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Warum es schwerer ist, einen Bitcoin-Indikator zu bauen, als es aussieht

Jeder will einen verlässlichen Bitcoin-Zyklus-Indikator. Kaufen nahe am Boden, verkaufen nahe am Top. Simples Konzept. Überraschend schwer gut umzusetzen. Hier ist, was wir beim eigenen Versuch gelernt haben — und warum die klassischen Ansätze mit jedem Zyklus unzuverlässiger werden.

Backtesting Arena·18. April 2026·4 Min. Lesezeit·6 Aufrufe
Warum es schwerer ist, einen Bitcoin-Indikator zu bauen, als es aussieht

Der naheliegende Ansatz — und warum er versagt Die klassischen Bitcoin-Zyklus-Indikatoren (Pi Cycle Top, Mayer Multiple, NUPL, Fear & Greed) wurden auf Daten aus 2013, 2017 und 2021 kalibriert. In diesen Zyklen funktionierten sie gut, weil Bitcoin volatil war, retail-dominiert und sich in dramatischen Extremen bewegte. Das Problem: Jeder Zyklus hat kleinere Extreme gezeigt als der vorherige. 2017er Top: Mayer Multiple bei 3.8. Weekly RSI über 90. Fear & Greed bei 95. 2021er Top: Mayer Multiple peakte bei 2.8. Weekly RSI bei 85. Fear & Greed bei 84. 2025er Top: Mayer Multiple hat knapp 2.0 gestreift. Weekly RSI bei 68. Fear & Greed bei 72. Wer immer noch "Mayer Multiple > 2.4 = Verkaufssignal" verwendet, hätte praktisch den gesamten 2025er Bull Run nach oben und wieder nach unten mitgemacht. Die Schwellwerte, die 2017 funktioniert haben, lösen heute einfach nicht mehr aus. Das ist kein Bug. Das ist eine strukturelle Veränderung des Marktes. Warum der Kanal enger wird Drei Kräfte drücken Bitcoins Volatilität:

  1. Institutionelle Akkumulation ETFs, Treasury-Companies und Regierungen halten mittlerweile rund 20%+ der gesamten Bitcoin-Supply. Das sind etwa 4 Millionen BTC, die in einem Bärenmarkt nicht panisch verkauft werden — und die auch nicht spekulativ in einem Bull Run aufgekauft wurden. Permanente Käufer schaffen einen strukturellen Preisfloor. Permanente Hodler reduzieren verfügbares Angebot. Das Ergebnis: kleinere prozentuale Bewegungen in beide Richtungen.
  2. Marktreife Frühe Bitcoin-Zyklen waren retail-dominiert, mit kaum professionellem Geld-Management. Heute partizipieren institutionelle Trader mit Risk-Management-Frameworks in großem Stil. Die FOMO-kaufen nicht am Top und kapitulieren nicht am Boden so wie Retail. Die Extreme werden geglättet.
  3. Abnehmende Halving-Wirkung Das Halving halbiert die Miner-Belohnung und reduziert den Verkaufsdruck. 2012 und 2016 war das ein gewaltiger Angebots-Schock relativ zum Gesamt-Handelsvolumen. 2024, als die ETF-Zuflüsse den Miner-Verkaufsdruck bei weitem übertrafen, war die preisliche Halving-Wirkung strukturell kleiner. Jedes Halving zählt weniger als das vorherige. Das Kalibrierungs-Problem Wer heute einen Zyklus-Indikator baut und ihn auf 2017er Daten kalibriert, fragt im Kern: "Sieht der aktuelle Markt so extrem aus wie der extremste Bitcoin-Zyklus der Geschichte?" Die Antwort wird immer "nein" sein — weil jeder Folgezyklus weniger extrem war. Die ehrliche Lösung ist nicht, die Schwellen einfach zu senken. Die ehrliche Lösung ist, die Messgröße zu ändern. Statt "Ist das Mayer Multiple über 2.4?" fragt man besser: "Liegt das Mayer Multiple in den obersten 20% seiner eigenen jüngeren Historie?" Genau das macht ein rollender Z-Score. Er normalisiert jeden Indikator gegen sein eigenes Verhalten der letzten Zeit, nicht gegen absolute historische Extreme. Ein Mayer Multiple von 1.8 mag in 2025 "erhöht" sein, auch wenn es gegenüber 2017 moderat wirkt. Der Z-Score erkennt das. Ein fester Schwellwert nicht. Was ein robuster Zyklus-Indikator wirklich braucht Nach Tests mehrerer Ansätze: Das funktioniert besser als feste Schwellwerte. Mehrere unabhängige Signale Kein einzelner Indikator fängt jeden Zyklus. Pi Cycle Top hat 2013, 2017 und 2021 fast tagesgenau getroffen. 2025 hat er zu früh ausgelöst. Mayer Multiple, Fear & Greed und Weekly RSI zeigten jeweils andere Muster. Je mehr Signale übereinstimmen, desto belastbarer die Einschätzung — aber Übereinstimmung erfordert Unabhängigkeit, nicht Korrelation. Adaptive Normalisierung Rollender Z-Score oder Perzentil-Ranking gegen ein 1–2-Jahres-Fenster. Das hält den Indikator kalibriert auf die aktuelle Marktstruktur statt auf historische Extreme, die sich vielleicht nie wiederholen. Institutioneller Kontext als Dämpfer Höherer institutioneller Besitz bedeutet strukturelle Stützung und reduzierte Volatilität. Ein "Überhitzt"-Reading bei 15% institutioneller Beteiligung bedeutet etwas anderes als dasselbe Reading bei 1%. Das Signal sollte entsprechend gedämpft werden. Ehrliche Beschriftung "Akkumulation / Expansion / Distribution / Überhitzt" ist nützlicher als "Kauf / Verkauf". Kein Indikator sagt die Zukunft voraus. Ein guter Indikator beschreibt die aktuelle Markttemperatur — und lässt dich deine eigenen Entscheidungen treffen. Die unbequeme Wahrheit Das 2025er Bitcoin-Top bei 126.000 Dollar hat kaum eines der klassischen Extrem-Readings gezeigt, die frühere Zyklus-Peaks markierten. Fast jeder traditionelle Indikator meldete "erhöht, aber nicht extrem". Zwei Erklärungen:

Die Indikatoren sind kaputt, und die alten Schwellwerte gelten für eine reifende Anlageklasse nicht mehr. Bitcoin hat sich strukturell verändert, und künftige Zyklen werden flacher — weder die Tops noch die Böden werden jemals wieder so extrem aussehen wie 2017 oder 2018.

Beides ist vermutlich teilweise wahr. Der intellektuell ehrlichste Ansatz: einen Indikator bauen, der das anerkennt, sich an die aktuelle Marktstruktur anpasst und Unsicherheit kommuniziert statt falscher Präzision. Unterm Strich Einen Bitcoin-Zyklus-Indikator in 2026 zu bauen heißt zu akzeptieren, dass:

Historische Kalibrierung auf 2017er Daten zunehmend unzuverlässig wird. Volatilität durch institutionelle Adoption strukturell sinkt. Die Wirkung des Halvings mit jedem Zyklus kleiner wird. Adaptive Normalisierung feste Schwellwerte schlägt. "Markttemperatur" ehrlicher ist als "Kauf/Verkauf-Signal".

Das Ziel sollte nicht sein, Tops und Bottoms vorherzusagen. Es sollte sein, eine einfachere Frage zu beantworten: Läuft der Markt gerade heiß oder kalt, relativ zu seinem eigenen jüngeren Verhalten? Diese Frage ist beantwortbar. Die andere nicht.

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