der Arena kannst du genau diese Hypothese testen. Die EMA Trend Bias Strategie, die WMA-Filter-Logik, die Bullenmarkt-Ampel — sie alle sind nicht für eine bestimmte Vorhersage gebaut, sondern für Erkennen von Regimes. Welle-3-Bullen-Phase, Welle-4-Übergang, brutaler Bärenmarkt zwischen Wellen.

Was wir mit Sicherheit sagen können: Gold hat das Drehbuch dreimal geschrieben. Bitcoin hat es in einem Drittel der Zeit viermal gespielt. Und schreibt jetzt einen fünften Akt, der bei Gold nie auf der Bühne stand.


Disclaimer: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Vergangene Performance — egal ob von Gold, Bitcoin oder einer Backtest-Strategie — ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Bitcoin ist ein hochvolatiles Asset, das jederzeit erhebliche Verluste verursachen kann. Mache eigene Recherche. Investiere nur, was du verlieren kannst.

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